TH Köln erinnert an Geschichte ihres Hauptgebäudes
Das Hauptgebäude der TH Köln in der Claudiusstraße 1 diente zwischen 1935 und 1945 als Sitz der NS-Gauleitung Köln-Aachen. Bei der Entnazifizierung des Bauwerks nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zwei Fahnenhalter in Hakenkreuzform übersehen. Deren Wiederentdeckung nimmt die Hochschule jetzt zum Anlass, mit einer Plakette über die Geschichte des Hauses aufzuklären.
Obwohl deutlich sichtbar, blieben die beiden Überbleibsel der NS-Zeit am Haupteingang der Claudiusstraße jahrzehntelang unbeachtet. Nach Bekanntwerden dieser Funde suchte die Hochschule den Austausch mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW als Eigentümer und der Bezirksregierung Köln als Denkmalbehörde. Da der Denkmalschutz eine Entfernung der Hakenkreuze nicht zuließ, entschied sich die Hochschule dafür, das historische Erbe und die vergangene Nutzung des Gebäudes dauerhaft und deutlich sichtbar zu dokumentieren.
„Der transparente Umgang mit der wechselvollen Geschichte unseres Gebäudes und insbesondere seiner Funktion als Sitz der NS-Gauleitung ist uns seit vielen Jahren ein Anliegen. Insofern sahen wir uns in der Pflicht, diesen Fund öffentlich zu machen, intern den besten Umgang zu diskutieren und eine dauerhafte Erläuterung im direkten Umfeld zu installieren. Dies entspricht auch unserem Bildungsverständnis, Studierende zu einer kritischen Auseinandersetzung zu befähigen“, erläutert Prof. Dr. Sylvia Heuchemer, Präsidentin der TH Köln.
Vielfältige Auseinandersetzung mit der Geschichte
Die neue Plakette reiht sich ein in den Umgang der Hochschule mit ihrem historischen Erbe. So erinnert bereits seit 2001 das Bodendenkmal „Namen der Autoren“ des Kölner Kunstkritikers Walter Vitt vor dem Gebäude in der Claudiusstraße an die von den Nationalsozialisten 1933 veranlassten Bücherverbrennungen an gleicher Stelle. Eine Denkmaltafel informiert seit 2014 über die Hintergründe. Studentische Initiativen rückten seitdem das Bodendenkmal immer wieder in den Mittelpunkt, wie etwa mit einer symbolischen Putzaktion und Transparenten mit Zitaten von betroffenen Autor*innen. Zudem organisiert die Hochschule jährlich eine Veranstaltung, um an die Bücherverbrennung zu erinnern.
Auch der von den Nationalsozialisten zu einem „Opfertisch“ umfunktionierte Zierbrunnen im Treppenhaus der Claudiusstraße war Gegenstand studentischer Arbeiten. So entwickelten 2021 rund 100 Studierende im Wettbewerb „Zeiträume“ Konzepte zur Gestaltung und Nutzung des Brunnens. „Ich bin ausgesprochen dankbar, dass der Wunsch der Hochschule nach Auseinandersetzung mit diesem dunklen Teil unserer Vergangenheit bei den Studierenden auf fruchtbaren Boden fällt. Insbesondere die Reinigung des Bodendenkmals in den letzten beiden Jahren war eine bewegende Aktion“, sagt Heuchemer.
Über das Gebäude Claudiusstraße 1
Der Aufstieg der Kölner NSDAP lässt sich anhand der von der Partei genutzten Standorte ablesen. Nachdem die Parteiführung anfangs in Kellerräumen am Ubierring gearbeitet hatte, folgte der Umzug in immer größere Gebäude und spätestens mit der Gründung des Gaus Köln-Aachen suchte man nach einem passenden Domizil für dessen Verwaltung.
„Die Wahl fiel auf das ursprünglich für die Städtische Handelshochschule errichtete Gebäude in der Claudiusstraße, unter anderem wegen seiner Größe und der schlossähnlichen äußeren Gestalt. Es folgten umfangreiche Umbaumaßnahmen wie die Neugestaltung des Treppenaufgangs zu einer Art Hitler-Altar oder die Montage der heute noch erhaltenen großen Lampen am Haupteingang“, erläutert Prof. Dr. h.c. Joachim Metzner, Präsident a.D. der TH Köln und ausgewiesener Kenner der Geschichte des Hauses.
Pressemitteilung 33/2026
vom 29.09.2026
Nach Kriegsende wurden die sichtbaren Zeichen der Nazi-Herrschaft entfernt. Zudem folgte in den siebziger und achtziger Jahren eine umfangreiche Restaurierung, die den Zustand in weiten Teilen auf seine ursprüngliche Gestalt zurückgeführte. Warum dabei die beiden Halterungen der Fahnenmasten vor dem Gebäude nicht ersetzt wurden, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.
September 2026