Erfolgsmodell weiterführen – mit neuen Akzenten

Der ehemalige und der amtierende Dekan des Campus Gummersbach der TH Köln im Gespräch: Rückschau und Ausblick

Amtsübergabe und Generationswechsel an der Spitze des Campus Gummersbach: nach 14 Jahren als Dekan übergab Prof. Dr. Christian Averkamp die Campusleitung an Prof. Dr. Christian Kohls, der 23 Jahre jünger ist als er. Symbolisch überreichte er ihm den Dekans-Staffelstab, er ist in Corona-Zeiten 1,50 Meter lang und ermöglicht so ausreichend Abstand für das Pressefoto.

Im Rückblick zog Prof. Averkamp eine ausgesprochen positive Bilanz seiner langen Amtszeit: die größte Fakultät der TH Köln wuchs seit 2006 von 2400 auf 5000 Studierende an und die Forschungsmittel werden absehbar auf drei Millionen Euro im Jahr steigen. Mit über 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Lehre und Forschung können sich die 60 Professor*innen auf einen breiten und hochqualifizierten Mittelbau stützen. