Konferenz der Tropenökologie in Passau: Forschende stellen Wiederbewaldungsprojekt REPLÂNTICA vor
Wie kann die Wiederherstellung tropischer Wälder langfristig erfolgreich gelingen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Projekt REPLÂNTICA des Institute for Natural Resources Technology and Management (ITT). Auf der European Conference of Tropical Ecology 2026 in Passau haben Projektbeteiligte ihre Ansätze und erste Ergebnisse nun in einer eigenen Session vorgestellt.
„Vor dem Hintergrund des globalen Klimawandels und Biodiversitätsverlustes birgt die Wiederherstellung tropischer Wälder ein großes Potenzial: sie fördert den Erhalt der biologischen Vielfalt, begrenzt die Auswirkungen des Klimawandels, reduziert Katastrophenrisiken und gewährleistet die Bereitstellung wichtiger Ökosystemleistungen“, sagt Prof. Dr. Udo Nehren, Direktor des ITT. Allerdings würden viele Wiederherstellungsprojekte scheitern – etwa, weil lokale Akteur*innen zu wenig eingebunden seien oder Erfahrungen aus erfolgreichen Projekten nicht ausreichend weitergegeben würden.
Um bewährte Ansätze sichtbarer zu machen, präsentierten Nehren und weitere Projektbeteiligte ihre Arbeit im Projekt REPLÂNTICA auf der diesjährigen Europäischen Konferenz der Tropenökologie, bei der 233 Teilnehmer*innen in 19 Sessions verschiedene Themen aus dem Bereich „Species-Ecosystems-People“ beleuchteten.
In der Session mit dem Titel „How to make forest restoration work: exploring innovative approaches and success factors”, geleitet von Dr. Claudia Raedig und Prof. Dr. Udo Nehren (beide ITT), berichteten die ersten sechs Vortragenden von Erfahrungen der Partner des Projekts REPLÂNTICA. In diesem entwickelt und implementiert das ITT gemeinsam mit der brasilianischen Umweltorganisation Reserva Ecológica de Guapiaçu (REGUA) und dem assoziierten Partner Universidade Federal Rural do Rio de Janeiro praxisnahe Schulungskurse für unterschiedliche Zielgruppen im Einzugsgebiet des Flusses Guapiaçu im Bundesstaat Rio de Janeiro. Ziel des Projekts ist es, lokale Akteur*innen – etwa Landbesitzer*innen oder die lokale Bevölkerung – dabei zu unterstützen, Wiederbewaldungsmaßnahmen selbst umzusetzen.
Bildergalerie
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Die Konferenz startete für alle Teilnehmenden mit der Keynote von Alexandre Antonelli, Professor für Biodiversität und Systematik an der Universität Göteborg in Schweden und Wissenschaftlicher Direktor der Royal Botanical Gardens, Kew. Sein Vortrag thematisierte den Atlantischen Küstenregenwald in Ostbrasilien. (Bild: Ina Voshage)
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Auch nach der Keynote stand der Atlantische Küstenregenwald (Mata Atlântica) im Mittelpunkt – im Speziellen die Frage, wie Wiederbewaldung degradierter Flächen erfolgreich funktionieren kann. Claudia Raedig, forschend und lehrend im Fachbereich „Schutz von Biodiversität und Konnektivität“ tätig, und Udo Nehren, Professor für Ökosystemmanagement haben die Session, in der insgesamt elf Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis innovative Ansätze zur Wiederbewaldung vorstellten, geleitet. (Bild: Luíza Zanonato)
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Micaela Locke, Umweltwissenschaftlerin und Forschungsleiterin des Ökologischen Reservats Guapiaçu (REGUA), stellte den aus fünf Schritten bestehenden Ansatz vor, der zur erfolgreichen Wiederbewaldung im Flusseinzugsgebiet Guapi-Macacu geführt hat. (Bild: Luíza Zanonato)
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REGUA und die TH Köln arbeiten im REPLÂNTICA-Projekt zusammen, um das Know-how der Wiederbewaldung an sechs Zielgruppen wissenschaftlich fundiert und praxisnah weiterzugeben. Dietmar Sattler, Doktor der Botanik und Ökologie sowie wissenschaftlicher Berater des Vorhabens, stellte das Erfolgsrezept des Trainingsprogramms vor. (Bild: Luíza Zanonato)
