Bei der Produktion schon an das Recycling denken

Von links: Prof. Dr. Simone Lake (TH Köln), Monika Lichtinghagen-Wirths (BAV), Michael Schmitz (Jokey SE), Frank Barlog (Barlog Plastics GmbH) (Bild: BAV, KIO e.V.)

Diskussionsveranstaltung der Kunststoff-Initiative Oberberg präsentierte Konzepte für die Kunststoffe der Zukunft

21.9.2021 - „Zirkuläre Kreislaufwirtschaft und Ecodesign“ war das Thema für das beliebte Veranstaltungsformat „Spätschicht“ der Kunststoff Initiative Oberberg (KIO) e.V. Der Verein KIO ist stetig gewachsen und hat inzwischen 46 Mitgliedsunternehmen in der Oberbergischen Region. Die TH Köln ist mit Prof. Dr. Simone Lake als stellvertretende Vorsitzende im Vorstand vertreten. Sie moderierte den Abend und hatte maßgeblich am Konzept der Veranstaltung mitgewirkt.

Zirkuläre Wertschöpfung

25 Teilnehmer*innen (getestet, geimpft oder genesen) konnten im Vortragssaal des Lehr- und Forschungszentrums :metabolon in Lindlar die Vorträge verfolgen, zahlreiche weitere Zuschauer*innen waren via Livestream über YouTube dabei. Die ehemalige Deponie des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes (BAV) und ihr Konzept als Forschungsstandort war Thema der ersten Präsentation. Die BAV-Geschäftsführerin Monika Lichtinghagen-Wirths stellte den Standort und das Prinzip der zirkulären Kreislaufwirtschaft vor. Dieses Konzept passt bestens zum Forschungscluster „Zirkuläre Wertschöpfung“, den die TH Köln kürzlich ins Leben gerufen hat. Fast alle Fakultäten der größten deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften beteiligen sich an diesem Cluster, dabei geht es um Technik, aber auch um gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Aspekte sowie den rechtlichen Rahmen der Kreislaufwirtschaft. 

Danach stellte Michael Schmitz vom KIO-Mitgliedsunternehmen Jokey Holding GmbH & Co. KG deren Initiative „Grau ist das neue Grün“ vor. Der Verpackungshersteller will mit seinem Vorstoß den Einsatz von Sekundär-Rohstoffen ausweiten. Verpackungen aus Recycling-Material können bis heute nur grau sein, ansprechende Farben sind nicht möglich. Hier soll unter anderem eine Imagekampagne für Grau die Akzeptanz beim Kunden verbessern. Das Wipperfürther Unternehmen hat sich schon in den 90er Jahren mit einer ressourcenschonenden Produktion beschäftigt und kooperiert mit dem World Wide Fund For Nature (WWF), um die Nachhaltigkeit der firmeninternen Prozesse zu beleuchten.

Kunststoff hat nach wie vor Zukunft

Mit seinem Vortrag „Design für Recycling“ forderte Frank Barlog von der Barlog Plastics GmbH, sich bereits bei der Neuentwicklung von Produkten mit deren Recyclingfähigkeit auseinanderzusetzen. Kunststoffteile altern oder werden durch UV-Einstrahlung spröde und sind dann nur teilweise als Sekundärrohstoffe zu verwenden, das ist bei der Materialauswahl vor der Produktion zu bedenken. Außerdem werden derzeit viele Materialien und Funktionen in einem Prozessschritt bei der Produktion kombiniert und sind damit praktisch unzertrennlich, können also am Ende nur verbrannt werden. Hier gilt es neue Wege zu finden.

„Der Werkstoff Kunststoff hat nach wie vor Zukunft.“ Darin waren sich die Teilnehmer*innen bei der abschließenden Podiumsdiskussion einig. Nach heutigem Stand der Forschung ist es nicht möglich, ausschließlich nachwachsende Rohstoffe zur Erzeugung von Kunststoffen einzusetzen. Wichtig ist, dieses Material gezielt und sparsam da einzusetzen, wo sie unentbehrlich sind und dabei seinen Lebenszyklus zu hinterfragen. Nicht nur die Industrie, auch die Verbraucher*innen müssen den hohen Wert und die große Vielseitigkeit der Kunststoffe erfassen und sich entsprechend verhalten.

Bei der Veranstaltung wurden alle aktuellen Hygienevorschriften eingehalten. Bei der Veranstaltung wurden alle aktuellen Hygienevorschriften eingehalten. (Bild: BAV, KIO e.V.)

September 2021


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