Von der Flugzeugmechanik zur Chemie: „Ich bin glücklich über meinen Berufswechsel!“

Roman Pacher, Student und Tutor an der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften (Bild: Viola Gräfenstein/TH Köln)

Roman Pacher ist Flugzeugmechaniker und hat nach mehrjähriger Joberfahrung noch einmal seine Berufsrichtung geändert. Mittlerweile ist er Student im fünften Semester der Pharmazeutischen Chemie an der TH Köln und glücklich, dass er den Neustart gewagt hat.

Warum haben Sie von der Flugzeugmechanik zur Pharmazeutischen Chemie gewechselt?
Roman Pacher:
Hauptsächlich, um in einem abwechslungsreichen und spannenden Berufsfeld tätig sein zu können. In meinen vorherigen Beschäftigungen wurde mir alles oft schnell zur Routine oder ich war zu beschränkt in meinem Verantwortungsbereich. Ich hatte mir in jungen Jahren nie ernsthaft darüber Gedanken gemacht, was ich wirklich beruflich machen will. Irgendwann fing ich an, mich hobbymäßig mit der Chemie auseinanderzusetzen. Nachdem ich in meiner letzten Beschäftigung an einem Universitätsinstitut forschendes Arbeiten kennengelernt hatte, verstärkte sich mein Wunsch, noch einmal einen Neuanfang zu wagen. Letztlich waren es auch private Umstände, die mich zu diesem Schritt bewegt haben, also eigentlich eine Verkettung mehrerer Umstände.

Könnten Sie sich später einen Job in diesem Bereich vorstellen?
Roman Pacher: Ja, natürlich. Deswegen bin ich hier. Glücklicherweise kann ich bereits seit geraumer Zeit einiges an Erfahrung als Werkstudent in der chemischen Industrie sammeln, was mich bestärkt, den richtigen Entschluss gefasst zu haben.

Inwiefern können wir chemisch von der Natur lernen?
Roman Pacher:
Da wir ja selbst Natur sind, was meiner Meinung nach gerne vergessen wird, ist es, denke ich, wichtig zu lernen, gewissermaßen zuzuhören. Wenn z.B. ein Insekt an Gras knabbert und dadurch ein Stoff frei wird, der in geringster Konzentration Raupen signalisiert, dass es dort etwas zu fressen gibt und das Gras selbst schützt, ist es doch interessant zu sehen, wie auf kleinster Ebene die Natur organisiert ist und welche Rolle einzelne chemische Verbindungen spielen. In dem Studium bewegt man sich in dieser Größenordnung im molekularen Bereich. In Zellen, in denen Enzyme Stoffe umsetzen und ganze Organigramme auf komplexe Weise miteinander verstrickt sind. Wie im Beispiel können dort chemische Verbindungen in geringsten Konzentrationen ebenso fundamentale Veränderungen hervorrufen, was die Medizin sich zu Nutzen macht.  Chemie ist allgegenwärtig. Die Natur in ihrem Umgang damit besser zu verstehen, das finde ich sehr erstrebenswert. Natürlich gibt es da noch viel zu lernen, um es für gute Zwecke nutzbar zu machen.

Sie schauen gerne hinter die Dinge, warum?
Roman Pacher:
Ich bin einfach an vielen Dingen interessiert. Wenn man sich die Zeit nimmt, die Dinge genauer zu durchleuchten, entdeckt man ja fast überall etwas Spannendes. Auf der anderen Seite beschränken unsere Sinne uns ja auch alles wahrzunehmen und wir halten oft nur daran fest, was wir erfahren. Diesen Bereich zu verlassen, sei es nur durch Vorstellungskraft, empfinde ich als sehr bereichernd.

Sie studieren nicht nur Pharmazeutische Chemie, sondern haben während Ihres Studiums auch als Tutor gearbeitet. Was hat Sie an dem Nebenjob interessiert?
Roman Pacher: Erst einmal die Möglichkeit, Geld zu verdienen und das mit dem Auseinandersetzen der Lehrinhalte zu kombinieren. Die Organische Chemie mag ich sehr. Sie ist im Rahmen des Studiums von großer Bedeutung. Ich habe hierbei Interesse über den Vorlesungsstoff hinaus und wollte mich besser darin auskennen. Es macht auch Spaß, andere bei ihrem Lernprozess zu unterstützen. Außerdem lernt man als Tutor gut, vor mehreren Leuten zu sprechen und auch in unerwarteten Situationen einen ruhigen Kopf zu behalten. Letztlich ist man gewissermaßen unter Freunden, was die Sache natürlich auch entspannt.   

Worum geht es bei der Tätigkeit als Tutor?
Roman Pacher:
Es geht darum, relevante Inhalte aus der Vorlesung zu wiederholen und Übungsaufgaben zu machen. Einige Leute tun sich manchmal schwer damit, sich die richtigen Aufgaben zur Übung für das Gelernte im Studium herauszusuchen und zu gucken, was für die Prüfung wirklich wichtig ist. Ich habe selbst einige Tutorien mitgemacht und immer etwas daraus mitnehmen können. Wichtig für Studierende ist jedoch auch die Mitarbeit.

Wie haben Sie Ihr Tutorium geplant?
Roman Pacher:
Ich habe mir einen Plan gemacht, was ich behandeln will und das mit den Professoren abgeklärt. Ich habe versucht, immer nah an den Vorlesungen dranzubleiben und auf offene Fragen einzugehen. Natürlich musste ich mich zuvor noch einmal in die Themen einarbeiten, um Sicherheit aufzubauen und auf bestimmte Lehrstützen aufmerksam zu werden. Diese habe ich dann versucht miteinzubauen. Insgesamt hat es mir Spaß gemacht, das Tutorium zu geben. Ich kann es nur empfehlen. Die Zeitinvestition hat sich auf jeden Fall für mich gelohnt.

(26.09.18 VG)

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