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„Zeitgewinn effektiv nutzen“

Begrüßungsansprache Erstsemester 2015/2016 an der TH Köln (Bild: TH Köln)

Die Position der TH Köln zur Änderung bei der Anwendung des § 52a Urheberrechtsgesetz erläutert Prof. Dr. Sylivia Heuchemer, Vizepräsidentin für Lehre und Studium der TH Köln, im Interview.


Viele Jahre haben die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) sowie Bund und Länder darüber gestritten, wie Urhebern die Nutzung ihrer Werke in Schulen und Hochschulen angemessen vergütet werden kann. Die Auseinandersetzung um den § 52a Urheberrechtsgesetz (UrhG) beschäftigte auch die Gerichte. Ein von der Kultusministerkonferenz (KMK) mit der VG Wort im Herbst 2016 geschlossener Rahmenvertrag, der ab dem 1.1.2017 gelten sollte, ist bei den Hochschulen auf Widerstand gestoßen. Die konzertierte Aktion hatte Erfolg, nun wird neu verhandelt. Die Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Prof. Dr. Sylvia Heuchemer, zu den Hintergründen.

Anfang Dezember herrschte bei Lehrenden und Studierenden Alarmstimmung. Eine geplante neue Regelung zu § 52a Urheberrechtsgesetz schien die gewohnte Form, Textmaterialien in Lernplattformen bereitzustellen, aus den Angeln zu heben.
Sylvia Heuchemer:
Bislang galten für Lehre und Forschung Erleichterungen bezüglich der Verwendung von urheberrechtlich geschützten Materialien.
Konkret: Werkauszüge konnten den einzelnen Forschungs- und Studierendengruppen elektronisch zugänglich gemacht werden, zum Beispiel auf Lernplattformen wie Ilias oder Moodle. Zum Ausgleich für diese Verwendung haben die Bundesländer eine Pauschale an die Verwertungsgesellschaft Wort abgeführt, die die Rechte der Urheber vertritt. An die Stelle einer pauschalen Vergütung sollte ab dem 1.1.2017 eine auf die einzelne Nutzung jedes einzelnen Werkteils bezogene Abrechnung erfolgen. Dem entsprechenden Rahmenvertrag konnte und wollte die TH Köln nicht beitreten, wie übrigens auch alle anderen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen und in der Mehrzahl der anderen Bundesländer nicht.

Was wäre denn so kompliziert gewesen an dieser Form der Abrechnung?
Sylvia Heuchemer:
Ein Pilotversuch an der Universität Osnabrück hat gezeigt, dass auf die Hochschulen bei der Einzelabrechnung sehr viel zusätzliche Verwaltungs- und Prüfarbeit zukäme, die von den Lehrenden zu leisten wäre. Wir hingegen möchten, dass die Lehrenden ihre Zeit für den Lehr-Lernprozess nutzen können, schließlich sind uns an der TH Köln der enge Austausch mit den Studierenden und die Weiterentwicklung der Lehre besonders wichtig.

Nun ist das Abrechnungsverfahren wieder Gegenstand von Gesprächen zwischen der Verwertungsgesellschaft Wort als Vertreterin der Urheber, den Hochschulen und den Ländern.
Sylvia Heuchemer:
Es ist wirklich erfreulich, dass bis Herbst die pauschale Vergütung beibehalten und zur angemessenen Form der Abrechnung nun hoffentlich eine wirklich praktikable Lösung erarbeitet werden kann.

Was erwarten Sie?
Sylvia Heuchemer:
Um es klar zu sagen: Es geht uns in keiner Weise darum, die Rechte der Urheber und ihren Anspruch auf angemessene Vergütung zu missachten. Sondern darum, unter Wahrung der Urheberrechte eine Lösung zu finden, die den Hochschulen eine digitale Lehre ermöglicht, wie sie nicht zuletzt auch von der Politik gefordert wird. Aber derzeit ist überhaupt nicht absehbar, wie eine neue Lösung konkret aussehen wird. Noch wissen wir nicht, wie eine neue Lösung konkret aussehen wird. Deshalb dürfen und sollten wir uns nicht der Illusion hingeben, „aufgeschoben“ sei gleichbedeutend mit „aufgehoben“. Der Aufschub verschafft uns Zeit und diese möchten wir nutzen.

Wie geht es an der TH Köln konkret weiter?
Sylvia Heuchemer:
Wir wollen auf mehreren Ebenen Unterstützung und Abhilfe schaffen. Beispielsweise wird die Hochschulbibliothek den Einkauf von digitalen Lizenzen vorantreiben, die dann auch von den Studierenden genutzt werden können. Gleichzeitig wollen wir unsere Lehrenden im Urheberrecht enger begleiten, zum Beispiel durch Beratung und Fortbildungen. Wir möchten den Weg der Digitalisierung in der Hochschullehre weitergehen. Deshalb unterstützen wir unsere Lehrenden bei der Entwicklung von Lehr- und Lernmaterialien und können dabei Wege aufzeigen, die unsere Hochschule im Bereich E-Learning voranbringen. Denn ohne digitale Materialien sind Lehr-Lern-Szenarien, die unseren Studierenden helfen, den Lernprozess nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten, nicht denkbar.

Interview: Sybille Fuhrmann

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