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Ein Artikel aus dem Hochschulmagazin

Starker Mittelbau: Christian Ihns

Christian Ihns, Labor für Bau- und Werkstoffprüfungen (Bild: Heike Fischer/FH Köln)

"Wir leben davon, alles kaputt zu machen", sagt Christian Ihns. Dafür sieht es an seinem Arbeitsplatz ziemlich ordentlich aus – wenn auch recht staubig. Auf einer Fläche von rund 1.000 qm verteilen sich Baustoffproben aller Art.

Zylindrische und quadratische Stücke, sauber geschnitten, glatt geschliffen und sorgfältig nummeriert. Sie waren Teil eines Ziegelmauerwerks, eines Stahlpfeilers, eines Zementestrichs oder eines Asphaltbelags. Viele davon sind verbogen und zerbrochen; bröselig oder glatt in zwei Teile zerschlagen.

Dennoch ist das Labor für Bau- und Werkstoffprüfungen kein Ort für Leute, die sich mal so richtig austoben wollen. "Hier geht es nicht um Tempo, sondern um Genauigkeit." Christian Ihns betreut das Labor seit seinem Studienabschluss an der Fakultät für Bauingenieurwesen und Umwelttechnik. Im öffentlichen Dienst arbeiten wollte der 49-Jährige damals nie, doch an der Arbeit mit jungen Menschen hatte er schon im Tennisverein und bei den Pfadfindern großen Spaß. Also blieb er an der Hochschule. 23 Jahre ist das jetzt her.

Im Labor für Bau- und Werkstoffprüfungen bereiten Christian Ihns und seine Kollegen die Baustoffproben milimetergenau vorIm Labor für Bau- und Werkstoffprüfungen bereiten Christian Ihns und seine Kollegen die Baustoffproben milimetergenau vor (Bild: Heike Fischer/FH Köln)

"Tatsächlich hat der öffentliche Dienst auch Vorteile: Wir haben hier enorme Freiheiten für Experimente und Forschungsaktivitäten." Letztere finden vor allem im Bereich Betontechnologie und Natursteinkonstruktionen statt. Die meist aufwendigen Bachelor- und Masterarbeiten, von denen Ihns einige betreut, sind häufig Grundlage für die Forschungsergebnisse. "Hier wird oft wochenlang an Versuchsaufbauten und Versuchseinrichtungen gefeilt und optimiert."

Während der Semester herrscht in den Hallen großer Durchgangsverkehr. 180 angehende Bauingenieure durchlaufen im ersten und zweiten Semester die Materialprüfstelle. Hinzu kommen die Vertiefungsstudierenden aus den höheren Semestern. Die fachmännische Destruktion von Baustoffen wird außerdem den 140 Architekturstudierenden demonstriert.

Ihns hält dazu in Abstimmung mit den Professorinnen und Professoren Seminare und Übungen ab. Und auch die angehenden Restauratorinnen und Restauratoren, die mit historischen Baustoffen arbeiten, lernen hier den Umgang mit Gesteinsproben. Eine Zusammenarbeit mit den Fahrzeugtechnikern ist ebenfalls geplant.

Neben den Arbeiten mit den Studierenden betreibt das Baustofflabor eine unabhängige Materialprüfstelle für Baustoffe, Beton und Naturstein (BgA). Das Team arbeitet mit Baustoffherstellern und -verarbeitern, freien Ingenieurbüros oder Sachverständigen zusammen und gibt Hilfestellung bei der Bearbeitung und Beurteilung ihrer Prüfaufgaben. Ihns und seine drei Mitarbeiter spielen die bemängelten Schäden und falschen Konstruktionen nach und untersuchen, ab wann die physikalischen Kräfte Schaden anrichten. Das Labor hat sogar schon im Deutschen Reichstag Materialproben entnommen und untersucht. "Es geht dabei immer um Sicherheit und um Kosten."

Die Einnahmen aus der Materialprüfstelle werden in eine moderne Ausrüstung investiert: Alles ist auf dem neuesten Stand, auch wenn noch einige altertümliche Prüfanlagen die Hallen schmücken. Gerade wurde eine neue Universalprüfmaschine für 200.000 Euro in Betrieb genommen. Bis zu 60 Tonnen trägt die Maschine.

Von der neuen Technik profitieren nicht nur die Studierenden: Bis zu drei Azubis werden hier zu Baustoffprüfern ausgebildet. 2011 stellte das Labor den besten Azubi Deutschlands. "Ein bisschen ist es hier wie bei Jugend forscht", schmunzelt Ihns. "Auf den Baustellen Proben entnehmen und dann hier in Ruhe nach den Fehlern suchen. Wer früher großen Spaß hatte an Fischer-Technik und Lego, ist bei uns genau richtig."

Text: Monika Probst

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