Gedenkveranstaltung „Wider den (un)deutschen Geist“

Am 17. Mai 1933 fand vor dem heutigen Hauptgebäude der TH Köln – der ehemaligen „alten Universität“ – die Kölner Bücherverbrennung statt. Zum 85. Jahrestag der Kölner Bücherverbrennung fand eine Gedenkveranstaltung statt – u.a. mit dem Kölner Kunstkritiker Walter Vitt, Initiator des Bodendenkmals „Namen der Autoren“.

„Wenn man heutzutage wahrnimmt, wie viel rechtspolitisches Gedankengut schon wieder hoffähig zu sein scheint, dann hat die praktizierte Erinnerungskultur in unserem Land viele Zeitgenossen nicht oder nur unzulänglich erreicht. Wenn in Deutschland aus einer Geschichte zu lernen war, dann war es vor allem die Geschichte des Nationalsozialismus und dessen Missachtung rechtsstaatlichen Denkens. Es gilt, einen neuen Anlauf mit unserer Erinnerungskultur zu nehmen. Wir sind alle dazu aufgerufen!“ Der Initiator des Bodendenkmals „Namen der Autoren“ Walter Vitt sprach auf der Gedenkveranstaltung zum 85. Jahrestag der Bücherverbrennung in Köln aber auch seine Hoffnung aus, dass zukünftig alle Kölner Hochschulen zusammenwirken in der Erinnerungskultur der Bücherverbrennung 1933 und das Denkmal auch für zukünftige Veranstaltungen genutzt wird.

Auf der Gedenkveranstaltung „Wider den (un)deutschen Geist“ würdigte der Kölner Kunstkritiker Walter Vitt außerdem die Autorinnen und Autoren, deren Namen vor wenigen Wochen durch Steinmetzlehrlinge des Berufskollegs Ulrepforte in die Bodenplatten vor dem Hochschulgebäude in der Claudiusstraße eingeschlagen wurde. Neben ihren Kurzviten las er auch einige Passagen aus ihren Werken vor. Die zehn Autoren sind Hannah Arendt, Franz Blei, Egon Friedell, Ödön von Horváth, Richard Huelsenbeck, Alma Johanna Koenig, Peter de Mendelssohn, Hilde Spiel, Berthold Viertel und Paul Zech. Mit nun insgesamt 95 Namen ist das Bodendenkmal abgeschlossen. 2001 wurden die ersten zehn Namen eingemeißelt.

Prof. Dr. Stefan Herzig, Präsident der TH Köln, hob in seiner Begrüßung noch einmal die Bedeutung der Wissenschaft für die Gesellschaft hervor. „Wie sehr sich Forscherinnen und Forscher unter dem NS-Regime daran gemacht haben, wissenschaftliche Erkenntnisprozesse vom Fundament eines aufgeklärten kritischen Geistes zu lösen und sich einer Ideologie anheischig zu machen, die diese grundlegenden Werte geradezu ins Gegenteil verkehrte, das macht mich als Wissenschaftler betroffen – und nahezu sprachlos. Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, immer wieder den Dialog mit der Gesellschaft zu suchen. Hochschulen sind Orte, in denen Meinungsvielfalt, Weltoffenheit und Austausch täglich gelebt wird. In dieser Rolle können sie somit Vorbilder sein für eine Gesellschaft im Wandel.“

Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung durch Mitglieder des Sinfonieorchesters des TH Köln. Sie spielten Stücke der während des NS-Regimes verfemten Komponisten Erwin Schulhoff und Paul Hindemith.

Am 17. Mai 1933 fand vor dem heutigen Hauptgebäude der TH Köln – der ehemaligen „alten Universität“ – die Kölner Bücherverbrennung statt. Parallel zu den von den Nationalsozialisten initiierten und maßgeblich von und vor den deutschen Universitäten durchgeführten Bücherverbrennungen folgte ab 1933 die massive Unterdrückung von Kunst und Publizistik und die systematische Verfolgung und Vertreibung der Autorinnen und Autoren sowie anderer Kulturschaffender. Die Bücherverbrennungen waren im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein Höhepunkt der Nazi-Kampagne gegen sogenanntes »undeutsches Schrifttum«.

18.5.18

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