Studieren zwischen Fach- und Persönlichkeitsbildung: Der Tag für die exzellente Lehre 2026
Ortswechsel! Am 2. Oktober 2026 fand der Tag für die exzellente Lehre erstmalig am Campus Leverkusen statt. Mehr als 100 Lehrende und Mitglieder aus allen Bereichen der Hochschule sowie externe Gäste diskutierten, vernetzten sich und tauschten sich zum Motto “Hochschule als Lernfeld − Studieren zwischen Fach- und Persönlichkeitsbildung” aus.
In der Begrüßung stimmten Prof. Dr. Axel Faßbender (Vizepräsident für Lehre und Studium), Prof. Dr. Matthias Hochgürtel (Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer) sowie Prof. Dr. Yvonne-Beatrice Böhler (Studiendekanin der Fakultät für angewandte Naturwissenschaften) die Teilnehmenden mit inspirierenden Worten auf den Tag für exzellente Lehre ein.
Der diesjährige Fokus auf das Zusammenspiel von Fach- und Persönlichkeitsentwicklung spiegele die TH Köln gut wider, so Prof. Dr. Axel Faßbender, denn
„die Präsenzhochschule ist mehr als ein Ort des Informationsaustausches, sondern [auch] ein sozialer Raum, ein Raum der Diskussion, ein Raum der Persönlichkeitsentwicklung und damit auch ein Raum für die demokratische Praxis.“
Anschließend erlebten, reflektierten und arrangierten die Teilnehmenden gemeinsam mit Jule Marie Schacht (Köln International School of Design), Prof. Dr. Stefan Benke und Daniela Weigmann (beide von der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme) ernste und humorvolle Situationen der Persönlichkeitsbildung aus Lehre und Studium. Im Stile eines Improtheaters konnten die Teilnehmenden den Verlauf der Szenen beeinflussen und ihre eigenen Erfahrungen einbringen.
Impressionen vom Tag für die exzellente Lehre
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Eröffnung des Tags für die exzellente Lehre mit begrüßenden Worten von Prof. Dr. Axel Faßbender (Vizepräsident für Lehre und Studium), Prof. Dr. Matthias Hochgürtel (Vizepräsident für Forschung und Wissenstransfer) sowie Prof. Dr. Yvonne-Beatrice Böhler (Studiendekanin der Fakultät für angewandte Naturwissenschaften) (Bild: Mitchi Seidel / TH Köln)
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Prof. Dr. Stefan Benke und Daniela Weigmann (beide von der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme) berichten von ihren Erfahrungen aus dem Studiengang Maschinenbau – Product Engineering and Context (MPEC). (Bild: Mitchi Seidel / TH Köln)
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Jule Marie Schacht (Köln International School of Design) stellt mit Susanne Glaeser (ZLE) eine humorvolle Schaufensterszene aus dem Studium an der KISD dar (Bild: Mitchi Seidel / TH Köln)
Der Balance-Akt zwischen Fach- und Persönlichkeitsbildung
In den Keynotes sprachen Vertr.-Prof. Dr. Mirjam Braßler (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) und Prof. Dr. Niclas Schaper (Universität Paderborn) über den Prozess der Persönlichkeitsentwicklung im Laufe des Studiums und wie Lehrende es schaffen können, diesen Prozess im Rahmen von inter- und transdisziplinärer Lehre sowie mit Hilfe des Akademischen Mentorats zu begleiten.
Vertr.-Prof. Dr. Mirjam Braßler hob den durch inter- und transdisziplinäre Lehre geförderten Perspektivenwechsel als wichtige Anregung und Irritation für Persönlichkeitsentwicklung hervor. Mit Bezug auf Forschungsliteratur folgerte sie, dass Studierende inter- und transdisziplinär lernen wollen, "wenn sie es als nützlich und zugänglich, berufs- und praxisrelevant, perspektivenerweiternd erleben und es auf komplexe Probleme vorbereitet."
