Co-Creation Landkarte
Die Landkarte ist im Projekt Q.V.I.W. als pragmatisches Tool entstanden, um ko-kreative Entwicklungsprozesse von Weiterbildungen zu begleiten. Sie hilft, notwendige Schritte und etwaige Hürden sichtbar zu machen und zeigt auf, wohin der Prozess bei einem gemeinsamen Zielbild führen kann. Dafür strukturiert sie Leitfragen zur Prozessgestaltung in der Metapher einer Reise über unwegsames Gelände.
Die Landkarte gliedert sich in sechs Sektionen, denen unterschiedliche Leitfragen zugrunde liegen. Die Reise beginnt an der unteren Seite, wo die Ausgangslage und Frage aufgegriffen werden, warum Ko-Kreation in der Weiterbildungsentwicklung überhaupt sinnvoll ist. Die nächste Station bildet das so bezeichnete „Startcamp", wo Voraussetzungen und eingangs zu erzielende Einigungen thematisiert werden. Erste Hürden auf dem Weg in Richtung Fluss und des dortigen erstrebenswerten „fließenden" Arbeitsmodus stellen die nächste Sektion dar. Das Schiff an der rechten Seite der Karte bildet einen weiteren Abschnitt und legt den Fokus darauf, welche Kompetenzen für ko-kreative Teams wesentlich sind, um den Entwicklungsprozess erfolgreich zu meistern. Entlang des Flusses schließlich sind verschiedene mögliche Kippeffekte ausgewiesen, die auf der Reise entstehen können, ehe der Leuchturm am oberen Ende der Karte das Ziel bildet. Die einzelnen Sektionen werden nachfolgend genauer erläutert. Am Seitenende besteht die Möglichkeit, die Landkarte herunterzuladen.
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(Bild: TH Köln)
Die Sektionen im Detail
Sektion 1: Die Ausgangslage
(Bild: TH Köln)
An der unteren Seite der Karte werden die bewusst überspitzten Stereotypen „Elfenbeinturm der Wissenschaft“ und „Problemlösetunnel der Praxis“ einander gegenübergestellt und greifen damit provokativ auf, wieso es wichtig ist, dass beide Seiten zusammen arbeiten und sich gemeinsam auf die metaphorische Reise begeben sollten. Hier wird deutlich: Ziel sollte sein, den Energiefluss zu erreichen und die verschiedenen Wissensformen, Zuflüsse und Erfahrungsströme darin zusammenzubringen.
Ko-Kreation beschreibt unserer Auffassung und Haltung zufolge demnach die kreative und kollaborative Zusammenarbeit verschiedener Stakeholder mit dem Ziel, gemeinsam komplexe Probleme besser zu verstehen und Lösungen für diese zu entwickeln. Wichtig ist uns, dass die Stakeholder hierbei über den gesamten Entwicklungsverlauf eingebunden sind bzw. sein können (Vargas et al. 2022: 21). Zentral ist dabei das Konzept der „collective creativity“ (Sanders & Stappers 2008: 6), also die Kreativität, die sich durch das methodengeleitete Zusammenwirken unterschiedlicher Stakeholder entfalten darf.
Vargas, C., Whelan, J., Brimblecombe, J., & Allendera, S. (2022). Co-creation, co-design and co-production for public health: A perspective on definitions and distinctions. Public Health Research & Practice, 32(2). https://doi.org/10.17061/phrp3222245
Sanders, E. B. N., & Stappers, P. J. (2008). Co-creation and the new landscapes of design. CoDesign, 4(1), 5–18. https://doi.org/10.1080/15710880701875068
Sektion 2: Das Startcamp
(Bild: TH Köln)
Haben die beiden Seiten den Mehrwert einer gemeinsamen Erarbeitung erfasst und sind sich einig, dass sie gemeinsam mehr erreichen können, ist die erste Etappe des Prozesses das Startcamp ein Stück weiter oben auf der Karte. Jeder Abenteurer weiß: Bevor die Expedition losgeht, will das Gepäck gepackt, die Route abgesteckt und die Ausrüstung geprüft sein.
Im Startcamp steht daher eine Reihe von Fragen im Fokus, die die Grundlagen der Zusammenarbeit schaffen:
Welche Herausforderung, sich verändernde gesetzliche, wirtschaftliche, ökologische oder soziale Ausgangslagen oder Problemlagen bestehen derzeit in welchem beruflichen Handlungsfeld? Welche Qualifizierungsbedarfe resultieren daraus? Wie können diese gemeinsam erschlossen werden, um gemeinsam ein zukunftsorientiertes Weiterbildungsangebot zu entwickeln? Welche Themen sind dabei relevant? Welches gemeinsame Ziel wird verfolgt? Welchen Mehrwert oder Nutzen bietet das gemeinsame Vorhaben für die einzelnen Akteure? Welche Voraussetzungen müssen am Anfang des Prozesses geschaffen werden? Welche Informationen müssen ausgetauscht, welche Einigungen erzielt werden? Wer bringt welche Expertisen ein? Für welche Probleme oder Herausforderungen aus der Praxis können wir mit den unterschiedlichen Erfahrungsschätzen Lösungen anbieten? Und wer sollte noch eingebunden werden?
Sektion 3: Erste Hürden
(Bild: TH Köln)
Vom Startcamp aus macht sich das Team auf den Weg. Die nächsten Schritte stellen bereits auf die Probe, wie gut es sich im Startcamp vorbereitet hat; es gilt, verschiedene Hürden, wie das „Stolpersteinfeld der unklaren Verantwortlichkeiten" oder den „Dschungel der Begrifflichkeiten" zu überwinden, um es zum Energiefluss zu schaffen und damit in einen fließenden Arbeitsmodus zu kommen. Zudem ist es wichtig, notwendige Schärfungen und Klärungen vorzunehmen und den gemeinsamen Nutzen zu identifizieren, um nicht in Gefahr zu kommen, dass die notwendige Diskussionsgrundlage fehlt oder das gemeinsame Vorhaben im Energiesumpf versackt.
Sektion 4: Wichtige Kompetenzen an Board
(Bild: TH Köln)
Hat das Team die ersten Hürden gemeistert respektive die notwendigen Nachschärfungen vorgenommen und ist an Board des Schiffes gelangt, beginnt die eigentliche Reise und das Team befindet sich im Flow. An Board sind im Team dabei verschiedene Kompetenzen essentiell, um das Schiff sicher durch den Fluss und das Team durch den Prozess zu navigieren. So braucht es jemanden, der:die den Prozess und die Zeit im Blick behält, es bedarf an Offenheit, Flexibilität und Kompromissbereitschaft aller, um unterschiedliche Perspektiven wirksam einzubinden sowie stetige Transparenz, um gemeinsam auf Kurs zu bleiben.
Sektion 5: Kippeffekte der Reise
(Bild: TH Köln)
Auf dem Fluss lauert derweil eine Sektion möglicher Kippeffekte, die es gekonnt zu umschiffen gilt. Dabei helfen neben den Kompetenzen an Board verschiedene Anlaufstellen entlang des Weges, wie klare Meilensteine, der Methodenwald oder die Buchten geeigneter Zusammenarbeits-Settings. So können der Strudel des unverstandenen Prozesses oder die Sandbank der Komplexität umschifft und der Prozess in Gang gehalten werden. Hat das Schiff die Hindernisse passiert, erreicht die Gruppe den Hürdenfall und befindet sich damit auf der Zielgeraden. Dabei erhält das sukzessiv reifende Weiterbildungskonzept durch das zusammen geflossene Handlungswissen der Beteiligten seinen Feinschliff.
Sektion 6: Am Ziel
(Bild: TH Köln)
Am Ziel liegt ein Weiterbildungs- oder Studiengangskonzept, in dem wissenschaftliche Erkenntnis und praktische Erfahrung sowie die jeweiligen Erfahrungsschätze der beteiligten Akteur:innen zusammengeflossen sind und etwas Neues entstanden ist. Der größte Schatz dieser co-kreativen Reise sind jedoch nicht allein die Inhalte und das fertige Weiterbildungs- bzw. Studiengangskonzept. Es sind die neuen Erkenntnisse, die nur durch die Verschränkung beider Welten gewonnen werden konnten. Denn komplexe Fragen lassen sich nicht mehr nur aus einer Disziplin heraus beantworten; sie verlangen das Zusammenführen wissenschaftlicher, professioneller, praxis- und erfahrungsbasierter Wissensformen.
