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Ein Artikel aus dem Hochschulmagazin

10.000 Proben im Jahr: Ein Tag im Chemielabor

Beatrice Kleiner, Biotechnologisches Labor (Bild: Thilo Schmülgen/FH Köln)

Was wäre, wenn man Biodiesel aus altem Frittierfett herstellen könnte? Fastfoodketten, Imbissstände und Restaurants als neue Energielieferanten, das ist zwar keine appetitliche Vorstellung, aber eine sinnvolle. Durch diese Zweitverwertung könnte Biodiesel der eigentlichen Idee eines nachhaltigen Produkts ein großes Stück näher kommen.

Zwar wird der Biosprit bereits chemisch aus nachwachsenden und biologisch abbaubaren Pflanzenölen gewonnen, wie zum  Beispiel Rapsöl. Doch die chemische Produktion verbraucht derzeit viel Energie. Außerdem haben Biodiesel, Bioethanol und Biogas zu einem harten Konkurrenzkampf in der Landwirtschaft geführt; der großflächige Anbau von Energiepflanzen  konkurriert mit der Nahrungs- und Futtermittelproduktion um Nutzungsflächen – das gefährdet die ursprüngliche Idee der Nachhaltigkeit. Abfallprodukte wie Frittierfett könnten die Agrarflächen entlasten.

Die Doktorandin Beatrice Kleiner forscht deshalb nach einer Lösung zur enzymatischen Herstellung von Biodiesel, denn die ist wesentlich umweltschonender als die chemische Variante. Egal ob mit Rapsöl oder mit altem Frittierfett, das Prinzip ist das gleiche. "Wir haben ein neues Verfahren entwickelt, das alle Pflanzenöle und Altfette biokatalytisch sehr effektiv zu Biodiesel umsetzt. Dazu nutzen wir umweltverträgliche Lösungsmittel, sogenannte Green Solvents."

Erste Versuche im Labor funktionieren, doch der zweite Schritt ist kniffliger. Denn was im Kleinen klappt, benötigt viel Optimierungsarbeit, um daraus ein marktreifes Produkt im industriellen Maßstab zu produzieren.

Seit drei Jahren ist Beatrice Kleiner wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften und vertritt innerhalb des interdisziplinären Forschungsinstituts STEPS den Bereich Industrielle Biotechnologie. Seit drei Jahren plant die Bioingenieurin Versuchsabläufe, nimmt Proben und führt Auswertungen durch. "Die Lipasekatalyse ist sozusagen das Oberthema meiner täglichen Arbeit." Für Kosmetikprodukte hat sie gerade ein biokatalytisches Verfahren erstellt. "Der Biodiesel-Prozess soll unser zweiter Streich werden."

Ihre tägliche Arbeit im Labor ist routiniert und präzise strukturiert. Ein Arbeitsgerät gibt ihr dabei den Takt vor: der Gaschromatograph.
Text: Monika Probst

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