Treppenaufgang mit Time Cube (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Löwenbrunnen

Als Zierbrunnen 1907 in der deutschen Kaiserzeit erbaut, wurde der Löwenbrunnen in der NS-Zeit zu einem „Opfertisch“ umfunktioniert, bevor er 1938 überbaut und im Laufe der Jahrzehnte von den verschiedenen Nutzer*innen des Gebäudes fast vergessen wurde. Nach 75 Jahren entdeckten Mitarbeiter den Brunnen wieder. Er wurde freigelegt und saniert. Für kurze Zeit sprudelte sogar wieder das Wasser, allerdings nicht genauso wie früher: Die von Säulen getragene Brunnenschale und der wasserspeiende Löwenkopf waren nicht mehr erhalten.

Auf unserer Übersichtsseite finden Sie alle Informationen rund um den Löwenbrunnen: von seiner Historie bis zum Studierendenwettbewerb.

Blog-Beitrag von Prof. Dr. Joachim Metzner

Ein Schloss für den „Satrapen“: Das Gauhaus der NSDAP in Köln

Der Aufstieg der Kölner NSDAP lässt sich an den von der Partei genutzten Gebäuden ablesen. Nachdem die Parteiführung anfangs in einigen Kellerräumen am Ubierring gearbeitet hatte, zog sie in immer größere und schönere Gebäude um. [...] Am 5. November 1934 nahm die Leitung des Gaues Köln-Aachen der NSDAP in dem für die Städtische Handelshochschule und spätere Universität zu Köln errichteten Gebäude in der Claudiusstraße im Kölner Süden ihre Tätigkeit auf ...

Wiederentdeckung und Sanierung

Wettbewerb und Preisträger*innen

2021 lobte die TH Köln gemeinsam mit dem Förderverein der Hochschule den studentischen Wettbewerb „Zeiträume“ aus. Ziel: Die bewegte Vergangenheit des Löwenbrunnens und seiner unmittelbaren Umgebung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Vier der 16 teilnehmenden Teams wurde ausgezeichnet. Im Mai 2022 wurden die Konzepte "Time Cube" (1. Preis) und "(un)erzählt" (2. Preis) umgesetzt.

Erster Platz: Time Cube

Den ersten Preis, der mit 1.500 Euro bedacht wurde, erhielten Ivan Falkenstern, Ann-Kristin Heiser, Jasmin Strauch und Arwin Yousefein für ihre Idee „Time Cube“. Das Konzept schlägt eine Black Box vor, die den Brunnen verhüllt und dadurch verstärkt zur Wahrnehmung bringen soll. An einigen Stellen erhalten Betrachterinnen und Betrachter Einblicke in den Kubus, welche die Aufmerksamkeit auf Details lenken und die damit verbundenen geschichtlichen Ereignisse erzählen sollen. „Die Jury hält den Entwurf für sehr geeignet, die Geschichten des Hauses zu erzählen und die Dimensionen sichtbar zu machen, die sich mit dem Löwenbrunnen als Objekt und der Geschichte dieses Hauses verknüpfen“, sagt Laudator Dombaumeister und Alumnus Peter Füssenich.

Zweiter Platz: „(un)erzählt“

Mit dem zweiten Preis in Höhe von 1.000 Euro wurden Malou Tremblay, Anna Marie Schulze-Ardey, Alina Bertacca, Olivia Emefiele und Lisa Blömeke für ihren Entwurf „(un)erzählt“ ausgezeichnet. Die Idee: Eine Inszenierung mit Live-Performance im Mevissen-Saal greift 19 Biographien von Menschen auf und beleuchtet deren Schicksal in der Zeit von 1919 bis 1933. „Durch die Inszenierung wird Menschen eine Stimme gegeben, die ihnen im Nationalsozialismus genommen wurde. Durch das Aussprechen ihrer Namen und ihrer Geschichte, werden ihre Schicksale gehört und die Erinnerung an sie wird bewahrt und erneuert – ganz in der Hoffnung, dass wir aus der Geschichte lernen, Wiederholungen unmöglich werden“, lobt Laudatorin Prof. Gabi Schwab-Trapp von der Hochschule Düsseldorf.

Dritter Platz: "Frequencies of Fragments"

Der dritte Platz ging an Anncatrin Arbeiter, Florian Fuchs, Zher Hassan, Mariana Prado, Martin Van Elten und Max Schlopp. Sie erhielten für ihre Arbeit "frequencies of fragments" ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro. Der Entwurf sieht vor, Besucherinnen und Besuchern im Treppenhaus des Gebäudes mit Klängen zur Reflexion über die Geschichte des Ortes zu verhelfen. Dazu hat das Team eine Dramaturgie entwickelt, in der Klangfragmente mit dem Ort des Löwenbrunnens interagieren sollen. „Gerade diese auditiv-sinnliche Ansprache der Besucherinnen und Besucher wurde von der Jury als originelle Form der Vermittlung historischer Zusammenhänge angesehen. Sie schafft einen niederschwelligen und sehr individuellen Zugang zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes. Der Raum wird so zum Resonanzkörper für die persönliche Interpretation und Reflexion“, unterstreicht Laudator Prof. Klaus Neuberg von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Besondere Anerkennung: „Auf den Spuren der Zeit“

Eine besondere Anerkennung sprach die Jury dem Entwurf von Christine Isabel Barreto Müller, Michelle Lakke, Sanae Motos und Oliver Wahn aus. Im Projekt „Auf den Spuren der Zeit“ haben diese eine Webseite angelegt, auf der mit Hilfe von Fotografien, leichter Sprache, einer virtuellen Tour sowie einer Concept Map mit Hintergrundinformationen die Historie rund um den Brunnen vermittelt wird. „Die Webseite ist in ihrer Struktur und durch das Angebot der leichten Sprache nicht nur inklusiv, sondern unter Verwendung der gleichen Technologie auch multilingual erweiterbar“, betont Laudatorin Dr. Johanna Gummlich, Leiterin des Rheinischen Bildarchivs.

Berichterstattung


M
M