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Christian Spiller – Der Internetpionier aus Oberberg

Mit technologischer Weitsicht, viel Mut und einem guten Bauchgefühl machte sich Christian Spiller, Absolvent des Studiengangs Wirtschaftsinformatik, noch während seines Studiums selbständig: Er gründete mit „Oberberg-Online“ eine der frühen Full-Service-Agenturen für das in den 1990er Jahren noch weitgehend unbekannte Internet. Eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.

Christian Spiller Christian Spiller (Bild: privat)

Während seiner Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann bei einem amerikanischen Unternehmen lernte Christian Spiller Anfang der 1990er Jahre ein weltweites, allerdings noch in sich geschlossenes Kommunikationsnetz kennen. „Die Grundidee der globalen Kommunikation faszinierte mich schon damals, nämlich ein „hallo“ in die Tastatur zu tippen und nur etwas verzögert von Amerika aus ein „hi“ zurückzubekommen. Es war für mich unvorstellbar, dass so etwas funktionierte“, sagt er rückblickend.  In einer Zeit, in der man noch Briefe und Faxe schrieb, wurde die unternehmerische Neugier für dieses Feld geboren, allerdings wollte Christian Spiller nach der Ausbildung noch studieren. Vor der Frage stehend: „Selbständigkeit oder Studium abschließen?“ entschloss er sich, beides parallel zu machen um sich durch das Diplom die notwendige fachliche Glaubwürdigkeit zu sichern. „Mutig und ein wenig naiv“ – so nennt er heute diesen Schritt, den er ohne Beratung, Mentoren, Startkapital, Förderungen oder Start-up-Hilfen ging. Heute steht Gründer*innen und Gründungsinteressierten der Gründungsservice Gateway mit individueller Unterstützung bei der Entwicklung und Realisierung von Start-ups zur Seite.

Bei seinem Studium am Campus Gummersbach erhielt er durch ein Stipendium wertvolle Unterstützung von der Gummersbacher „Stoltenberg-Lerche Stiftung für berufliche Weiterbildung“. Seine Expertise aus der Ausbildung konnte er als studentische Hilfskraft einbringen. Räumlichkeiten für das neu gegründete Unternehmen „Oberberg-Online“ fanden sich im ebenfalls neu gegründeten Technologiezentrum in Windhagen. Dort startete die junge Firma mit einer kreisweiten Plakataktion „Wir bringen Sie ins Internet“ – zu einer Zeit, als die Deutsche Telekom noch Bildschirmtext-Zugänge verkaufte. „Wir waren von unserer Geschäftsidee überzeugt, aber ohne zahlende Kundschaft, das heißt wir mussten unsere zunächst rein technisch ausgerichtete Grundidee ausbauen,“ erklärt Christian Spiller: „Daraus resultierte eine „Dreiecksidee“ von Produkten und Dienstleistungen, die einander bedurften. Wir boten also Full-Services in drei Bereichen an: Zum einen Technik, also Internetzugänge sowie Hostingdienste und Server; zum zweiten Inhalte für Webseiten, Shops etc. Und drittens Werbung: Wir beschäftigten uns schon damals mit den ersten Portalen, wie z.B. Online-Games, Flirtmarkt, Tierfreund, die virtuelle Bundesliga etc., die das Interesse unserer Leser weckten. Dort konnte dann gezielt Werbung platziert werden, die wir dann gestaltet haben.“

Daraus entstand die Idee, im Oberbergischen Kreis eines der ersten Stadt- und hinterher auch Kreisinformationssysteme zu entwickeln. Hürden gab es viele, so tat sich selbst die Hausbank schwer bei dem Gedanken, die neue Idee einer digitalen Zeitung Oberberg-Aktuell.de mit zu begleiten, zumal der lokale Markt dafür – aus ihrer Sicht – von damals beherrschenden Printmedien bedient wurde. „Die Zuversicht, letztendlich das Richtige zu tun, begleitete mich in meiner gesamten unternehmerischen Entwicklung, deshalb wurde die Idee ohne externe Unterstützung selbst finanziert und entwickelt und führte – bis heute – zu einem großen Erfolg und Mehrwert für die gesamte Region. Es sollte jedoch viele (schwere) Jahre dauern, bis sich diese Idee zu einer ernstzunehmenden Zeitung entwickeln und gegen die bestehenden Printmedien behaupten konnte“, sagt Christian Spiller. Besonders stolz ist er, dass seine damals disruptive Vision einer Internetzeitung seit nunmehr 27 Jahren funktioniert und für die Leser*innen weiterhin kostenlos ist. Das Thema Unternehmensnachfolge ist bereits geregelt, denn Christian Spillers Sohn Tim tritt in seine Fußstapfen: Nach einer Ausbildung zum Fachinformatiker im väterlichen Unternehmen und einem Informatik-Studium an der TH Köln, ist er in die Firma eingestiegen. „Tim bringt nicht nur neuen Schwung mit ins Team, sondern neben moderner Fachkompetenz auch ein hohes Interesse an den Herausforderungen und Gefahren der künftigen KI-Welt“, sagt Christian Spiller. Und während Vater Christian noch ein Pionier im entstehenden Internet war, ist sein Sohn schon ein echter Digital Native – so ändern sich die Zeiten.

Sein Fazit nach 30 Jahren Unternehmertum verbindet Christian Spiller mit einem Rat an die Studierenden von heute: „Ich bedanke mich bei allen, die an mich sowie die anfänglich abgedrehten Ideen geglaubt haben. Ich möchte junge Menschen ermutigen, nicht immer ausschließlich blauäugig, aber doch mit Zuversicht und bei gutem Bauchgefühl ein kalkulierbares Risiko einzugehen und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.“

September 2000

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