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Prof. Dr. Michaele Völler

Wirtschafts- und Rechtswissenschaften
Institut für Versicherungswesen (ivwKoeln)

Interview: Ein Jahr InsurLab Germany

Köln ist seit gut einem Jahr der Standort des InsurLab Germany – des „Digital Hub“ für die Versicherungsbranche. Mit der Hub-Initiative fördert das Bundeswirtschaftsministerium die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Unternehmen und Start-ups an einem Knotenpunkt und damit die Innovationsentwicklung in der Branche.

Die Initiatoren der erfolgreichen Kölner Bewerbung waren die TH Köln, die Universität zu Köln, die Industrie- und Handelskammer zu Köln und die Stadt Köln. Prof. Dr. Michaele Völler vom Institut für Versicherungswesen war Mitautorin des Antrags und ist Mitglied des Advisory Boards des InsurLab Germany.

Prof. Dr. Michaele Völler Prof. Dr. Michaele Völler (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Frau Prof. Völler, wie hat sich das InsurLab Germany im vergangenen Jahr entwickelt?

Nachdem wir uns mit unserem Antrag gegen die Wettbewerber durchgesetzt und als erster Standort den Zuschlag für einen Insurtech-Hub erhalten hatten, haben wir das Konzept unseres Hubs detailliert ausgearbeitet. Im Mai 2017 haben wir einen Trägerverein mit zahlreichen Versicherungen als Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen und anschließend in der Branche um weitere Mitglieder geworben. Unser Modell wurde dabei so gut angenommen, dass wir innerhalb kürzester Zeit über 50 Unternehmen gewinnen konnten und sich das InsurLab Germany damit finanziell trägt. Die meisten Mitglieder sind Versicherungsunternehmen. Hinzu kommen die vier Initiatoren, weitere Wissenschaftspartner und ausgewählte Unternehmen aus den Bereichen IT-Technologie, Recht und Beratung. Aus den letzten drei Kategorien dürfen jeweils maximal fünf Unternehmen teilnehmen, die einen deutlichen Mehrwert für die Plattform liefern. Wir wollen Gründer, Unternehmen und die Wissenschaft zusammenbringen und ihnen Zugang zu neuen Technologien bieten und sie mit jungen Talenten vernetzen.

Welche inhaltliche Entwicklung gab es im vergangenen Jahr?

Wir haben Angebote gestaltet und Veranstaltungsformate ins Leben gerufen, die auf die Bedürfnisse unserer Mitglieder zugeschnitten sind. So richten wir alle zwei Monate den InsurLab Germany Club aus. Zu einem definierten Thema gibt es drei knappe Impulsvorträge und anschließend Zeit zum Diskutieren und Netzwerken. Themen waren bisher zum Beispiel künstliche Intelligenz oder Chat-Bots. Jeweils im Monat darauf findet eine Innovationswerkstatt statt, in der das Thema aus dem vorhergehenden Club intensiver bearbeitet wird. Die Ergebnisse sind für die Unternehmen meist sofort nutzbar. Zudem haben wir im letzten Jahr als Mitveranstalter beispielsweise die EXECinsurtech ausgerichtet – eine der europaweit größten Veranstaltungen für Gründer, die an der Verknüpfung von Versicherungsdiensten mit digitalen Technologien arbeiten. Wir haben ein Accelerator-Programm ins Leben gerufen, die ersten fünf Teilnehmer ausgewählt und Mentoren für diese Start-ups bestimmt.

Wie profitieren Ihre Studierende vom InsurLab Germany?

Auch für unsere Studierenden entwickeln wir Formate, aus denen sie einen direkten Nutzen ziehen. So gab es im April eine Themenbörse für Studierende der Bachelor- und Masterstudiengänge. Zwölf Mitgliedsunternehmen stellten Themen vor, die sie aktuell in der Praxis beschäftigen und die sie gerne als Abschlussarbeiten vergeben möchten. Zudem erläuterten sie, wie sie die Studierenden bei der Ausarbeitung unterstützen können, etwa durch Zugang zu Experten und Studien. Die Themenvorschläge waren so konkret, dass man sie versteht, aber so offen, dass die Studierenden sie nach eigenen Vorstellungen und Interessen bearbeiten können. Knapp 100 Studierende haben daran teilgenommen und es sind viele Themen vermittelt worden.

Im Rahmen der Kölner InsurTech-Week im Juni haben wir einen Design Sprint angeboten – eine Innovationsmethode, mit der innerhalb von kurzer Zeit eine Produktidee auf den Weg gebracht wird. Knapp 90 Studierende nahmen in 14 Teams teil. Die Mitgliedsunternehmen stellten innovationserfahrene Moderatoren, die jeweils eine Gruppe betreuten und ihnen Fragestellungen, die sogenannten „Design Challenges“, vorgaben. Unsere Studierenden hatten die Chance Innovationsmethoden und -entwicklung anhand von echten Themen live zu erleben. Jedes Unternehmen hat uns zurückgemeldet, dass es mindestens eine verwertbare Idee mitgenommen hat.

Wie geht es im kommenden Jahr weiter?

Die im letzten Jahr erfolgreichen Formate werden wir fortführen und ausbauen. Allerdings etwas ressourcensparender – der Antrag zum InsurLab Germany und die Aufbauarbeit in den ersten Monaten nach der Gründung waren sehr kraftraubend. Ein konkretes Konzept für ein neues Format gibt es bereits: Mit Unterstützung des InsurLab Germany werden wir für unsere Studierenden ein Managementlehre-Seminar zum Thema Gründungen anbieten.

10. Juli 2018

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