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Christian Sander

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Die Kölner Bühnen nach der Sanierung: Hoher Raumkomfort bei optimaler Energieeffizienz

Wie kann das sanierte Kölner Opern- und Schauspielhaus den Zuschauern einen bestmöglichen Komfort bieten und zugleich seine Gebäudetechnik möglichst energieeffizient einregeln? Diese Fragestellung untersucht ein Forschungsprojekt des Instituts für Energieeffiziente Architektur sowie des Instituts für Gebäudeausrüstung der FH Köln mit einem Intensivmonitoring, das nach der Wiedereröffnung beginnt.

Offenbachplatz mit fertig saniertem Opernhaus (Entwurf)Offenbachplatz mit fertig saniertem Opernhaus (Entwurf) (Bild: Arge SBK)

Zudem soll durch eine Querschnittserhebung an zehn bis 15 repräsentativen Bühnen in Deutschland ermittelt werden, wie groß der Energiebedarf von Theaterspielstätten ist und welche Optimierungsmöglichkeiten bestehen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) über vier Jahre gefördert.

Auch der Raumkomfort muss stimmen

„Damit das Publikum einen Theater- oder Opernbesuch als angenehm empfindet, müssen neben der Qualität des Stückes auch das Raumklima und der Raumkomfort stimmen. Es darf nicht zu warm oder zu kalt und nicht zu hell oder zu dunkel sein, der Sauerstoffgehalt in der Luft muss stimmen und es darf keinen Zugerscheinungen geben“, erklärt Projektleiterin Professorin Dipl.-Ing. Eva-Maria Pape vom Institut für Energieeffiziente Architektur3 (EEA3) der Fakultät für Architektur. „Über die Gebäudetechnik wie Heizung, Kühlung, Lüftung sowie Beleuchtung kann man diese Komponenten des Komfortgefühls maßgeblich steuern. Wir möchten nicht nur herausfinden, welche Einstellungen als besonders komfortabel wahrgenommen werden, sondern auch, wie man diese besonders energieeffizient erreichen kann.“

Denkmalschutz und Energieeffizienz

Für die Sanierung der Kölner Bühnen spielen diese Überlegungen eine besondere Rolle, da die Stadt Köln bei der Sanierung der Oper und des Schauspielhauses trotz hoher Denkmalschutzauflagen die Vorgaben der Energieeinsparverordnung EnEV-2009 nicht nur einhalten, sondern um rund 30 Prozent unterschreiten möchte. „Wenn die Gebäudetechnik in einem Gebäude installiert ist, läuft sie nicht sofort optimal. Über die richtigen Einstellungen kann noch sehr viel Energie eingespart werden. Unser Projekt trägt dazu bei, diese Einsparpotentiale zu realisieren, ohne dass dies zu Lasten des Komforts geht“, sagt die leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin des Forschungsprojekts, Dipl.-Ing. Birgit D. Meier vom Projektteam des EEA3. „Wir sind sehr dankbar, dass sich die Stadt und die Bühnen Köln bereit erklärt haben, als Pilot für das Forschungsprojekt zur Verfügung zu stehen und diese Mehrbelastung in der Sanierungsphase auf sich zu nehmen“, so Meier.

Dummies helfen zu messen

Wenn Oper und Schauspielhaus nach der Sanierung wieder eröffnet sind, beginnen die vorerst zweijährigen Raumkomfortmessungen in ausgewählten Bereichen wie Foyer, Zuschauerräumen und Bühnen. Eingesetzt werden speziell entwickelte, mobile Mess-Dummies – sogenannte „Kunstfiguren“ mit Messgeräten für Luftqualität und -strömungen, Feuchtigkeit und Temperatur. „Der große Vorteil unserer Dummies ist, dass sie flexibel eingesetzt werden können und es ermöglichen, Messdaten in Räumen recht einfach zu erfassen und in eine Datenbank einzuspeisen“, erläutert Prof. Dr. Jörg Reintsema von Institut für Technische Gebäudeausrüstung der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme. Masterstudierende der Architektur entwerfen in Projektarbeiten die Optik der Kunstfiguren und entwickeln diese gemeinsam mit dem Messteam der Gebäudetechnik bis zur Produktreife. Ergänzt werden die Messungen in den Kölner Bühnen durch Zuschauer- und Nutzerbefragungen.

Architektonisches Erbe der fünfziger Jahre

„Der Entschluss, unsere Häuser am Offenbachplatz denkmalgerecht zu sanieren, und auch die vorangegangenen städtebaulichen Diskussionen, die dahin geführt haben, machen klar, dass in der Bevölkerung ein Umdenken eingesetzt hat im Umgang mit dem architektonischen Erbe der fünfziger Jahre. Deshalb ist es uns sehr wichtig, an diesem prominenten Beispiel zu zeigen, dass die Erhaltung eines solchen Erbes und zeitgemäße Gebäudeeffizienz Hand in Hand gehen können. Ganz abgesehen davon versprechen wir uns natürlich Vorteile im Kostenbereich und in Sachen Wohlfühlfaktor – sowohl bei unserem Publikum wie auch bei den Mitarbeitern auf und hinter der Bühne,“ sagt Reinhard Beuth, Sprecher des Projektbüros Sanierung.

Bundesweite Querschnittsanalyse – erstes energetisches Benchmarking

Eingebettet ist das Projekt in eine bundesweit angelegte Querschnittsanalyse von zehn bis 15 Repertoirehäusern, die repräsentativ für die deutsche Opern- und Theaterlandschaft sind. „Theaterspielstätten sind ein eigenständiger Gebäudetypus, von dem es in Deutschland rund 150 gibt. Diese wurden größtenteils zwischen 1820 und 1970 erbaut oder wiederaufgebaut. Deshalb gibt es in diesem Bereich einen großen Sanierungs- und energetischen Optimierungsbedarf“, sagt Pape. „Natürlich spielen diese Gebäude in Relation zum gesamten Gebäudebestand in Deutschland keine sehr große Rolle. Auch wenn alle Spielstätten optimal saniert wären, hätten sie nur einen geringen Einfluss auf die Energiewende. Aber Theaterspielstätten werden in der Öffentlichkeit stark wahrgenommen und haben dadurch eine Breitenwirkung, weshalb wir uns für die vorbildliche Sanierungen dieser Typologie einsetzen“, ergänzt Pape.

Im Rahmen der Querschnittsanalyse sollen Wirtschaftlichkeit, Nutzerzufriedenheit und Verbrauchsdaten wie Strom, Wärme, Kühlung, Luftförderung, Beleuchtung und Wasser erhoben werden. Parallel sind Kurzzeitmessungen mit den Mess-Dummies und Zuschauerbefragungen geplant. Aus diesen Daten können dann der Nutz- und Primärenergiebedarf bilanziert und Schwachstellen sowie Einsparpotentiale aufgezeigt werden. Zudem wird so erstmalig ein Energie-Benchmarking erstellt, mit dem andere Häuser des Gebäudetypus ihren Energieverbrauch vergleichen können. Die Untersuchungen könnten sich auch auf die DIN-Normen auswirken, die den Energieverbrauch für den Gebäudetyp Theaterspielstätten vorgeben, da durch die erhobenen Daten die in den Normen festgelegten Kennwerte auf ihre Plausibilität überprüft werden.

10. März 2015

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