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Cologne Institute of Conservation Sciences

Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft

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Prof. Dr. Friederike Waentig

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Kunststoffe für die Ewigkeit? Gläserne Figuren und andere Ausstellungen erforschen und erhalten

Gläserner Mann 1955 (Bild: Deutsches Hygiene-Museum)

Die internationale Abschlusstagung diente dem interdisziplinären Austausch über historische, materialwissenschaftliche und konservatorisch-restauratorische Aspekte von musealen Objekten aus cellulosebasierten Kunststoffen.


Die berühmten Gläsernen Figuren des Deutschen Hygiene-Museums bestehen bekanntlich nicht aus Glas, sondern aus dem Kunststoff Celluloseacetat.
Was nur wenige wissen: Haut und Organe der Figuren zeigen mittlerweile fortschreitende Schäden. Um diese genauer zu untersuchen, hat das Museum 2016 ein interdisziplinäres Forschungsprojekt gestartet, das von der VolkswagenStiftung umfangreich gefördert wurde. Kooperationspartner waren die Hochschule für Bildende Künste, die Technischen Universität Dresden sowie die Technische Hochschule Köln. Ziel des Projektes war es, den Alterungsprozess der Gläsernen Figuren besser zu verstehen und Möglichkeiten zu finden, ihn zu verlangsamen. Neben Fragen der Konservierung und Restaurierung wurde dabei auch die historische Dimension dieser bei ihrer Erstpräsentation 1930 hoch modernen Exponate untersucht.

Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes wurden im Deutschen Hygiene-Museum auf der internationalen Tagung Kunststoffe für die Ewigkeit? Gläserne Figuren und andere Ausstellungsikonen erforschen und erhalten präsentiert. Es referierten Expert*innen aus Australien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Polen und den USA, und es wurden mehr als 130 Teilnehmer*innen aus dem In- und Ausland erwartet.
Auch andere Museen sollen mit den Empfehlungen des Forschungsprojekts in die Lage versetzt werden, ihre Kunststoffobjekte besser schützen zu können. Die Tagung dient auch dem generellen Austausch über neue Erkenntnisse einer interdisziplinär ausgerichteten Kunststoffforschung.

Das Dresdner Forschungsprojekt muss in einem größeren Zusammenhang mit Auswirkungen auf die gesamte Museumswelt betrachtet werden. Denn spätestens mit der massenhaften Verbreitung von Kunststoffen seit Mitte des 20. Jahrhunderts begann gewissermaßen das Plastikzeitalter. Seither sind Kunststoffe fester Bestandteil unserer Kultur: Verpackungen, Strohhalme, Spielzeug, Analogfilme, Gummidichtungen, Raumanzüge, Brillen oder Implantate – fast überall finden die unterschiedlichsten Kunststoffe Verwendung.

Hinter dem Sammelbegriff „Kunststoff“ verbergen sich ganz unterschiedliche Materialien, die jedoch eines gemeinsam haben: Sie wurden für ihren unmittelbaren Gebrauchszweck optimiert und ihre langfristige Haltbarkeit spielte selten eine Rolle. Das hat zur Folge, dass die meisten Kunststoffe schneller altern als traditionelle Materialien und oft schlagartig von einem stabilen Zustand in Zersetzung übergehen.

Für Museen, Galerien und andere Institutionen, die Objekte des Plastikzeitalters sammeln und ausstellen, bedeutet das ein riesiges Problem. Denn viele dieser Sammlungsstücke zeigen bereits deutliche Anzeichen der Alterung. Langfristig droht der Verfall einzigartiger Kunstwerke und wertvoller Zeugnisse der Alltagskultur. Von diesem Verlust sind nahezu alle Archive, Bibliotheken und Museen in Europa betroffen. So schätzt das Londoner Victoria & Albert Museum, dass 4.500 seiner Exponate zumindest teilweise aus Kunststoff bestehen.

Am 19. September diskutierten Fachleute während einer öffentlichen Abendveranstaltung im Rahmen der Tagung über die grundsätzliche Frage „Was tun mit alternden Objekten?“ Soll man sie erforschen, um die Materialien besser zu verstehen und den Objekten Informationen zu entlocken, bevor sie verloren sind? Soll man sie ausstellen und die Alterung als Prozess begreifen, der dem Objekt neue Bedeutungsebenen verleiht? Soll man sie aussondern, um Platz für neues zu schaffen? Oder soll man sie erneuern und damit tiefer in die Objekte eingreifen, als in der Museumspraxis sonst üblich?
Auf dem Podium diskutierten die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Angela Matyssek (Hochschule für Bildende Künste Dresden); die Leiterin des Forschungsbereichs Sammlungsentwicklung und Biodiversitätsentdeckung am Museum für Naturkunde Berlin, Dr. Christiane Quaisser; der Di-rektor des Deutschen Hygiene-Museums, Prof. Klaus Vogel; die Fachbereichsleiterin für All-tagskultur des Deutschen Historischen Museums, Dr. Sabine Witt; die Konservierungswissen-schaftlerin und Kunststoffexpertin Suzan de Groot (Cultural Heritage Agency of the Nether-lands, Amsterdam).
Moderation: David Vuillaume, Geschäftsführer des Deutschen Museumsbunds e.V.

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