Ressourcenwirtschaft studieren auf einer umgewandelten Abfalldeponie

Hagt, Küchler (Bild: Dirk Adolphs/ TH Köln)

Das Lehrzentrum der TH Köln auf :metabolon wurde der Öffentlichkeit vorgestellt.

Seit 2010 wandelt sich das Entsorgungszentrum Leppe zu einem  Kompetenz-Zentrum für Ressourcenwirtschaft und Umwelttechnologie. Die interdisziplinäre Forschungsgemeinschaft :metabolon, der der Bergische Abfallwirtschaftsverband und die TH Köln sowie weitere Partnerinnen und Partner aus Forschung und Entwicklung angehören, erforscht und entwickelt Lösungen zur sogenannten zirkulären Wertschöpfung, also z.B. zur Aufbereitung und Verwertung von Sekundärrohstoffen aus Reststoffen. Die vielfältigen Forschungsaktivitäten haben inzwischen europaweit Resonanz gefunden, denn auch andere europäische Länder haben mit ihren in den 70 Jahren eröffneten Mülldeponien ähnliche Probleme, wie sie die Leppedeponie hatte.

In dieser Woche wurde nun auch das Lehrzentrum der TH Köln auf :metabolon der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit Stolz verwies Jochen Hagt, der Landrat des Oberbergischen Kreises, darauf, dass in Lindlar und in Gummersbach die TH Köln an zwei Standorten in seinem Landkreis vertreten ist. Er lobte ausdrücklich die jahrelange und enge Zusammenarbeit zwischen der Region und der Hochschule. Auch Monika Lichtinghagen-Wirths, Geschäftsführerin des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes (BAV), hob die intensive Kooperation hervor. Die Entscheidung, aus der Deponie einen Innovationsstandort zu machen, habe sich sehr bewährt.

Als Mitglied der Hochschulleitung betonte Vizepräsident Prof. Dr. Rüdiger Küchler: „Das Lehr- und Forschungszentrum :metabolon der TH Köln bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, den Studierenden, aber besonders auch unseren Kooperationspartnern aus Wirtschaft und Gesellschaft hervorragende Bedingungen. Hier können die Beteiligten gemeinsam innovative Lösungen für die gesellschaftlichen Herausforderungen im Bereich der Kreislaufwirtschaft entwickeln."

Teilnehmer/innen der Veranstaltung
Teilnehmer/innen der Veranstaltung (Bild: Dirk Adolphs/ TH Köln)

Um die Erkenntnisse nachhaltig auch in die Köpfe junger Menschen zu bringen, verstärkt die TH Köln jetzt auch ihre Lehr- und Lernaktivitäten. Schon heute sind zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch Studierende und Promovenden gleichzeitig auf dem Standort :metabolon tätig. Sie arbeiten in Studienprojekten, führen experimentelle Bachelor- und Masterarbeiten oder arbeiten an ihrer Promotion. Die Palette ihrer Themen ist breit, sie reicht von Rentabilitätsuntersuchungen über die Optimierung von Biogasanlagen bis zu Verfahren für Verbrennung und Verkohlung. „Um diesen fakultätsübergreifenden Standort beneiden uns viele Hochschulen“, war die Einschätzung von Prof. Dr. Christian Averkamp, Dekan des Campus Gummersbach der TH Köln. „Hier wird an realen Anlagen, teilweise im industriellen Maßstab, geforscht.“ 

Prof. Dr. Michael Bongards vom Campus Gummersbach der TH Köln ist seit den Anfängen von :metabolon wissenschaftlicher Leiter des Lehr- und Forschungsstandortes. Mit seiner 11köpfigen Forschungsgruppe GECO>C (Gummersbach Environmental Computing Center) ist er seit 2008 auch auf der ehemaligen Mülldeponie aktiv. „Auf :metabolon können unsere Studierenden  interdisziplinär und anwendungsorientiert hochaktuelle Projektarbeiten im Bereich Energie, Umwelt und Ressourcenschonung durchführen, die eng mit unserer wissenschaftlichen Forschung verknüpft sind." so Bongards.

Weitere Promotionen werden von Prof. Dr. Astrid Rehorek betreut, die ihre Labor- und Technikumseinrichtung vom Standort Leverkusen der TH Köln nach Lindlar gebracht hat. Ihre Promovenden Matthias Balsam und Christoph Steiner beschäftigen sich unter anderem  mit der Frage, unter welchen Bedingungen sich Deponie-Sickerwasser und Presswasser aus der Kompostierung gemeinsam reinigen lassen. Prof. Rehorek betreut auch Studierende des Campus Leverkusen. Zuletzt beschäftigten sich in einer Praktiumswoche 18 Studierende mit Untersuchungen zur Wirkung von Düngern und Pestiziden bei der Erzeugung von Biogas und der Ammoniumklärung von Sickerwasser der Leppe-Deponie.

Vom Campus Köln-Deutz der TH kommen regelmäßig die Professorinnen Dr. Christiane Rieker und Dr. Dagmar Gaese mit ihren Studierenden auf das  :metabolon-Gelände und beteiligen sich an den Forschungsarbeiten. In diesem Sommer wird Dr. Christian Malek an der TH Köln, Campus Gummersbach, seine Professur antreten. Für 2018 ist geplant, dass Prof. Malek im neuen Masterstudiengang „Wirtschaftsingenieurwesen“ aktiv wird, vor allem im Studienschwerpunkt „Energie- und Ressourcenmanagement“.

Weitere Informationen:

Laufende Forschungsprojekte auf :metabolon mit insgesamt über 1 Mio. Euro Fördermittel:

  • EU_Projekt ATBEST- Advanced Technologies for Biogas Efficiency Sustainability and Transport
  • Semizentral – Ressourceneffiziente und flexible Ver- und Entsorgungsinfrastruktursysteme für schnell wachsende Städte der Zukunft (für China), BMBF-Projekt
  • IMProvT – Intelligente Messverfahren zur Prozessoptimierung von Trinkwasserbereitstellung und Verteilung
  • Kommunal 4.0 -  Customized Services für die kommunale Wasserwirtschaft

Beteiligte Studiengänge:

  • Elektrotechnik / Automatisierung, Campus Gummersbach
  • Technische Chemie, Campus Leverkusen
  • Masterstudiengang „Angewandte Chemie“, Campus Leverkusen
  • Erneuerbare Energien (Bachelor), Campus Deutz
     

Beteiligte Forschungsinstitute der TH Köln:

  • STEPs - Die Forschenden des Instituts STEPs – „Sustainable Technologies and Computational Services for Environmental and Production Processes“ entwickeln nachhaltige Verfahren und informationstechnische Dienste für Umwelt und Produktion.
  • CIRE - Das „Cologne Institute for Renewable Energy“ (CIRE) ist ein Zusammenschluss von Professoren und Wissenschaftler innerhalb der Fachbereiche Maschinenbau, Elektrotechnik und Ressourcenmanagement.

Vorhandene Geräte und Anlagen (unter anderem):

  • Hackschnitzelheizung mit 350 kW
  • 4 Biogas-Anlagen im Labor- und Technikumsmaßstab
  • Spektroskopie-Geräte
  • Hydrothermale Carbonisierungsanlage (HTC)
  • Halbtechnische Forschungs-Sickerwasseranlage (HtF-SWA)

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