Neuberufen 2025: Prof. Dr. Sven Gelbke
Als neuberufener Professor für Internationales privates Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt auf Legal Operations beschäftigt sich Dr. Sven Gelbke vom Schmalenbach Institut für Wirtschaftswissenschaften mit Strukturen und Abläufen der Zusammenarbeit in Organisationen. Im Kurzinterview erklärt er unter anderem, warum rechtliches Denken kein Spezialwissen für Jurist*innen ist.
Studium: Rechtswissenschaften, Universität Münster (ehemals Westfälische Wilhelms-Universität Münster)
Promotion: „Die Pflichten des Insolvenzverwalters bei einer im eröffneten Insolvenzverfahren anfallenden und angenommenen Erbschaft“, Ruhr-Universität Bochum
Berufliche Stationen:
- Gründung, Geschäftsführung und Übertragung eines Legal-Tech-Unternehmens
- Rechtsanwalt im internationalen Unternehmensrecht, mit Schwerpunkt auf der Beratung von Start-ups und Scale-ups
- Internationale juristische Praxiserfahrungen unter anderem in São Paulo, Bangkok und Wellington
Internationales privates Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt auf Legal Operations ist ein spannendes Thema, weil…
internationales Recht mit einer grundlegenden Frage verbunden ist: Wie wollen wir als globale Gemeinschaft miteinander leben und wirtschaften – jenseits von Territorien und Einzelinteressen. Die großen globalen Herausforderungen betreffen uns alle, ob natürliche Ressourcen, Klimafolgen, Lieferketten oder Zugang zu Technologie. Lösungen können deshalb nur gemeinsam entwickelt werden. Recht schafft dafür den gemeinsamen Boden. Legal Operations sorgt dafür, dass dieser Boden tragfähig bleibt, indem rechtliche Arbeit in Organisationen effizient, verständlich und menschlich gestaltet wird.
Ich möchte gerne herausfinden…
wie wir Recht mit guten Strukturen und technischen Möglichkeiten – natürlich aktuell insbesondere KI – zugänglicher machen können, damit Menschen und Organisationen weltweit einfacher und fokussierter handeln können.
Mein fachliches Steckenpferd…
ist das interdisziplinäre Arbeiten zwischen Recht, Ökonomie, Psychologie und Technik – mit dem Ziel, juristische Lösungen zu schaffen, die sowohl wirksam als auch verständlich und praktikabel sind.
Als Kind…
war ich oft draußen unterwegs und habe mir die Welt über Geschichten erschlossen. Ich glaube, dieses Staunen ist geblieben – nur die Fragen haben etwas an Komplexität gewonnen.
Rückblickend war mein Studium…
eine freie, lebendige und wilde Phase voller Fragen, Entdeckungen und Menschen, die meinen Blick auf die Welt geprägt haben.
Wenn ich mal nichts zu tun habe…
spaziere ich durch Köln und lasse die Gedanken einfach laufen. Das schafft Raum.
Den Studierenden mitgeben möchte ich…
dass rechtliches Denken kein Spezialwissen juristischer Professionen ist, sondern eine gemeinsame Sprache, um Verantwortung in Unternehmen, Projekten und Teams zu übernehmen. Wer die dahinter liegenden Strukturen versteht, kann gestalten, statt nur zu reagieren.
Kein Campus ohne…
Begegnung. Lernen entsteht nicht nur durch Inhalte, sondern durch Gespräche, Reibung, Witz und das gemeinsame Staunen.
Das letzte gute Buch, das ich gelesen habe…
war „A Swim in a Pond in the Rain“ von George Saunders, eine sehr tiefe Analyse der Funktionsweise von Narrativen. Wenn man bedenkt, dass Recht auch als eine Art formal strukturierte Geschichtserzählung über „richtig“ und „weniger richtig“ zu verstehen ist, auch sehr lehrreich für Rechtsstudierende. Parallel dazu: „The Red Book“ von C. G. Jung – ein Werk, das man eher erlebt als liest.
Der letzte gute Film, den ich gesehen habe…
war einer von Stanley Kubrick. Ich habe alle seine Filme unzählige Male gesehen und jedes Mal erschließt sich mir eine neue Bedeutungsschicht. Das ist immer die höchste Erscheinung von wahrhaftiger Kunst.
Januar 2026