In der Zukunft die Zukunft erforschen

Scarlet La Shea Siebert (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Kölner, die nach Berlin gehen, gibt es viele. Aber umgekehrt? Scarlet La Shea Siebert hat’s getan und auch nach knapp zwei Jahren nicht bereut. Den Masterstudiengang Markt- und Medienforschung gibt es so auch nirgends sonst. Und das Deutschlandstipendium hilft ihr gut durch das letzte Studienjahr.

So, wie sie lächelt, kennt sie die Frage. Das ist ja auch kein Wunder. Warum bloß zieht denn jemand von Berlin nach Köln? Erstens, sagt Scarlet La Shea Siebert, ist Köln eine sehr reizvolle und entspannte Stadt, in der man fast alles zu Fuß erledigen kann und schnell Kontakte findet. Und zweitens gibt es den Masterstudiengang Markt- und Medienforschung, den sie im Herbst 2014 begonnen hat, in dieser Form – mit dem Schwerpunkt Online-Forschung – nur an der TH Köln. Und so hat die Berlinerin nach dem Bachelor in Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation ihre Heimat Richtung Rhein verlassen.

Nach vier Semestern in Köln arbeitet sie jetzt an ihrer Masterarbeit, die sie Ende August abgeben muss. Die Kernfrage: Wie verändern digitale Technologien das Gesundheitsverhalten der Menschen? Im Fokus stehen dabei vor allem mobile Geräte wie die derzeit sehr gefragten Fitnessarmbänder, die ihrem Besitzer täglich mitteilen, ob er zum Beispiel genug gelaufen ist oder zu viele Kohlenhydrate gegessen hat. Die Studentin will Leute dazu interviewen, aber möglichst nicht auf die klassische Art. „Ich will dafür ein Spiel entwickeln“, sagt sie. Ganz analog, ein Brettspiel. Aus dem Verhalten der Spieler will sie dann Erkenntnisse ziehen, wie sie mit einem Fragenkatalog kaum zu erzielen wären. Neue Einsichten gewinne man eben auch nur mit neuen Werkzeugen, meint sie.

Nach dem Abschluss kann sie sich gut eine Promotion vorstellen, in der sie die Thematik noch einmal deutlich vertieft. „Ich würde mich sehr gerne mal längere Zeit mit einem einzigen Thema beschäftigen, Expertin für einen Bereich werden“, sagt die 25-Jährige.

Sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können, das ist nicht selbstverständlich. „Ich habe mir mein Studium immer selbst finanziert“, sagt sie. Das war für sie so normal, dass sie an andere Möglichkeiten lange nicht dachte. Erst im vergangenen Jahr wurde sie über einen TH-Newsletter noch einmal auf das „Deutschlandstipendium“ aufmerksam. In diesem Programm übernehmen der Bund und ein privater Förderer je die Hälfte eines monatlichen Zuschusses von 300 Euro, den leistungsstarke Studierende für ein Jahr oder auch länger erhalten können. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das kriegen kann, aber es hat geklappt“, berichtet die Studentin. Gefördert wird sie jetzt vom Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds.

Und der Gewinn bestehe nicht allein im Geld. „Schon das Bewerbungsverfahren war eine unheimlich tolle Erfahrung, ich habe da viel über mich gelernt“, sagt sie. Außerdem seien die Treffen mit anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten, auch aus völlig anderen Fachrichtungen, sehr nützlich. Das Geld selbst wollte sie eigentlich für den Flug zum South American Business Forum nutzen. Das ist ein hochkarätiger Wirtschaftskongress, der sich aber gezielt an Studierende aus aller Welt richtet. Um die Teilnahme muss man sich bewerben, wenn es klappt, ist sie kostenlos. Da die Reise zeitlich aber doch nicht geklappt hat, nimmt sie jetzt am Future Day teil, eine jährliche Veranstaltung des Zukunftsinstituts von Matthias Horx.

Weil sie lange gezögert hat, läuft das Stipendium für sie nach einem Jahr definitiv aus. Schließlich soll im Herbst der Master da sein. Dann die Promotion, und wie weiter? Scarlet La Shea Siebert kann sich gut vorstellen, in der Zukunftsforschung zu arbeiten. Das Institut von Matthias Horx in Frankfurt wäre ein interessanter Arbeitgeber. Ihr Hauptthema würde auch dann wohl die digitale Transformation und ihre Auswirkung auf den Menschen sein. „Durch die Daten, die heute im Netz gesammelt werden, entstehen Profile, die genauer sind als das, was mancher Mensch über sich selbst weiß“, sagt die Studentin mit einer Mischung aus Besorgnis und Faszination. Die Emotionen eben, die Zukunftsfragen so auslösen.

Text: Werner Grosch

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