Nachhaltigkeitsrat zeichnet dre:RAUM der TH Köln aus

Studierende und Lehrende mehrerer Fakultäten der TH Köln entwickeln gemeinsam Wohnmodule für leerstehende Industriehallen, die eine neue, nachhaltige und soziale Form des Zusammenlebens ermöglichen. Dafür ist ihr Projekt dre:RAUM mit dem Qualitätssiegel „Werkstatt N“ des Rats für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung ausgezeichnet worden.

(v.l.) NRW-Minister Johannes Remmel, Thomas Alexi, dre:Raum-Projektleiter Christian Brosig, Angelina Deter (alle TH Köln), Prof. Dr. Günther Bachmann (Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung). (v.l.) NRW-Minister J. Remmel, T. Alexi, dre:Raum-Projektleiter C. Brosig, A. Deter, Prof. Dr. G. Bachmann (Rat für Nachhaltige Entwicklung). (Bild: Werkstatt N )

Bei der offiziellen Ehrung am 13. März 2016 in Essen erhielt Projektinitiator Christian Brosig die Auszeichnung von Johannes Remmel, NRW-Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz.

„Alle ausgezeichneten Initiativen sind wichtige Vorbilder für eine gelebte Nachhaltigkeit mitten in der Gesellschaft. Sie zeigen auf kreative und innovative Weise, wie ein verantwortungsvoller Umgang untereinander, in der Wirtschaft und mit der Umwelt gelingen kann“, sagt die Ratsvorsitzende Marleen Thieme, u. a. Aufsichtsratsvorsitzende der Bank für Kirche und Diakonie. Das interdisziplinäre, studentische Projekt dre:RAUM ist eines von bundesweit 100 Projekten, die die Jury aus insgesamt 380 Wettbewerbs-beiträgen ausgezeichnet hat (www.werkstatt-n.de).

Dem Rat für Nachhaltige Entwicklung gehören 16 Personen des öffentlichen Lebens an, die von der Bundeskanzlerin für eine Mandatszeit von drei Jahren berufen werden. Zu den Aufgaben gehören die Entwicklung von Beiträgen zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Benennung von konkreten Handlungsfeldern und Projekten sowie Beiträge, um Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen.

Erster Prototyp in Köln-Ehrenfeld geplant

„Wir suchen Lösungen für ein zukunftsfähiges, generationsübergreifendes Zusammenleben – unabhängig vom Einkommen“, sagt Projektinitiator und -leiter Christian Brosig, Absolvent des Masterstudiengangs Erneuerbare Energien der TH Köln. Dafür will dre:RAUM bestehende Strukturen nutzen, für die modulare Wohneinheiten mit möglichst geringem Energiebedarf gebaut werden. Auch weil städtischer Wohnraum immer knapper wird, sieht dre:RAUM vor, die pro-Kopf-Wohnfläche zu verringern. Dazu sollen alle Bewohnerinnen und Bewohner Zugang zu Gemeinschaftsräumen und -flächen haben, während der private Wohnraum knapper ausfällt. „Da wir aber auch das individuelle Bedürfnis nach Privatsphäre berücksichtigen, haben wir drei Wohnungstypen entwickelt“, so Brosig. Ein Cohousing, in dem sich acht bis zehn Menschen Küche und Bäder teilen (zum Beispiel für Studierende) sowie Familien- und Paarwohnungen, die jeweils über eigene Bäder und Küchen verfügen.

Die Module werden innerhalb bestehender Hallen errichtet und lassen individuell anpassbare Raumaufteilungen zu. Ein Prototyp soll jetzt in einer Halle in Köln-Ehrenfeld errichtet werden – finanziert zunächst über Crowdfunding und Sponsoring. dre:RAUM steht auch außerhalb der Hochschule interessierten und engagierten Unterstützern offen.

Ergebnisse als Open Source Lizenzen

Für sein Projekt konnte Christian Brosig bisher Lehrende aus fünf Fakultäten gewinnen: Angewandte Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Architektur, Bauingenieurwesen und Umwelttechnik sowie Anlagen, Energie- und Verfahrenstechnik. Die Professorinnen und Professoren bieten jeweils Teilaufgaben in ihren Wahlmodulfächern an. Als Lehrprojekt konzipiert, können die Studierenden ihre erworbenen Kompetenzen anwenden und sich dabei interdisziplinär austauschen. Die Ergebnisse und Tools, wie zum Beispiel ein Finanzkonzept mit Anwenderhandbuch für die Wohngemeinschaften, sollen der Allgemeinheit unter Open Source Lizenzen zur Verfügung gestellt werden. „Die Generationen driften auseinander, vor allem alte Menschen werden vermehrt isoliert. Gemeinschaftliche Wohnkonzepte tragen zu einer Integration bei“, sagt Brosig. „Man kann den Menschen dieses Wohnmodell aber nicht aufdrängen. Über Open Source machen wir die Ideen und Umsetzungen für alle transparent. Dadurch sinkt sicher auch die Hemmschwelle für Gemeinschaften, sich damit auseinander zu setzen und ein eigenes Projekt umzusetzen.“

15. März 2016

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