Ein Beitrag von

Christian Sander

Team Presse und Öffentlichkeitsarbeit

  • Telefon+49 221-8275-3582

Zwischen Mixed Reality und Lernräumen: Wie REDiEE Lehre neu definiert

Das Pilotprojekt REDiEE zur Entwicklung hybrider Lehrkonzepte und Studienangebote hat an der TH Köln nachhaltige Veränderungen bewirkt. Im Interview spricht Projektleiterin Dr. Birgit Szczyrba vom Zentrum für Lehrentwicklung über Lernräume, Serious Games und den Modellstudiengang Maschinenbau – Product Engineering and Context. Außerdem erläutert sie die Weiterentwicklung des Projekts.

Mit ​REDiEE hat die TH Köln versucht, die Digitalisierung der Hochschullehre neu zu denken. Was war der Anstoß für das Vorhaben?

​Die Corona-Pandemie hat uns die Grenzen des bis dahin praktizierten E-Learnings sehr deutlich vor Augen geführt. Dieses allein reicht nicht aus, um den Studierenden die nötige transformative Kompetenzentwicklung zu ermöglichen. Darunter verstehen wir Fähigkeiten und Einstellungen, die über eine fundierte fachliche Hochschulbildung und -ausbildung – die natürlich weiterhin wichtig ist – hinausgehen. Benötigt wird etwa die Fähigkeit, sich an schnell ändernde Rahmenbedingungen anzupassen, transdisziplinär zu arbeiten und flexibel im Denken zu sein. Dies wollten wir unter anderem durch zukunftsorientierte, hybride Lehrkonzepte erreichen. Wir strebten zudem echte Veränderungen auf allen Ebenen an – von der einzelnen Lehrveranstaltung bis zu den Hochschulstrukturen.

Warum haben Sie das Projekt in den Ingenieurwissenschaften gestartet?

​In den Ingenieurwissenschaften haben wir ein relativ starkes Beharrungsvermögen in Bezug auf klassische Vorlesungsformate, aber gleichzeitig viel Tatkraft, Mut und Lust auf Veränderung wahrgenommen. Daher schienen uns diese Fakultäten als guter Ausgangspunkt, um die Veränderungen in die gesamte Hochschule zu tragen. Am Ende beteiligten sich acht von zwölf Fakultäten an dem Vorhaben.

Was sind die maßgeblichen Erfolge von REDiEE und was bleibt nach dem Projektende?

Für uns ist zentral, dass das Thema an unserer Hochschule in allen Bereichen angekommen ist. Es hat Einfluss auf Lehrveranstaltungen, Studiengänge und Hochschulstrukturen genommen. So haben wir über 20 neue Lehrkonzepte erprobt und erforscht. Diese sind als didaktische Muster bei patternpool.de für alle Interessierten zugänglich. Die Vielfalt an Lehrkonzepten ist gewachsen – etwa durch Wettbewerbsformate wie die „Ingenieure ohne Grenzen Challenge“ oder spielerische Ansätze wie das Mixed-Reality-Game FutureING. Der Expertisezirkel REDiEE und unsere 15 Workshops haben transformatives Lehren und Lernen ebenfalls in der Breite verankert.

Was ebenfalls bleibt, ist der neue Bachelorstudiengang Maschinenbau – Product Engineering and Context, in dem Professor*innen vor allem als Coaches und Mentor*innen agieren und damit eine ungewohnte Rolle einnehmen. Vier neue Lernräume sind konkrete Örtlichkeiten für innovatives, hybrides und flexibles Lehren und Lernen. Ergänzt werden diese Lernräume durch Hy!Spaces, einer digitalen Plattform, die analoge und digitale Lernräume verbindet und den Studierenden zeit- und ortsunabhängiges Kollaborieren ermöglicht.

​Während der vierjährigen Projektlaufzeit stieg die Leistungsfähigkeit Künstlicher Intelligenz massiv an. Konnten Sie das im laufenden Prozess aufgreifen?

KI hat die Hochschullehre schon jetzt maßgeblich verändert und wird das auch in Zukunft tun. Für uns kam das Thema zur rechten Zeit, so dass wir es direkt aufgreifen konnten, etwa durch einen KI-gestützten Coachbot, der Studierende während ihrer Selbstlernphasen individuell und ressourcenorientiert berät. ​

​REDiEE ist nun beendet, aber die Transformation endet damit nicht. Wie sichern Sie, dass die Ergebnisse auch weiterhin die Lehre an der TH Köln verändern?

​Was wir erarbeitet haben, fließt unmittelbar in unseren neuen Expertisezirkel „TraiL - Wege zur transformativen Bildung“ ein. Mit ihm wollen wir Studienverläufe individualisieren und die Kompetenzen der Studierenden gezielt für zukünftige berufliche und gesellschaftliche Herausforderungen stärken. Hierfür arbeiten circa 100 Hochschulmitglieder cross-funktional in drei Arbeitsgruppen seit Ende 2025 zum Beispiel daran, die disziplinäre Ausrichtung von Studiengängen mit inter- und transdisziplinären Elementen zu kombinieren, das Semester in neuen Tages- und Wochenstrukturen zu reorganisieren und einen hochschulweiten Zeitrahmen zu schaffen. Zudem entwickelt der Expertisezirkel ein hochschulweites akademisches Mentorat, in dem erfahrene Mentor*innen die Studierenden beim souveränen Umgang mit Unsicherheiten und Widersprüchen auf ihrem Bildungsweg unterstützen.

REDiEE. Roll-out, Empowerment, Design in Engineering Education: ein neues Transfermodell für die Lehre

Laufzeit: 01.08.2021 bis 31.12.2025

Mit über 4,4 Mio. Euro durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert

Februar 2026

Ein Beitrag von

Christian Sander

Team Presse und Öffentlichkeitsarbeit

  • Telefon+49 221-8275-3582


M
M