Inklusive Bibliotheken für NRW
Die gleichberechtigte Teilhabe an Kultur, Bildung, gesellschaftlichem Leben und Information ist ein zentrales Ziel demokratischer Gesellschaften. Öffentliche, städtische Bibliotheken sind hier wichtige Akteurinnen. Sie haben den Auftrag, sich gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention zunehmend zu inklusiven Lern-, Begegnungs- und Sensibilisierungsräumen zu entwickeln.
Für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen ist die barrierefreie Informationsversorgung besonders bedeutsam. Das Feld der Öffentlichen (Stadt-)Bibliotheken bietet bereits eine Vielzahl digitaler Services, Zugänge und Medien. Nicht immer finden sich gleichberechtigt Zugänge für behinderte Menschen. Einen besonderen Platz im Rahmen des Öffentlichen Bibliothekswesens nehmen die Spezialbibliotheken ein, wie etwa die öffentlichen Blindenhörbüchereien (dzb lesen, WBH, SBH, DBB etc.). Diese übernehmen seit vielen Jahren zentrale Aufgaben in der Medienversorgung von sehbeeinträchtigen und blinden Menschen und ermöglichen ein breites Angebot an Hörbüchern und digitalen Services.
Digitaler Wandel und gesetzliche Impulse (BFSG)
Die Erfahrungen insbesondere in städtischen Bibliotheken zeigen, dass es in vielerlei Hinsicht an (digitaler) Barrierefreiheit für sehbeeinträchtige und blinde Menschen mangelt und die Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft sind. Die Digitalisierung bietet neue technische Möglichkeiten. Die Zunahme von kommerziellen Hörbücherplattformen, synthetische Sprachausgaben auf dem Rechner, Tablet oder Smartphone, neuartige Apps und KI-Unterstützungen ermöglichen vielfältige, mitunter neuartige Anwendungen. Auch das neue Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) soll die gleichberechtigte und diskriminierungsfreie Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und älteren Menschen fördern. Nicht nur durch derartige Entwicklungen steigern die Erwartungen an Inklusion und Teilhabe.
Forschung und Change-Prozess
All dies ist Grund und Anlass, über Wege und Möglichkeiten nachzudenken, wie Spezialbibliotheken am Beispiel der Westdeutschen Blindenhörbücherei WBH Münster gemeinsam mit geeigneten Stadtbibliotheken im Rahmen eines kooperativen und synergetischen Wirkens Strukturen und Angebote zur Informations- und Medienversorgung für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen entwickeln und nachhaltig infrastrukturell verankern können. Ziel ist u.a. die Erhebung ihrer Bedarfe an Mediennutzung und damit verbundener Teilhabe. Mithilfe einer Prozessbegleitung verschränkt das Projekt Forschung und Change-Prozess: Forschungsergebnisse werden als Anstöße zu möglicher Weiterentwicklung und Veränderung prozessbegleitend identifiziert und reflektiert. Formate regelmäßiger Diskussion und Abstimmung zu gestalten, ist Aufgabe der Prozessbegleitung.
Auf einen Blick
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Forschungsprojekt | Weiter.les.bar Ein Modellprojekt für inklusive Bibliotheksarbeit |
| Leitung | Prof. Dr. Katja Bartlakowski (Koordination Forschung), Prof. Dr. Andrea Platte (Koordination Forschung-Praxis-Transfer), Prof. Dr. Isabel Zorn (Forschung) |
| Fakultät | Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften / Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften |
| Institut | Institut für Informationswissenschaften / Institut für Kinder, Jugend, Familie und Erwachsene / Institut für Medienforschung und Medienpädagogik |
| Projektpartner | WBH Westdeutsche Bibliothek der Hörmedien fü r blinde, seh- und lesebehinderte Menschen e.V., Manuela Reiser (WBH), Werner Kahle (WBH), Stefan Burkhardt (Beratung und Begleitung Sozialer Arbeit) |
| Fördermittelgeber | Sozialstiftung NRW |
| Laufzeit | 01.01.2026 – 31.12.2027 |
Wissenschaftliche Begleitung
Die Forschung versteht sich als wissenschaftliche Begleitung des Modellprojektes „Inklusive Bibliotheken für NRW“. Das Modellprojekt soll ausgehend von den Erfahrungen, der Expertise und dem bisherigen Arbeitsauftrag der WBH eine langfristige Entwicklung öffentlicher Bibliotheken als inklusive Orte des Lesens für Nutzer:innen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Beeinträchtigungen anbahnen.