"Gegen das Vergessen": Gedenken an die Bücherverbrennung 1933
Als 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, begannen antisemitische und nationalistische Aktionen, darunter landesweite Bücherverbrennungen in Universitätsstädten. Am 17. Mai 1933 geschah das auch in Köln vor der damaligen „Alten Universität“ in der Claudiusstraße 1 – dem heutigen Campus Südstadt der TH Köln.
Dabei wurden Werke von 95 Autor*innen verbrannt, deren Namen heute auf dem Bodendenkmal am Campus verewigt sind.
Seit 2010 ist das Denkmal für die TH Köln ein zentraler Ort des Gedenkens und der Mahnung. Am 12. und 13. Mai 2026 haben Angehörige der Hochschule zu drei Terminen mit Vorträgen, Lesungen, einer Reinigung des Bodendenkmals sowie einem Podiumsgespräch mit Expert*innen eingeladen. Ziel der Aktionen „Gegen das Vergessen“ war es, gemeinsam kritisch und kreativ an die Vergangenheit zu erinnern und neue Perspektiven zu schaffen.
Transparente an der Claudiusstraße
Studierende der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften erstellten Transparente und hängten diese am Gebäude der Claudiusstraße auf. Außerdem wurden Lesungen und Audiobeiträge vorgetragen, die den inhaltlichen Hintergrund der Bücherverbrennungen von 1933 beleuchteten.
Auf den Transparenten sind Zitate von Autor*innen und mahnende Worte zum Thema Umgang mit Faschismus abgebildet.
Geleitet wurde die Aktion von Prof. Dr. Birgit Jagusch in Kooperation mit „Der andere Buchladen“.
Symbolische Putzaktion und Filmvorführung
Am 13. Mai fand unter dem Motto „Asche und Stein – Ein Zeichen gegen das Vergessen“ eine symbolische Putzaktion des Bodendenkmals statt von Mitarbeitenden der TH Köln, Ehrenamtlichen der Stadt Köln und Schüler*innen des Apostelgymnasium Köln. Die Teilnehmenden konnten Zitate von Autor*innen, deren Werke Opfer des Bücherverbrennungen wurden, entdecken und Bücher kostenfrei mitnehmen. Die Buchspenden wurden von den Verlagen Anaconda, Aufbau, Diogenes, DTV, Kiepenhauer & Witsch Suhrkamp sowie Ullstein bereitgestellt.
Schüler*innen eines Geschichtsleistungskurses unter der Leitung von Dr. Schweppenstette trugen Zitate vor der Autor*innen vor. Anschließend wurde der Dokumentarfilm "Einmal und nie wieder" über das antifaschistische Engagement der Zeitzeugin Marianne Wilke gezeigt. Die Filmvorführung wurde präsentiert von Mitarbeitenden des VVN-BDA (Verein der Verfolgten des Nationalsozialismus und Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten).
Fr. Sander vom ZIBW, die federführend für die Veranstaltung "Asche und Stein" verantwortlich war, richtete sich mit folgendem Aufruf an die Schüler*innen:
„Meine Generation ist die Generation, die erinnert. Eure Generation ist die, die lernt und ihre eigenen Fehler machen kann.“
Die verschiedenen Aktionen wurden unter anderem von Studierenden der TH Köln, dem Zentrum für Bibliotheks- und Informationswissenschaftliche Weiterbildung (ZBIW), dem Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) und der Stadt Köln durchgeführt.
Bildergalerie
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Der Andere Buchladen am Ubierring war Teil der Studierendenaktionen am 12. Mai 2026. (Bild: Philipp Hambach / TH Köln)
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Die Studierenden auf dem Weg zum Gebäude der Claudiusstraße. (Bild: Philipp Hambach / TH Köln)
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Prof. Dr. Birgit Jagusch spricht über die Bedeutung der Aktion. (Bild: Philipp Hambach / TH Köln)
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Ute Sander eröffnet die Veranstaltung "Asche und Stein" am 13. Mai 2026. (Bild: Philipp Hambach / TH Köln)
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Das Bodendenkmal "Namen der Autoren" wurde im Zuge der Veranstaltung symbolisch geputzt. (Bild: Philipp Hambach / TH Köln)
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Teil der Veranstaltung "Asche und Stein" war das Entdecken von Zitaten der Autor*innen. (Bild: Philipp Hambach / TH Köln)
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Schüler*innen des Apostelgymnasiums waren bei der Veranstaltung zu Gast an unserer Hochschule. (Bild: Philipp Hambach / TH Köln)
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Dr. Schweppenstette, Lehrer am Apostelgymnasium, hat den Besuch der Schüler*innen des Geschichtsleistungskurses organisiert. (Bild: Philipp Hambach / TH Köln)
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Anschließend wurde der Dokumentarfilm "Einmal und nie wieder" über das antifaschistische Engagement der Zeitzeugin Marianne Wilke gezeigt. Die Filmvorführung wurde präsentiert von Mitarbeitenden des VVN-BDA (Verein der Verfolgten des Nationalsozialismus und Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten). (Bild: Philipp Hambach / TH Köln)
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Präsidentin Prof. Dr. Sylvia Heuchemer eröffnet die Veranstaltung "Vom Sinn und Wert des Erinnerns". (Bild: Costa Belibasakis / TH Köln)
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Prof. Dr. Joachim Metzner hielt einen Impulsvortrag mit dem Titel „Erinnerungsarbeit auf Pflastersteinen". (Bild: Costa Belibasakis / TH Köln)
Podiumsgespräch zur Erinnerungskultur
Am Abend des 13. Mai fand auf Einladung des Präsidiums der TH Köln die Veranstaltung „Vom Sinn und Wert des Erinnerns“ statt. Gäste des Podiumstalks waren Prof. Dr. Tilly Laaser vom Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft, Dr. Nina Verheyen vom Historischen Institut der Universität zu Köln und Alt-Präsident der TH Köln Prof. Dr. Joachim Metzner.
Zudem hielt Prof. Dr. Dr. h. c. Joachim Metzner einen Impulsvortrag mit dem Titel „Erinnerungsarbeit auf Pflastersteinen". Dabei betonte Metzner die besondere Wirkung dieses Denkmals als Prozess des Erinnerns durch schöpferisches Handeln. Er hofft, dass vor allem Studierende durch die sichtbaren Namen angeregt werden, sich mit der Geschichte und deren Bedeutung auseinanderzusetzen.
Prof. Dr. Hans- Peter Ullmann von der Universität zu Köln würdigte an diesem Abend in einer Rede den kürzlich verstorbenen Prof. Dr. Habbo Knoch. Knoch hat einen großen Beitrag zur Gestaltung des Bodendenkmals "Namen der Autoren" geliefert und als Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität zu Köln zur Erinnerungskultur gelehrt und geforscht.
Im Namen der Hochschule bedanken wir uns für die Organisation der verschiedenen Aktionen bei Prof. Dr. Birgit Jagusch, Ute Sander vom ZBIW und Sybille Fuhrmann vom Hochschulreferat für Marketing und Kommunikation sowie den zahlreichen Unterstützer*innen der Gedenkveranstaltung.
Mai 2026