Ein Handlungsfeld dafür sei nachhaltige Entwicklung, in dem Studierende erfahren, dass ihr Wissen einen Beitrag leisten kann, die eigene Perspektive relevant ist, aber nicht ausreicht, sie nicht nur Lernende, sondern Mitdenkende und Mitgestaltende sein können.
Mit dem Paradox, dass Fachkompetenz intendiert sei, das Studium aber dennoch wesentlich um Fachkompetenz herum organisiert werde, stieg Prof. Dr. Niclas Schaper in seine Keynote ein. Er definierte Persönlichkeitsbildung als “wissenschaftlich reflektierte Handlungsfähigkeit in Bezug auf sich selbst, andere und Gesellschaft“ und stellte verschiedene Modelle zur Kompetenzentwicklung inklusive Persönlichkeitsbildung vor – u.a. das im Projekt „PLan_CV: Professur-Laufbahn an HAWs neu denken“ entwickelte K3-Kompetenzmodell.
Er sah vor allem vier Hebel für transformative Persönlichkeitsbildung: Challenge-basiertes Lernen und das Blocken von Lerneinheiten, das auch von Frau Braßler betonte inter- und transdisziplinäre Lernen, die Begleitung des Entwicklungsweges von Studierenden durch ein Mentorat sowie Transformations- und persönlichkeitsbezogene Assessmentformate.
Keynote von Prof. Dr. Mirjam Braßler
Keynote von Prof. Dr. Niclas Schaper
Das Spannungsfeld Fach- und Persönlichkeitsbildung erfahrbar machen
Zeit zum Austausch bot der Gallery Walk durch die Einreichungen zum Lehrpreis und Studienpreis. Hier konnten die Teilnehmenden des Tags für die exzellente Lehre mit den zahlreichen Einreichenden ins Gespräch kommen, gezielt Fragen stellen, Feedback auf Post-its hinterlassen oder mögliche Kooperationsideen diskutieren.
Der Nachmittag des Tags für die exzellente Lehre war geprägt von zwei Workshopphasen, in denen sich die Teilnehmenden aktiv mit dem Spannungsfeld Fach- und Persönlichkeitsbildung auseinandersetzen konnten.
Im Workshop „Mit zeitlichen Strukturen für Lehre und Studium experimentieren“ mit Prof. Dr. Christian Kohls und Timo van Treeck nutzten die Teilnehmenden einen Planer aus dem Hochschulvorhaben TraiL in Posterform, auf dem verschiedene Formate und Zeitfenster wie Puzzleteile individuell zusammengeführt werden konnten. Ganz konkret konnten die Teilnehmenden so überlegen, wann und wie Lehr- und Lernaktivitäten entsprechend der vorläufigen TraiL-Empfehlungen untergebracht werden können. Auf mehr als einem halben Dutzend Postern entstanden so Semesterplanungen, die eins deutlich machten: Gute Planung ermöglicht viel Flexibilität, viele Elemente können unterschiedlich kombiniert werden, allerdings muss die Komplexität für erste Entscheidungen reduziert werden. Gerade auch die anwesenden Studierenden brachten weiterführende Ideen ein.
Im Workshop „Rolle, Haltung, Handlungsspielräume: Akademisches Mentorat szenisch erproben“ mit Prof. Dr. Yvonne Böhler, Susanne Horch und Vivian Kowalzik schlüpften die Teilnehmenden des Workshops in szenischen Darstellungen in die Rolle von Mentor*innen und Mentees und erprobten so Elemente des akademischen Mentorats praktisch. In der Rolle der Mentor*innen war es eine Herausforderung, Lösungen nicht selbst vorzugeben, sondern von den Studierenden erarbeiten zu lassen. Klar wurde auch, dass professionelle Gesprächstechniken hilfreich sind, um in solchen Settings handlungsfähig zu bleiben. Der kollegiale Austausch wurde als sehr wertvoll wahrgenommen, um über Rollen, Haltungen und Grenzen zu reflektieren. Wichtige Anschlussfragen u.a. zum Setting des Akademischen Mentorats und Qualifizierungsmaßnahmen für angehende Mentor*innen konnten im Workshop diskutiert werden. Diese Fragen werden in der AG Akademisches Mentorat des EZ TraiL weiterbearbeitet.
