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Gerd Rosendahl – ein Leader im Sport und Beruf

Gerd Rosendahl  (Bild: privat)

Weltmeister, Europapokalsieger, deutscher Meister, Pokalsieger – die Liste der Erfolge des Handballers Gerd Rosendahl ist lang. Dabei ist der Sport nur ein Abschnitt in seiner Biographie, denn der Absolvent in Maschinenbau/Produktionstechnik kann neben seiner sportlichen Karriere auch auf eine außergewöhnliche berufliche Karriere zurückblicken.

In die Wiege gelegt waren ihm seine Erfolge sicherlich nicht: Nach einer Ausbildung als Maschinenschlosser bei Krupp in Rheinhausen machte der gebürtige Duisburger sein Fachabitur. Parallel spielte er beim OSC Rheinhausen in der Handball-Bundesliga. Führungsqualitäten wurden ihm schon in jungen Jahren zugetraut: Mit 19 Jahren übernahm er als Kapitän der Mannschaft bereits eine besondere Verantwortung. Das sportliche Talent blieb den Spähern der großen Vereine nicht verborgen, und so wechselte Gerd Rosendahl 1978 zum VfL Gummersbach, einer der europäischen Handball-Großmächte der 1970er und 80er Jahre. Hier wurde er schnell Leistungsträger und war an vielen Erfolgen beteiligt. So zeigte er im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger 1979 Nervenstärke: 13 Sekunden vor der Schlusssirene erzielte er den entscheidenden Treffer.

Gerd Rosendahl als Handball-Profi Harte Kämpfe zwischen Freunden: Gerd Rosendahl und Heiner Brand, Bundestrainer von 1977 bis 2011 (Bild: privat)

Schon früh sah Gerd Rosendahl seine Perspektive nicht nur im Handball. Deshalb nahm er parallel zu seiner Karriere als Handball-Profi ein Studium am heutigen Campus Gummersbach der TH Köln auf. Den Ehrgeiz und die Disziplin, die es braucht, um sportlich erfolgreich zu sein, legte er auch in seinem Studium an den Tag. Trotz der sportlichen Mehrfachbelastung schaffte er sein Studium als einer der wenigen in der Regelstudienzeit, worauf er zu Recht stolz ist. „Es wurde viel gefeiert, aber auch viel gelernt. Unsere Studienzeit war wahrscheinlich gemütlicher als heute, aber sicher nicht leichter“, sagt er rückblickend. Seit 1978 war Gerd Rosendahl auch Nationalspieler. Und somit an einem der legendärsten  bundesdeutschen Sportereignisse beteiligt – vergleichbar mit dem „Wunder von Bern“ oder dem ersten Wimbledonsieg Boris Beckers: „Als jüngste Mannschaft und krasser Außenseiter wurden wir 1978 Weltmeister, das  war natürlich der Höhepunkt meiner sportlichen Laufbahn.“ Gegner im Endspiel war mit der Sowjetunion der amtierende Olympiasieger, der haushohe Favorit wurde in einem dramatischen Spiel mit 20-19 bezwungen. Heiner Brand, Kurt Klühspies oder Arno Ehret – die Namen der Sieger kennenheute noch jeder Handballer und zahlreiche Handballfans. Die Weltmeister von 1978 halten immer noch engen Kontakt, vor allem um Joachim Deckarm kümmern sich Gerd Rosendahl und seine Mitspieler regelmäßig. Der frühere Goalgetter ist seit seinem schweren Sportunfall auf Pflege angewiesen.

Gerd Rosendahl engagiert sich mittlerweile im Aufsichtsrat des VfL Gummersbach Immer noch ein großer Zusammenhalt: Gerd Rosendahl mit Joachim Deckarm (vorne) und Kurt Klühspies (rechts) (Bild: privat)

Das Jahr 1983 war ein Wendepunkt im Leben von Gerd Rosendahl: Er gewann mit dem VfL Gummersbach alles, was es zu gewinnen gab. Daneben wurde er mit dem Studium fertig, und noch vor der Abgabe seiner Diplomarbeit  von einem Professor dem Automobilzulieferer Teves in Bergneustadt empfohlen. Dort fing er als Werksplaner an. Der Sport trat nach und nach in den Hintergrund, aus der Nationalmannschaft trat Gerd Rosendahl noch 1983 zurück, drei Jahre später beendete er seine aktive sportliche Karriere und widmete sich mit aller Kraft seinem Beruf. Schnell kletterte er die berufliche Karriereleiter hinauf, nach zehn Jahren im Unternehmen wurde er alleinverantwortlicher Geschäftsführer des Werks in Bergneustadt. Als Manager sieht sich Gerd Rosendahl als eine Mischung aus Teamplayer und Leader: "Man muss im Team funktionieren, aber irgendwann muss man auch mal sagen: Hier geht’s lang!“, so charakterisiert er seinen Führungsstil.

1997 geriet das Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage, das Werk drohte geschlossen zu werden. Da übernahm Gerd Rosendahl mit weiteren Führungskräften Verantwortung: Sie übernahmen das kriselnde Werk in Bergneustadt mit 1.400 Beschäftigten in einem Management-Buy-out von den bisherigen Inhabern – mit allen Chancen und Risiken. Innerhalb von zehn Jahren war daraus die ISE-Unternehmensgruppe geworden, ein weltweit agierendes Unternehmen mit 5.500 Mitarbeitern an weltweit 15 Standorten und einem Umsatzvolumen von 650 Millionen Euro. Dennoch wurde das Unternehmen von den negativen weltwirtschaftlichen Entwicklungen in den Nullerjahren hart getroffen: Anfang 2007 musste die ISE-Unternehmensgruppe Insolvenz anmelden –  ein harter Schlag für die Region, für die Mitarbeiter, für das Management.

Gerd Rosendahl: „Es ist im Beruf wie im Sport: Wenn Du hinfällst, musst Du sofort wieder aufstehen.“ Gerd Rosendahl: "Man muss im Team funktionieren, aber irgendwann muss man auch mal sagen: Hier geht’s lang!“ (Bild: privat)

Gerd Rosendahl: „Aber es ist wie im Sport:  Wenn Du hinfällst, musst Du sofort wieder aufstehen.“ Rosendahl stieg ins Management des US-amerikanischen Automobilzulieferers Dura Automotive mit 13 Standorten weltweit ein; danach wechselte er als Managing Director zu Fischer Automotive Systems und betrieb u.a. die Restrukturierung eines Werks in Detroit, bevor er vom slowenischen Unternehmen Cimos abgeworben wurde. Diese bis dahin eng an den Staat angebundene Firmengruppe mit ca. 300 Millionen Euro Umsatz und 14 Werken führte Gerd Rosendahl als Vorstandsvorsitzender bis 2017 erfolgreich in die Privatisierung.

Trotz seines internationalen beruflichen Engagements blieb Gerd Rosendahl seiner Wahlheimat im Bergischen Land treu und engagierte sich weiterhin tatkräftig: So gehörte er dem Aufsichtsrat des VfL Gummersbach und dem Vorstand des Fördervereins des Campus Gummersbach an, als der Umzug auf das Steinmüllergelände anstand. Gerd Rosendahl ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder; die beiden Söhne haben ebenfalls am Campus Gummersbach der TH Köln studiert. Nun freut er sich auf den Vorruhestand, der dank vielfältiger beruflicher, sportlicher und privater Kontakte sicher unruhig ausfallen wird.


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