Lokal verankert und global aktiv bis ins Alter - Lehrbeauftragter Bruno Hünermund wird 80

Er spricht mehr als sechs Sprachen, beherrscht 23 verschiedene Instrumente, hat fünf Kinder in die Welt gesetzt, war 42 Jahre lang Betreuer für unterschiedliche Olympiaden – und ist seit 16 Jahren Lehrbeauftragter für Englisch und Russisch am Campus Gummersbach der TH Köln.

Bruno Hünermund beim Chinesisch-UnterrichtBruno Hünermund spricht und lehrt unter anderem auch Chinesisch (Bild: Manfred Stern / TH Köln)

An diesem Wochenende wird Bruno Hünermund aus Bergneustadt 80 Jahre alt, und er sprüht immer noch vor Elan und Ideen. Im Kreis seiner großen Familie wird er mit Kindern und Enkeln gleich drei Geburtstage an drei aufeinander folgenden Tagen feiern: seinen eigenen, den seiner Frau und das Wiegenfest seines jüngsten Sohns Markus, der 33 Jahre alt wird.

Vor 16 Jahren hatte Prof. Dr. Jürgen Weber vom Institut für Elektronik den frisch pensionierten Studiendirektor für die Hochschule angeworben. Er kannte als Mitglied  im Stadtrat von Bergneustadt den Ratsherrn Hünermund aus der politischen Arbeit und wusste, dass dem Lehrer für Sport, Englisch und Russisch die Arbeit mit jungen Menschen immer besonders am Herzen lag. Im Rahmen seines Lehrauftrags unterrichtete das Multitalent aber nicht nur Englisch und Russisch, sondern eine Zeit lang auch Hun, die chinesische Hochsprache. Legendär wurde sein Auftritt im Morgenprogramm von Radio Berg: „Lerne Chinesisch mit Herrn Hünermund.“

Der gebürtige Thüringer Hünermund beherrscht Chinesisch, weil er es sich vier Jahre lang selbst beigebracht hatte, als Vorbereitung auf die Sommerolympiade 2008 in Peking. Er war dort ehrenamtlich als Betreuer für eine Nationalmannschaft aktiv. „ Das ist ein 24-Stunden-Job, man macht dann alles, vom Diplomaten bis zum Laufburschen.“, beschreibt Hünermund die Herausforderungen dieses Jobs. „Da müssen Sie die Sprache des jeweiligen Landes sprechen, das geht gar nicht anders.“ So lernte das Sprachgenie im Laufe von Jahrzehnten nicht nur Chinesisch, sondern auch Spanisch, Portugiesisch und Griechisch.

Bruno Hünermund bei der Weihnachtsfeier der FH Köln 2005Auch muskalisch ist Hünermund ein echtes Multitalent: hier auf der Weihnachtsfeier am Campus Gummersbach (2005) mit seinem Sohn Markus (Bild: Manfred Stern / TH Köln)

„Meine Frau lernt diese Sprachen immer zusammen mit mir, sie ist da viel schneller als ich.“, wiegelt der agile Senior ab, wenn man ihn auf seine Sprachfähigkeiten anspricht. Seine Frau Barbara hat Hünermund in Kansas, USA, kennen gelernt, wo sie unter anderem Russisch studierte. So wird in der Familie Hünermund bis heute deutsch, englisch und russisch gesprochen.

Weltreisender, Tierzüchter und Träger des Bundesverdienstkreuzes

Jedes Jahr ist Bruno Hünermund irgendwo auf der Welt unterwegs, als Betreuer und Dolmetscher bei der Sommer- oder Winterolympiade, bei den Paralympics für körperlich eingeschränkte Sportlerinnen und Sportler, aber auch bei den weniger bekannten Special Olympics für geistig Behinderte. Diese Veranstaltungen liegen ihm besonders am Herzen, weil er selbst betroffen ist: sein jüngster Sohn Markus hat das Down-Syndrom. Dank intensiver Betreuung konnte er sich trotz seiner Einschränkung gut entwickeln, er spielt unter anderem sechs verschiedene Blas- und Zupfinstrumente. Jedes Jahr eröffnet Hünermund mit seinem Sohn zusammen die Weihnachtsfeier am Hochschul-Campus mit einem kleinen Mitsing-Konzert.

Hünermund am Klavier bei der Weihnachtsfeier am Campus Gummersbach 2015Hünermund am Klavier bei der Weihnachtsfeier am Campus Gummersbach 2015 (Bild: Manfred Stern / TH Köln)

Die anderen Kinder der Familie Hünermund sind, wie der Vater, international unterwegs. Ein Sohn arbeitet in Texas, USA, an der Entwicklung eines „Moonlanders“, der Älteste organisiert Bankenkonferenzen rund um den Globus, der Zweitjüngste ist ebenfalls weltweit aktiv in Sachen Stromnetzmanagement. Die einzige Tochter hat sich, wie die Eltern, in Bergneustadt niedergelassen, vier Kinder herangezogen und betreut in Haus und Garten viele Tiere. Tierzucht betreibt auch Bruno Hünermund noch nebenbei: er hält Schafe und Hirsche auf seinem Grundstück und engagiert sich für die Bienenzucht.

Einzelhaft als neunjähriges Kind in der damaligen DDR, Flucht in den Westen, Job in der englischen Armee, Skilehrer in Österreich, Wildwasserkajak-Trainer in Kanada, Deutsch-Lehrer in Moskau, Organisator von Hilfstransporten nach Sibirien, Hobby-Archäologe für Oberberg, Kreistagsabgeordneter – es bleibt zu hoffen, dass Bruno Hünermund mal einen Biographen findet, der dieses außergewöhnliche Leben für die Nachwelt aufzeichnet. Sein internationales Engagement für Völkerverständigung und Jugendaustausch hat ihm auch offizielle Ehrungen eingebracht: den Stadtdukaten von Bergneustadt, das Bundesverdienstkreuz und auch die Europa-Medaille der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament.

Hochachtung für seine beeindruckende Lebensleistung

Prof. Dr. Christian Averkamp, als Dekan des Campus Gummersbach auch Chef des Lehrbeauftragten Hünermund, gratuliert dem Jubilar: „Ich habe Hochachtung für seine wirklich beeindruckende Lebensleistung und ich freue mich, dass er immer noch  mit großem Engagement unsere Studierenden betreut. Ich wünsche ihm von Herzen noch viele erfüllte Jahre in seinen vielfältigen Funktionen und im Kreise seiner großen Familie.“

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