„Ich kann mich voll aufs Lernen konzentrieren“

Andrea Hein sind gute Noten wichtig. Um viel Zeit für das Studium zu haben, hat sie sich für ein Stipendium beworben. Für die 26-Jährige ist dabei großes Talent weniger ausschlaggebend als Disziplin.

Stipendiatin Andrea HeinStipendiatin Andrea Hein (Bild: Costa Belibasakis/FH Köln)

Mit Stipendien kennt sich Andrea Hein aus. Bereits für ihre Weiterbildung zur Fachwirtin für Versicherung und Finanzen hatte sie bei der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) ein Stipendium bekommen. Und für den Bachelor Versicherungswesen hat es wieder geklapp: Sie bewarb sich erfolgreich um ein Aufstiegsstipendium für Berufserfahrene, das ebenfalls von der SBB betreut wird. Dabei empfindet sie sich nicht als Überfliegerin. Zwar bringt sie gute Noten mit, gerade liegt ihr Schnitt bei 1,38. Die Statistikklausur wird den aber noch etwas nach unten korrigieren, fürchtet sie – Mathematik ist so gar nicht ihre Sache. „Meine guten Noten schreibe ich nicht, weil ich so intelligent oder übermäßig talentiert bin. Durch das Stipendium kann ich mich voll aufs Lernen konzentrieren, denn ich muss zurzeit nicht jobben gehen.“

Als sie sich zum ersten Mal auf einen Stipendienplatz bewarb, wollte sie einen Kredit unbedingt vermeiden. Und auf die Unterstützung ihrer Eltern konnte sie nicht zurückgreifen: Sie hat beide schon früh verloren. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester wohnt sie im  Elternhaus in Neuss, musste ihr Leben schon früh selbst organisieren. „Und wenn man dabei gute Leistungen zeigt, warum sollte man sich nicht bewerben?“ Neben einem Bewerbungsschreiben und dem abschließenden Gespräch musste Andrea Hein einen Kompetenz-Check bestehen. „Da gibt man ziemlich viel über sich preis“, gesteht sie. Allerdings wird bei dem Test primär der Charakter der Bewerber geprüft, nicht ihre Intelligenz.

Die eigene Klugheit ist ein heißes Eisen. Wer will hier schon bewertet werden? Beim Stiftungstag der Hochschule hat Andrea Hein den Infostand zum Aufstiegsstipendium betreut. Die Intelligenz war immer wieder Gesprächsthema: „Die meisten denken, Stipendien sind nur etwas für Intellektuelle und Hochbegabte.“ Die Anforderungen bei der SBB sind andere: Eine gut abgeschlossene Ausbildung und zwei Jahre Berufserfahrung. „Weil viele aber direkt nach der Ausbildung studieren, scheitert es meist daran.“

Bewerbern Lampenfieber nehmen

Worauf es ihrer Meinung nach eigentlich ankommt, ist die Bereitschaft zur Disziplin. Alle sechs Monate muss Andrea zeigen, dass sie ungefähr auf Kurs liegt. Die Stipendiaten sollen die Regelstudienzeit möglichst einhalten, das sei wichtiger als Einsernoten. „Das sollte man sich vorher überlegen“, meint sie. Tatsächlich finden einige ihrer Kommilitonen diesen Punkt nervig: „Sie möchten für sich studieren, sich nicht für schlechte Noten oder nicht bestandene Klausuren rechtfertigen, was auch okay ist.“

Die Seminare, die ihre Stiftung anbietet, hat Andrea Hein bisher kaum wahrgenommen. Eigentlich möchte sie gerne den Ausflug nach Brüssel mitmachen, zum EU-Parlament. Bisher fehlte ihr dafür die Zeit. Statt dessen wird sie demnächst versuchen, anderen Studierenden das Lampenfieber zu nehmen – bei der nächsten Bewerbungsrunde der SBB wird sie die Kandidaten begleiten.

Text: Monika Probst

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