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Jerôme Schickschneit - Ausgezeichnet! im Wintersemster 2019/2020

 Andrea Platte, Jerôme Schickschneit, Bernhard Wilmes, Alf Scheidgen (v.l.r.) (Bild: Heiker Fischer)

Die in der Reihe „Ausgezeichnet!“ gewürdigte Bachelorarbeit von Jerôme Schickschneit "Normative Normalität des Alltags? Diffuse Spannungen lebensweltorientierter Sozialer Arbeit" ist das beeindruckende Produkt eines aufwändigen (Selbst-)Studiums der Quellen und Theorieprobleme des Thiersch'en Lebensweltkonzepts.

Dabei werden nicht nur die jeweiligen einschlägigen Originaltexte referiert, analysiert und resümiert, sondern mit argumentativer Strenge Ambivalenzen, Inkompatibilitäten, Blinde Flecke und invisibilisierte Widersprüche herausgearbeitet, die zu den "diffusen Spannungen" des Konzepts beitragen. Schließlich werden überzeugende beobachtungstheoretische und erkenntnistheoretische Erklärungen für die dargestellte Problematik vorgestellt. So wird zum einen plausibel, dass die begriffliche und logische Inkonsistenz, bzw. die Verunklarung von Widersprüchen für die Soziale Arbeit als Profession funktional ist (also sozusagen einen Sinn hat). Zum anderen können die Theorieprobleme aus einer systemtheoretischen Perspektive im Hinblick auf eine notwendige Entdiskursivierung wissenschaftlicher Begriffe (wie z.B. der phänomenologische Lebensweltbegriff) bei der Rezeption durch die Soziale Arbeit erklärt werden. Durchweg werden in der Arbeit nicht bloß "Fehler" oder Unzulänglichkeiten von Thierschs Argumentationen angeführt und kritisiert, sondern vielmehr nachvollzogen, worin sie systematisch begründet und geradezu notwendig sind.

Schon die Einleitung überzeugt durch eine große Flughöhe, von der aus eine ganze Reihe von theoretischen Positionen zu der Fragestellung überblickbar wird. Tatsächlich gelingt es in der Folge, die philosophischen und soziologischen Wurzeln des Lebensweltbegriffs freizulegen und in einem ideengeschichtlichen Zusammenhang darzustellen. Besonderes Gewicht erhält dabei die Husserl'sche Phänomenologie und die System/Lebenswelt-Unterscheidung von Habermas sowie sein Theorem der 'Kolonialisierung der Lebenswelt'.

Die eigene kritisch-analytische Befragung des Lebensweltkonzepts knüpft an den Forschungsstand an, indem die diesbezüglichen Arbeiten von Kleve und Kraus vorgestellt und im Hinblick auf die jeweiligen Theorieprämissen reflektiert und eingeordnet werden. Die sich davon abhebende Eigenleistung der Arbeit besteht in einer beobachtungstheoretischen Analyse, wobei sich v.a. das Theorem des ‚unmarked space‘ als ergiebig erweist. Die sich schon im Laufe der Arbeit verdichtende These, dass die "diffusen Spannungen" des Konzepts im Wesentlichen von der prinzipiell erfolgenden Ent-Diskursivierung wissenschaftlicher Begrifflichkeiten beim Transfer in (normativ/programmatische) Selbstbeschreibungen der Sozialen Arbeit herrühren, wird so (sogar erkenntnistheoretisch) erklärbar.

(Franz Krönig)

Jerôme Schickschneit (Bacherlorstudiengang Soziale Arbeit):
"Normative Normalität des Alltags? Diffuse Spannungen lebensweltorientierter Sozialer Arbeit"

 Andrea Platte, Jerôme Schickschneit, Bernhard Wilmes, Alf Scheidgen (v.l.r.) Andrea Platte, Jerôme Schickschneit, Bernhard Wilmes, Alf Scheidgen (v.l.r.) (Bild: Heiker Fischer)
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