Geleitet von Dr. Christiane Metzger (HAW Kiel) und Inga Kros konnten die Teilnehmenden im Workshop „Lehrideen suchen Partner*innen: Eine Matching-Werkstatt für inter- und transdisziplinäre Lehre“ sich auf die Suche nach Kooperationspartner*innen in der Lehre machen. Der Workshop zeigte, wie groß das Bedürfnis nach Austausch und fachübergreifender Vernetzung an der TH Köln ist: Lehrende, die sich bislang kaum oder gar nicht kannten, kamen miteinander ins Gespräch, entdeckten gemeinsame Interessen und legten erste Grundlagen für neue Kooperationen. Aus diesen Begegnungen entstanden bereits konkrete Ideen für inter- und transdisziplinäre Lehrformate, darunter ein gemeinsames Lehrprojekt zur Demokratiebildung an der Hochschule, in dem interdisziplinäre Perspektiven zusammengeführt werden sollen. Sichtbar wurde damit zugleich, welches Potenzial in hochschulweiten Begegnungsräumen liegt, die Kontakte und Vertrauen über Fach- und Fakultätsgrenzen hinweg ermöglichen und daraus neue Formen gemeinsamer Lehre entstehen lassen.
Im Workshop „Zwischen Fach- und Persönlichkeitsbildung: Wie das Erlernen von Sprachen kognitive Flexibilität und kritisches Denken fördert“ mit Dr. Ursula Hehl und Dr. Elizabeth Start tauchten die Teilnehmenden dank eines zweisprachigen Ansatzes direkt in die Welt des Spracherwerbs ein. Mit Blick auf die verschiedenen Dimensionen der Persönlichkeitsentwicklung reflektierten die Teilnehmenden gemeinschaftlich über den Prozess des Sprachenlernens. In zwei fiktiven Fallbeispielen wurden kulturelle und sprachliche Lernsituationen durch die Teilnehmenden diskutiert und anschließend gemeinschaftlich Lösungsansätze erarbeitet. Als Ergebnis wurde deutlich, wie eng das Sprachenlernen und die Persönlichkeitsentwicklung miteinander interagieren.
Preisverleihung: Lehr- und Studienpreis 2026
Höhepunkt zum Abschluss des Tages war die feierliche Verleihung des Lehrpreises und des Studienpreises. Die Jury, besetzt mit Vertreter*innen aller zwölf Fakultäten, zeichnete unter Vorsitz von Vizepräsident Prof. Dr. Axel Faßbender dieses Jahr drei Einreichungen mit dem Lehrpreis sowie eine Einreichung mit dem Studienpreis aus.
Die prämierten Einreichungen:
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„Timber Joinery Database“ von Max Salzberger, Gilbert Koskamp und Tobias Scheeder (Lehrpreis)
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„Verbundene Kontexte“ von Conrad Weise, Kjell Wistoff und Anna Maxwell (Lehrpreis)
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„Doppelt gelernt“ von Prof. Dr. Arjuna Nebel, Prof. Dr. Babette Brinkmann, Prof. Dr. Peter Stenzel, Dr. Vanessa Mai, Robert Steinbüchel, Werner Abromeit, Lukas Hilger und Julian Sylvester (Lehrpreis)
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“Learning to Think in the Age of AI” von Tariq Hussain Magsi (Studienpreis)
Der Studienpreis wurde durch die Studienstiftung gefördert.
Mehr zu den prämierten Einreichungen erfahren Sie in diesem Artikel.
Oktober 2026