Andreas Roth – Antriebe neu gedacht, denn: „Geht nicht, gibt’s nicht!“
„50 Prozent meines Unternehmens bestehen aus Dingen, von denen es hieß, dass es nicht möglich wäre“, sagt Andreas Roth mit einem Lächeln und berechtigtem Stolz. 25 Mitarbeiter*innen entwickeln in der Firma des Alumnus des Studiengangs Landmaschinentechnik Antriebe für Arbeitsmaschinen vor allem für Land- und Baumaschinen.
Andreas Roth
(Bild: privat)
Auf dem elterlichen Bauernhof bekam Andreas Roth viel mit für seine berufliche und persönliche Entwicklung: Zum einen war schon der junge Andreas Roth von Maschinen beeindruckt, so dass er sich für ein Maschinenbaustudium an der Fachhochschule Köln entschied. Zum anderen bekam er Werte vorgelebt, nach denen er heute noch lebt und die auch sein Handeln als Unternehmer bestimmen. Es war ein konventionell geführter Betrieb, aber ethische Fragen wie Tierwohl, Nachhaltigkeit und Naturschutz waren seinen Eltern wichtig. Mit 19 ging Andreas Roth zum Studium in die Großstadt Köln, ein möbliertes Zimmer am Chlodwigplatz – für ihn nicht nur ein Orts-, sondern auch ein Zeitenwechsel. Im Studium lernte er sein Handwerkszeug, und auch persönlich entwickelte er sich weiter: „Ich habe gelernt auf Menschen zuzugehen. Da hat mir die in Köln gelebte rheinische Mentalität mit ihrer offenen Art sicherlich geholfen“.
Seine Diplomarbeit schrieb Andreas Roth in einem Unternehmen in der Region, das Gelenkwellen produziert und Antriebe entwickelte. Dass er hier seine erste Arbeitsstelle antrat, lag auch an den Werten, die in dem Unternehmen gelebt wurden: „Mir gefielen die kollegiale Zusammenarbeit, die Zuverlässigkeit gegenüber den Kunden und der respektvolle Umgang im Unternehmen“, erinnert er sich. Mitte der 1990er Jahre hatte er die Chance, als Konstruktions- und Entwicklungsleiter in ein vormaliges Kombinat in Ostsachsen zu wechseln. Hier lernt er sein Handwerk als Antriebsentwickler und fing an, Skizzen zu zeichnen, um den Kunden die Antriebssysteme besser verständlich zu machen. „Die Skizzen berühren – Geschäfte macht man eben auch mit Emotionen, nicht nur mit Technik und Geld“, sagt er. 2025 hat Andreas Roth seine Sammlung handgezeichneter Technikskizzen bis hin zu modernen digitalen Antriebs- und Prüfsystemen als Buch veröffentlicht.
Seine handgezeichneten Skizzen hat Andreas Roth in einem Buch veröffentlicht
(Bild: Andreas Roth)
Nach sieben Jahren in Sachsen ging Andreas Roth Anfang der 2000er-Jahre zurück ins Rheinland zu einem Hersteller von Großgetrieben, aber als sein erster Arbeitgeber ihn zurückgewinnen wollte, zögerte er nicht. Er half mit, verloren gegangene Kunden zurückzugewinnen. Es begann nochmal eine intensive Zeit mit komplexen Projekten, großen Kunden und tollen Menschen, die an diesen Projekten arbeiteten. Nach dieser Phase kam der Entschluss, sich selbstständig zu machen. „Mehrere potenzielle Geschäftspartner sagten ab – keiner hatte Vertrauen in meine Geschäftsidee“, sagt Andreas Roth, dem schon im Jahr 2010 die Max-Eyth-Gedenkmünze des VDI verliehen wurde. Diese wird an Persönlichkeiten vergeben, die sich auf den Gebieten der Agrartechnik besondere Verdienste erworben haben. Die Idee ließ ihn nicht mehr los: Er gründete alleine ein Konstruktionsbüro, kaufte ein Auto, einen Computer, ein Handy und legte im Keller seines Hauses los. An den ersten Projekten arbeiteten ein Student, ein Rentner und ein Konstrukteur der TH Dresden mit. Mit einer echten Start-up-Mentalität ging es schnell voran – nach dem Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht“. „Ich habe vom ersten Tag an Geld verdient“, sagt Andreas Roth, auch wenn die Anfänge bescheiden waren und er sich nur 600 Euro Monatsgehalt auszahlte. Ein schwerer Autounfall, von dem sich Andreas Roth erst einmal erholen musste, bedeutete einen Rückschlag für die Firma. „Nach diesem Ereignis erkannte ich klarer, wofür ich meine Lebenszeit einsetzen möchte und wofür besser nicht!“, sieht Andreas Roth das Positive an dem Unfall.
Andreas Roth entwarf auch das Logo des Instituts für Bau- und Landmaschinentechnik der TH Köln
(Bild: Andreas Roth)
Im Jahr 2014 gründete er das Entwicklungsunternehmen „Antriebstechnik-Roth GmbH“ mit heute 25 Mitarbeiter*innen und einem Umsatz von fünf Millionen Euro. In seinem Unternehmen dachte man den Antrieb völlig neu, große Landmaschinenhersteller zählen zu den Kunden, Preise auf Fachmessen zeugen von der Qualität der Produkte. „Ich habe immer versucht, erfahrene Fachkräfte mit Know-how in die Firma zu bekommen, damit sie ihr Wissen an die jüngeren Mitarbeiter*innen weitergeben“, erklärt er einen Erfolgsfaktor. Der im Jahr 2022 erfolgte Umzug des Betriebs in neue Gebäude war dann ein Quantensprung für die Firma: „Hier können wir nicht nur konstruieren, sondern auch Prototypen testen und zur Serienreife bringen“, erklärt Andreas Roth. Bei aller Technik, zunehmender Digitalisierung und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz bleibt für Andreas Roth jedoch eines entscheidend: „Der Mensch und die Umwelt stehen für mich im Mittelpunkt.“ Dieses Credo ist sicherlich ein wesentlicher Garant für den Erfolg des Unternehmers.
März 2000