International Talk mit S.E. Michael Collins, Botschafter der Republik Irland

“Ireland and Europe: What next?” – Irland und Europa: Wie geht es weiter?

Fast genau drei Jahre nach dem Referendum, in dem die Briten sich für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden haben, besuchte der Botschafter der Republik Irland, S.E. Michael Collins, zum zweiten Mal die TH Köln.  Im Rahmen der vom Sprachlernzentrum organisierten Veranstaltungsreihe ‚International Talks‘ hielt er am 11. Juni 2019 einen Vortrag über Irlands Position in Europa und die Rolle, die es für die Zukunft der Europäischen Union spielen wird.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Präsidenten der TH Köln, Prof. Dr. Stefan Herzig, der in seinen Begrüßungsworten insbesondere auf die Verantwortung europäischer Hochschulen verwies, den Weg für soziale, kulturelle und technologische Innovationen zu ebnen und so einen Beitrag zur Entwicklung eines vereinten Europa zu leisten.

Botschafter Collins umriss die aktuelle Situation der Republik Irland, die seit mehr als 45 Jahren Mitglied der EU ist und damit einen bedeutenden Anteil an der Geschichte des modernen Europa hat. Im Hinblick auf die Herausforderungen, der die Europäische Union sich in der Folge des Brexit wird stellen müssen und der geographischen und kulturellen Nähe Irlands zum Vereinigten Königreich ist es für die übrigen europäischen Länder wichtig, zu wissen, wo Irland im Prozess der politischen und wirtschaftlichen Neufindung steht.

Die neue ‚Strategische Agenda‘ der EU

Angesichts der intensiven Debatten über den Brexit betonte Botschafter Collins, dass es für die EU auch noch andere drängende Themen gebe , vor allem den Anstieg nationalistischer Tendenzen, den Bedeutungsverlust gemeinsamer Werte und die Umweltproblematik. Irland unterstütze die Bemühungen um ein blühendes, wettbewerbsfähiges Europa voll und ganz. Dies jedoch könne  nur durch politische und wirtschaftliche Stabilität, die Bewahrung des Friedens und das Vermeiden von Konflikten erreicht werden – Ziele, die in der neuen ‚Strategischen Agenda‘, die der Europarat Ende Juni in Brüssel vorgestellt hat, ausformuliert werden.

Brexit

Für die Republik Irland habe sich die Frage eines Austritts aus der EU niemals gestellt, und die Iren seien  erschüttert über die Entscheidung des Vereinigten Königreichs. Es ergebe  sich nun als zentrale Frage, wie sich die Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union in der Folge des Brexit entwickeln werden. Kein anderer Mitgliedsstaat der EU wird von der Antwort auf diese Frage direkter betroffen sein als Irland, das die einzige Landgrenze zum Vereinigten Königreich haben wird. Botschafter Collins wies darauf hin, dass ein harter Brexit nach wie vor nicht unwahrscheinlich sei und dass sich die Mitglieder der EU, mit Irland in vorderster Front, auf diese Möglichkeit einstellen müssten.

Keine harte Grenze!

Aufgrund der speziellen Geschichte der irischen Insel sei  es Irlands besonderes Bestreben, eine ‚Harte Grenze‘ zu vermeiden und nicht zum Status vor dem Good Friday Agreement von 1998 zurückzukehren. Daher sei  der sogenannte Backstop von essentieller Bedeutung für die Austrittsvereinbarungen. Er soll für Frieden und Stabilität sorgen, indem durch eine Reihe von Sonderregelungen die Sicherheit der Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland gewahrt wird, sie andererseits aber auch für den Handel offen bleibt.

Nach diesem ebenso aktuellen wie interessanten Vortrag, durch den das Publikum aus erster Hand Erkenntnisse über mögliche Folgen des Brexit erhielt, beantwortete der Botschafter Fragen und diskutierte lebhaft mit den Zuhörenden. Dabei kamen auch weitere Aspekte der Zukunft der Republik Irland und der Europäischen Union zur Sprache, wobei Botschafter Collins besonders die Rolle und die spezielle Verantwortung junger Menschen für die Politik ihrer Länder und eine starke Gesellschaft herausstellte.

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