Guido Till – Stadtoberhaupt aus Begeisterung

Porträtfoto von Guido Till (Bild: Michael Steinert)

Vorsitzender des Gemeinderats, Chef der Stadtverwaltung mit rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und zudem erster Repräsentant des schwäbischen Göppingen – mit dem Amt als Oberbürgermeister hat Guido Till, Absolvent des Studiengangs Soziale Arbeit der TH Köln, „den schönsten Beruf der Welt“ gefunden.

Sein Studium (1978 bis 1982) mit Abschluss als Diplom-Sozialarbeiter – damals noch in Köln-Zollstock – bezeichnet Till rückblickend als gute Wahl. Es habe ihm wichtige Grundlagen für das Leben wie auch für seinen Beruf vermittelt. „Meine Studienwahl war mit Sicherheit auch von der damaligen gesellschaftlichen Strömung beeinflusst, unsere Gesellschaft sozial gerechter zu gestalten“, erinnert sich Guido Till, der 1955 in Haan bei Düsseldorf geboren wurde. Mit dem Schwerpunkt Psychiatrie hatte er sich ein Arbeitsgebiet ausgesucht, das damals einen enormen Reformbedarf aufwies. Nach dem Anerkennungspraktikum und ersten Berufserfahrungen in einer Tagesklinik wechselte Till zur Landesklinik Köln, an der er zuständig für die Sozialen Dienste in einer Akut-Station für Männer war. Später war er als Abteilungsleiter bei der Diakonie Neuss für die Reha-Einrichtung und die ambulante Wohnbetreuung verantwortlich.

Guido Till steht in einem Raum vor einem Besprechungstisch, durch die göffneten Fenster sieht man die Flagge der EU Guido Till, Oberbürgermeister der Stadt Göppingen (Bild: Michael Steinert)

1990 stellte sich Guido Till einer ganz neuen Herausforderung: Er nahm das Amt des Sozialbürgermeisters in Halle/Saale an, um beim Neuaufbau der Verwaltung in Ostdeutschland mitzuhelfen und seinen Teil zur Wiedervereinigung beizutragen. Zudem amtierte er als Aufsichtsrat und Vorsitzender in verschiedenen Stiftungen und Verbänden. 1995 folgte der nächste Umzug: Der Kreistag des Landkreises Wittenberg wählte ihn für die Amtszeit bis 2001 zum Beigeordneten für den Bereich Jugend, Soziales, Gesundheit und Sport. Privat engagierte sich Guido Till in dieser Zeit als ehrenamtlicher Geschäftsführer der Ferropolis GmbH, einer heute bundesweit bekannten Veranstaltungsstätte für Großveranstaltungen in Sachsen-Anhalt. Drei Jahre arbeitete er selbständig im Bereich der Mittelstands- und Managementberatung, ehe er im Jahr 2004 als Herausforderer bei der Direktwahl zum Oberbürgermeister Göppingens antrat – und gewann. Sein Einsatz als OB wird honoriert: Bei der Wiederwahl 2012 setzte Till sich mit 61,9 Prozent der Wählerstimmen gegen sechs Mitbewerber souverän durch.

Hautnah bei den Menschen vor Ort

Guido Till ist in Göppingen längst heimisch geworden. An seinem Beruf schätzt der Oberbürgermeister die Themenvielfalt – er hat praktisch mit allen Lebensbereichen der Menschen vor Ort hautnah zu tun. Ob Kinderbetreuung oder Schulen, der Erhalt und Ausbau der Wirtschaftskraft oder Sport, Kultur und Soziales, Straßenbau, Klärwerk, Stromnetz, Grünanlagen und Friedhöfe – die Kommune ist für (fast) alles zuständig. Vor allem bereichern die ständigen Begegnungen mit den Bürgerinnen und Bürgern bereichern seinen Arbeitsalltag. „Was wir entscheiden, spüren die Menschen unmittelbar – und sie reagieren direkt darauf“, sagt Guido Till. Er möchte mit keiner anderen politischen Ebene tauschen.

„Ich war mir manchmal nicht ganz sicher, ob BWL und Psychologie nicht doch die bessere Studienwahl gewesen wäre. Doch je älter ich wurde, desto klarer wurde mir, dass mein Studium doch ein sehr gutes und breites Grundlagenstudium war“, blickt Till auf seine Kölner Jahre zurück. „Die erlernten Grundlagen der Psychologie, Soziologie, Verwaltungsrecht und Gemeinwesenarbeit verdeutlichten wichtige gesellschaftliche Zusammenhänge. Und meine psychiatrischen Kenntnisse aus Studium und Praxis sind mir in vielen Gruppenprozessen bis heute sehr dienlich.“ Dem Hochschulwesen ist Guido Till übrigens heute noch verbunden, nicht zuletzt als Mitglied im Vorstand der Bildungsstiftung der Hochschule Esslingen, die mehrere Fakultäten in Göppingen unterhält.

3 Fragen an… Guido Till, Absolvent des Studiengangs Soziale Arbeit und Oberbürgermeister von Göppingen

Was geben Sie den heutigen Studierenden mit auf den Weg?
Als Student steht der Wissenserwerb im Vordergrund. Im späteren beruflichen Leben wird Einfühlungsvermögen in die gestellten Aufgaben verlangt; dazu kommen soziale Kompetenz mit Teamfähigkeit und die Bereitschaft jeden Tag zu lernen, Kreativität zu zeigen und Strategien zu entwickeln.

Also: Ein gutes Examen ist erfreulich, aber es kommt darauf an, was man auf der Grundlage eines fundierten Studiums daraus macht.

Wären Sie gern noch einmal Student?
Auf der einen Seite ja, um nochmal den Raum haben, unabhängig von jedem Handlungsdruck Neues kennenzulernen. Andererseits hat mir die praktische Arbeit nach dem Studium mit Problemanalysen und Erarbeitung einer Lösungsstrategie mein ganzes Berufsleben hindurch immens viel Spaß gemacht.

Wie hat Sie Ihre Studienzeit geprägt?
Ohne mein sehr breit aufgestelltes Studium mit Psychologie, psychiatrischen Kenntnissen, Verwaltungsrecht, Sozialwissenschaften etc. würde ich vielleicht nicht da stehen, wo ich heute arbeiten darf. Mein Studium hat mir in meinem ganzen Berufsleben sehr geholfen.

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