Kontakt & Service

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen?

Bitte schreiben Sie uns: urheberrecht@th-koeln.de

"Bereit zum Dialog"

Vizepräsidentin Prof. Dr. Sylvia Heuchemer begrüßt die Studierenden an der TH Köln (Bild: TH Köln)

Die Position der TH Köln zur Änderung bei der Anwendung des § 52a Urheberrechtsgesetz erläutert Prof. Dr. Sylivia Heuchemer, Vizepräsidentin für Lehre und Studium der TH Köln, im Interview.


Viele Jahre haben die Verwertungsgesellschaft Wort sowie Bund und Länder darüber diskutiert, wie Urhebern die Nutzung ihrer Werke in Schulen und Hochschulen angemessen vergütet werden kann. Die Auseinandersetzung um den §52a des Urheberrechtsgesetzes beschäftigte auch die Gerichte. Ein von der Kultusministerkonferenz mit der VG Wort geschlossener Rahmenvertrag stößt auf Widerstand – auch die TH Köln wird dem Vertrag nicht beitreten.

Die Vizepräsidentin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Sylvia Heuchemer, erläutert die Entscheidung.

Ab 1. Januar können Lehrende kein urheberrechtlich geschütztes Material mehr über Ilias, Moodle oder andere Lernplattformen für die Studierenden bereitstellen.

Prof. Dr. Sylvia Heuchemer: Das ist leider so. Wir mussten alle unsere Lehrenden auffordern, die Lehr-Lern-Portfolios, die sie für die Studierenden in digitaler Form bereitstellen, zu überprüfen und Materialien, die gegen § 52a Urheberrechtsgesetz verstoßen könnten, zu entfernen. Das haben wir nicht gerne getan, aber es war aus rechtlicher Sicht unumgänglich.

Was hat sich geändert?
Heuchemer: Bislang galten für Lehre und Forschung Erleichterungen bezüglich der Verwendung von urheberrechtlich geschützten Marterialien. Konkret: Werkauszüge konnten den einzelnen Forschungs- und Studierendengruppen elektronisch zugänglich gemacht werden, zum Beispiel auf Lernplattformen wie Ilias oder Moodle. Zum Ausgleich für diese Verwendung haben die Bundesländer eine Pauschale an die Verwertungsgesellschaft Wort abgeführt, die die Rechte der Urheber vertritt. An die Stelle einer pauschalen Vergütung soll nach dem 1.1.2017 eine auf die einzelne Nutzung jedes einzelnen Werkteils bezogene Abrechnung erfolgen. Ein entsprechender Rahmenvertrag wurde von der Kultusministerkonferenz und der VG Wort ausgehandelt. Nichtsdestotrotz haben wir in der Hochschulleitung beschlossen, diesem Rahmenvertrag nicht beizutreten, wie übrigens auch alle anderen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen und in der Mehrzahl der anderen Bundesländer.

Wie hoch wären denn die Aufwände?
Heuchemer: Technisch könnte so ein Tool, das die VG Wort bereits anbietet, natürlich eingesetzt werden. Aber die personellen Ressourcen für die Erfassung und Pflege der Daten stehen aus unserer Sicht in keinem Verhältnis zu der Vergütung, die dann zu entrichten wäre. Das hat auch ein Pilotversuch an der Universität Osnabrück gezeigt. Auf die Hochschulen käme bei der Einzelabrechnung sehr viel zusätzliche Verwaltungs- und Prüfarbeit zu, die von den Lehrenden zu leisten wäre. Wir hingegen möchten, dass die Lehrenden ihre Zeit für den Lehr-Lernprozess nutzen können, schließlich sind der enge Austausch mit den Studierenden und die Weiterentwicklung der Lehre  Kernelemente, die uns an der TH Köln besonders wichtig sind.

Wie soll es denn nun weitergehen?
Heuchemer: Wir hoffen, dass die Hochschulen wieder in einen Dialog mit der VG Wort kommen und über die Form der Vergütung gesprochen werden kann. Denn es geht uns in keiner Weise  darum, die Rechte der Urheber und ihren Anspruch auf eine Vergütung zu missachten, sondern darum, eine Lösung zu finden, die praktikabel ist. Dass sich in so vielen Bundesländern die Hochschulen außerstande sehen, dem Rahmenvertrag beizutreten, ist ein deutliches Signal, welche Probleme die nun verlangte Form der Abrechnung im Alltag machen würde.

Was können Studierende und Lehrende an der TH Köln erwarten?
Heuchemer: Wir versuchen, auf mehreren Ebenen Unterstützung und Abhilfe zu schaffen. Beispielsweise wird die Hochschulbibliothek den Einkauf von digitalen Lizenzen vorantreiben, die dann auch von den Studierenden genutzt werden können. Gleichzeitig wollen wir die Lehrenden zum Urheberrecht stärker beraten und Fortbildungen in diesem Bereich anbieten. Und schließlich unterstützen wir auch bei der Entwicklung von Lehr- und Lernmaterialien und können dabei auch Wege aufzeigen, die zum einen gesetzeskonform sind und zum anderen unsere Hochschule auch im Bereich E-Learning voranbringen. Denn ohne digitale Materialien sind Lehr-Lern-Portfolios, die helfen, den Lernprozess nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten, nicht denkbar.

M
M