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Ein Artikel aus dem Hochschulmagazin

Starker Mittelbau: Bert Jaček

Bert Jaček, Labor für Schriftgut, Grafik, Fotografie und Buchmalerei (Bild: Heike Fischer/FH Köln)

"Als Student dachte ich, eine Lehrtätigkeit an der FH wäre mein Traumjob." Als sich vor neun Jahren die Gelegenheit bot, ging Alumnus Bert Jaček deshalb zurück ans Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS).

Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter sind in seiner Branche dünn gesät. Und wenn der bürokratische Papierkram nicht wäre, lägen Traum und Realität auch sehr nah beieinander. "Der nimmt seit ein paar Jahren leider immer mehr Zeit in Anspruch".

Der Diplomrestaurator, der inzwischen das Masterstudium draufgesattelt hat, muss sich oft mit wenig gegenständlichen Dingen wie EU-Richtlinien und Vollkostenkalkulationen beschäftigen. Gremienarbeit, Raumvergabe innerhalb des Instituts und Prüfungsausschuss gehören ebenfalls zu seinen Aufgaben. Die übrigen Stunden verbringt er "äußerst angenehm und selbstbestimmt".

Bert Jaček betreut die angehenden Restauratorinnen und Restauratoren in der Studienrichtung Schriftgut, Grafik, Fotografie und Buchmalerei. Er hält eine Lehrveranstaltung zu Betrieblichen Grundlagen, organisiert Exkursionen, Workshops und akquiriert Gastdozenten. Der Mittelpunkt ist aber die praktische Arbeit in der Werkstatt. 70 bis 80 Objekte besorgt er pro Semester, die dann von den Studierenden restauriert werden.

Bert Jaček mit einer Studentin Bert Jaček bespricht mit einer Studentin die Details an einer ungewöhnlichen Weihnachtskrippe von 1931 (Bild: Heike Fischer/FH Köln)

Überwiegend sind es Bücher und Grafiken, "aber es soll schließlich jeder seine Interessen verwirklichen. Manchen liegen Fotos mehr." Oder Objekte, wie eine ungewöhnlich gestaltete Weihnachtskrippe von 1931. In Jačeks Büro finden sich Artefakte wie ein Löscheimer aus Leder (von 1750) oder ein venezianischer Fächer (datiert um 1800), der von seinem Besitzer notdürftig mit Tesafilm geflickt wurde. Die inzwischen vergilbten und spröden Klebestreifen halten zwar die dünne Seide zusammen, sie abzuziehen birgt aber das Risiko, die feinen Malereien auf der Seide zu zerstören. Hier sei viel Fingerspitzengefühl gefragt. Endlich hat sich ein Studierender an die Aufgabe herangewagt – der Fächer schlummert schon seit ein paar Jahren in Jačeks Tresor.

Aus seiner Zeit als selbstständiger Restaurator im Verbund der Kalker Werkstätten hat sich der 45-Jährige ein Netzwerk privater Kontakte aufgebaut. Archivämter, Unibibliotheken und Museen sind zudem wichtige Knotenpunkte – von dort erreichen ihn oft Anfragen und Restaurierungsaufträge von Dritten. Diskretion und ein gutes Vertrauensverhältnis sind die Basis bei seiner Objektakquise. Jaček muss bei den Aufträgen darauf achten, dass der Aufwand zum jeweiligen Semesterniveau passt. Außerdem will er auch nicht in den freien Markt eingreifen und seinen Absolventinnen und Absolventen die Jobs wegnehmen. "Wir übernehmen deshalb für gewöhnlich Aufträge, die aus Budgetgründen sonst unbearbeitet bleiben würden."

Durch die praxisorientierten Studiengänge des CICS ergeben sich immer wieder Möglichkeiten, neue Techniken zu entwickeln, auf die Jaček stolz ist: Das "Weiche Feinstrahlen" zum Beispiel, zur Reinigung von Pergament und Papier. Alle anderen gängigen Verfahren würden bei weitem nicht so gute Ergebnisse erzielen, wie die Methode des CICS. Auch die Firnisabnahme mit Ultraschall wurde hier erfunden. "Die Arbeit mit den Studierenden hält mich auf Trapp. Und ich lerne selbst ständig Neues", sagt Bert Jaček. Manchmal übertrifft die Realität sogar die Wünsche: Wenn zum Beispiel ein ägyptischer Totenbuch-Papyrus nach 3.500 Jahren erstmals wieder entrollt wird. An solchen Momenten teilhaben zu können ist "ein schönes Geschenk, das man hier geboten bekommt."

Text: Monika Probst

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