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v.l.: Emma Tamez Montero, Masterstudentin an der Autonomen Universität von San Luis Potosí (Mexiko) und der TH Köln, Micaela Locke (REGUA, Brasilien, Projektkoordinatorin REPLÂNTICA-Projekt), Fatima Pina-Rodrigues (Universität São Carlos, Brasilien), Luíza Zanonato, Masterstudentin an der TH Köln und Nachhaltigkeitsexpertin bei Miltenyi, Bergisch Gladbach, Dietmar Sattler (wissenschaftlicher Berater des REPLÂNTICA-Projekts), Udo Nehren (Projektleiter REPLÂNTICA-Projekt) und Claudia Raedig (Projektkoordinatorin REPLÂNTICA-Projekt). (Bild: Augusto Piratelli)
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Der zweite Teil der Session startete mit einem Vortrag, der sich mit der Stärkung der Rolle der Frau in Amazonien und der Mata Atlântica befasste. Fatima Pina-Rodrigues, Professorin für Waldbau an der Universität São Carlos, Brasilien und Gründerin des Netzwerks für den Anbau von tropischen Samen und Setzlingen (REMAS), zeigte in eindrucksvollen Bildern, wie sie und Kolleg*innen durch die Gründung von Samen-Netzwerken die Stärkung von indigenen Frauen und Frauen in ländlichen Gebieten Brasiliens fördern. (Bild: Luíza Zanonato)
Ansätze für erfolgreiche Wiederbewaldung
Im ersten Teil der Session stellten Forschende und Praxispartner verschiedene Aspekte aus dem Projekt vor. Projektleiter Nehren eröffnete mit einem Überblick über die ökologischen Herausforderungen des artenreichen und bedrohten brasilianischen Atlantischen Regenwalds. Anschließend präsentierte MSc. Micaela Locke, Forschungsleiterin bei REGUA und Projektleiterin auf brasilianischer Seite, den Wiederbewaldungsansatz der Organisation. Bereits seit mehr als 20 Jahren arbeitet REGUA daran, degradierte Flächen wiederherzustellen – bislang wurden rund 700 Hektar Wald renaturiert.
Wie dieses Wissen weitergegeben werden kann, zeigte Dr. Dietmar Sattler, wissenschaftlicher Berater im Projekt. Er erläuterte das Konzept des Vorhabens REPLÂNTICA und wie die unterschiedlichen Zielgruppen maßgeschneidert geschult werden. Emma Tamez Montero, Masterstudentin im Doppelabschluss-Masterstudiengang „Environment and Resources Managament“ der Universidad Autónoma de San Luis Potosí und der TH Köln, präsentierte eine Untersuchung zur Priorisierung von Flächen für Wiederbewaldung im Guapi-Macacu-Einzugsgebiet.
Luíza Zanonato, Masterstudentin im „Natural Resources Management and Development“-Programm, untersuchte in ihrer Arbeit, wie Unternehmen im Einzugsgebiet des Flusses durch Engagement für Biodiversität und Ökosystemleistungen zur Wiederbewaldung beitragen können. Den Abschluss der Session am Vormittag bildete Claudia Raedig, Projektkoordinatorin auf deutscher Seite, die einen partizipativen Ansatz zur Entwicklung eines Artenkatalogs für die lokale Wiederbewaldung vorstellte, an dem Landbesitzer*innen aktiv beteiligt sind. Am Nachmittag folgten weitere Vorträge, die innovative Ansätze der Wiederbewaldung aus Brasilien, Hawaii, Mauritius und aus dem äthiopischen Regenwald vorstellten.
Darüber hinaus war das REPLÂNTICA-Team auch mit einem Poster auf der Konferenz vertreten: MSc. Rodrigo Vieira Bogéa Soares, Absolvent des ITT, präsentierte seinen Entwicklungsansatz für die Berücksichtigung von Lernbedarf seitens der Stakeholder als Basis für maßgeschneiderte Trainingskurse.
Über das REPLÂNTICA-Projekt
Das Transferprojekt „Aufbau von Kapazitäten für die Wiederherstellung von Wäldern: Schutz von Biodiversität und Klima in der Mata Atlântica“ („REPLÂNTICA“) wird von Prof. Dr. Udo Nehren vom Institut für Technologie- und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen geleitet und von Dr. Claudia Raedig auf deutscher Seite koordiniert (beide ITT). Projektpartner ist die lokale Umweltorganisation Reserva Ecológica de Guapiaçu (REGUA). Auf brasilianischer Seite wird das Projekt von Nicholas Locke geleitet und von Micaela Locke koordiniert (beide REGUA).
Das vom Programm IKI Medium Grants der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) mit 800.000 Euro geförderte Vorhaben läuft noch bis Dezember 2026. Die IKI fördert seit 2020 Nord-Süd-Kooperationen, die zusammen mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen vor Ort innovative Beiträge zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens und des Übereinkommens über die biologische Vielfalt leisten. Verantwortet wird die IKI vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
März 2026