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Sicherheitsgefühl in Stadtquartieren

Wodurch wird das Sicherheitsempfinden der Bewohnerinnen und Bewohner von städtebaulich, wirtschaftlich sowie sozial benachteiligten und strukturschwachen Stadtvierteln beeinflusst?

Das analysierten der Forschungsschwerpunkt Sozial • Raum • Management der Fachhochschule Köln sowie das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) im Forschungsprojekt "Sozialräumliche (Kriminal-)Prävention in Quartieren in NRW" (SoPräv). Untersuchungsgegenstand waren die Quartiere Brakel-Bökendorfer Grund, Bergheim Süd-West, Essen-Altenessen, Hamm-Norden und Dortmund-Clarenberg, die durch das bundesweite Städtebauförderungsprogramm "Soziale Stadt" unterstützt wurden oder noch werden. Die Projektpartner entwickelten das Analyseinstrument des sogenannten Präventionsrasters. Mit diesem können Städte und Gemeinden Problemlagen identifizieren und Maßnahmen ableiten, die die Situation in betroffenen Vierteln verbessern und das lokale Sicherheitsgefühl erhöhen.

"Sicherheit ist eines der Grundbedürfnisse in der Bevölkerung, Basis für die Teilhabe am öffentlichen Leben und maßgeblich für eine hohe Lebensqualität. Insofern beeinflussen die Kriminalitätsbelastung in einem Viertel, also die tatsächlich begangenen Straftaten, sowie schwer messbare Faktoren wie Verwahrlosung, Anonymität oder nicht gepflegte Infrastruktur das Sicherheitsempfinden der Bewohnerinnen und Bewohner. Wobei tatsächliche Kriminalität und gefühlte Unsicherheit nicht selten voneinander abweichen", sagt Ralf Zimmer-Hegmann, Forschungsgruppenleiter "Sozialraum Stadt" am ILS.

Im Projekt SoPräv untersuchten die Kooperationspartner fünf Quartiere, in denen Kriminalität und insbesondere empfundene (Un-)Sicherheit eine gewisse Rolle spielen, und die in das Programm "Soziale Stadt" aufgenommen wurden. Dieses unterstützt Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes, der Infrastrukturausstattung und der Qualität des Wohnens, um den sozialen Zusammenhalt und das Sicherheitsgefühl im Quartier zu stärken. Betrachtet wurden insgesamt fünf Präventionsdimensionen: Ordnungsrechtliche und kontrollierende Maßnahmen, Gestaltung und Technik, Nutzungsverantwortung und Zusammenhalt in der Bewohnerschaft, Förderung der individuellen und sozialen Entwicklung sowie das Soziale Management.

"Die positiven Auswirkungen einer Kriminalprävention, die in Maßnahmen der sozialen Stadtentwicklung integriert ist, sind bislang kaum betrachtet worden", erläutert Prof. Dr. Herbert Schubert, Leiter des Forschungsschwerpunkt Sozial • Raum • Management der Fachhochschule Köln. Mit dem Präventionsraster gebe man den Städten und Gemeinden ein Werkzeug an die Hand, mit dem diese – nicht nur im Rahmen des Programms "Soziale Stadt" – Stärken und Problemfelder von Quartieren identifizieren könnten, in denen Unsicherheitsgefühle unter der Bewohnerschaft verbreitet sind. Wenn diese erkannt sind, gibt es gute Chancen mit gezielten Maßnahmen dagegen zu steuern, etwa durch Bildungsangebote, Konfliktmanagement, Beleuchtungskonzepte oder die Beseitigung von Angsträumen. Im Idealfall entsteht ein integriertes Maßnahmenbündel, an dem alle Beteiligten wie der Bewohnerbeirat, Stadtplanung, Grünflächen-, Jugend- und Sozialamt, Wohnungswirtschaft, Schulen, Polizei und die Bewohnerinnen und Bewohner selbst einbezogen sind.

Handlungsempfehlungen

"Unsere Forschungsergebnisse zeigen: Wenn die Präventionsmaßnahmen konsequent umgesetzt werden, dann verbessert sich die gefühlte Sicherheit spürbar. Eine wichtige Rolle spielt dabei die städtebauliche Gestaltung. Orte, an denen sich viele Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht wohl fühlen, können wieder an Aufenthaltsqualität gewinnen – indem etwa kaputte Infrastruktur ersetzt und die bestehende gepflegt wird", so Zimmer-Hegmann. Soziale Maßnahmen sollten darauf ausgerichtet sein, dass sich innerhalb der Nachbarschaft gemeinsame Werthaltungen entwickeln. Werde der soziale Zusammenhalt gestärkt, trage das entscheidend dazu bei, dass informelle soziale Kontrollen funktionieren, sagt Schubert.

21. Juli 2015

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