Typisch Mann, typisch Frau? Prof. Dr. Hans Willi Langenbahn

„Man kommt mit Frauen in der Runde zu viel kreativeren Lösungen.“


Prof. Dr. Hans Willi Langenbahn, Dekan der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme, steigert durch interdisziplinäre Lehrkonzepte den Frauenanteil in seiner Fakultät. Prof. Dr. Hans Willi Langenbahn, Dekan der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme, steigert durch interdisziplinäre Lehrkonzepte den Frauenanteil in seiner Fakultät. (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

An mangelndem Willen liegt es nicht, dass in der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme nur sechs von 45 Professuren mit Frauen besetzt sind. „Es gibt in der Ingenieurbranche leider kaum weibliche Führungskräfte und auch kaum weiblichen Nachwuchs“, sagt der langjährige Dekan Prof. Dr. Willi Langenbahn.

Außerdem erlebt er immer wieder, dass Frauen sich trotz ihrer Qualifikationen zurückhalten und selten als Kandidatinnen auf eine Hochschulprofessur sehen. Die meisten der Professorinnen hat Langenbahn im persönlichen Gespräch davon überzeugt, sich auf eine Professur zu bewerben. In seinen über 40 Jahren Berufserfahrung in der Fertigungstechnik hat Langenbahn die Industrie überwiegend konservativ erlebt: So viel mehr könnten Frauen an technischen Kompetenzen nicht bieten, als das sie dem Unternehmen wirklich einen wirtschaftlichen Vorteil bringen würden, so die Denkart. Nach dieser Logik der Nutzenorientierung hätten es Frauen schwerer, fünf Jahren Industrieerfahrung in leitender Position vorzuweisen, um sich für eine Professur zu qualifizieren: Vor allem, wenn sie Familie und Karriere gleichzeitig realisieren wollen.

Für Langenbahn sind im Berufsprofil zukünftiger Maschinenbauer und Verfahrenstechnikerinnen aber auch Kompetenzen in Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit und ein soziologisches Grundverständnis wichtig. Gerade vor dem Hintergrund Künstlicher Intelligenz und Mensch-Maschine-Interaktion, die neben einem interdisziplinären Verständnis auch die Auseinandersetzung mit ethischen Aspekten fordern. Deshalb arbeiten seit einigen Jahren vermehrt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Fachdisziplinen in der Fakultät: Kommunikationswissenschaftlerinnen, Psychologinnen und Pädagoginnen beispielsweise, nicht nur als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sondern auch als Professorinnen.

Berührungsängste abbauen

Mit dieser Strategie will Langenbahn Berührungsängste der Ingenieure zu anderen Disziplinen abbauen und mehr Frauen in einem männerdominierten Bereich positionieren. „Mit Quoten und Verordnungen erreicht man nichts. Man muss die Leute von den Vorteilen überzeugen, die ein höherer Frauenanteil hat.“ Mit seiner „Unterwanderung der Gruppe“, wie er es nennt, hat Langenbahn, ausgebildeter Mediator und Verfechter der Teamarbeit, auch die Skeptiker in den eigenen Reihen überzeugt. „Man kommt mit Frauen in der Runde zu viel kreativeren Lösungen. Die ganze Gruppendynamik hat sich geändert, die Stimmung im Kollegium ist sehr positiv, deutlich kommunikativer und kooperativer.“

Früher seien Sitzungen recht aggressiv abgelaufen, hätten die Männer untereinander nur auf der Sachebene kommuniziert und sich dabei öfters auch angeschrien. Frauen hätten keine Scheu davor, die emotionale Ebene miteinzubringen, was es deutlich einfacher mache, Konflikte zu lösen.

Manchmal kommen noch Einwände zu Langenbahns Chance-Prozess. Zuletzt hätten sich Studenten darüber beschwert, dass es zu viele Tutorinnen gebe. „Das mag vor allem kulturell bedingt sein, aber es gibt nach wie vor Männer, die sich nicht gerne etwas von einer Frau sagen lassen und korrigiert werden wollen“, sagt Langenbahn ein. Doch die müssen sich wohl daran gewöhnen. Einen Rückfall in alte Muster gibt es für Langenbahn nicht. 

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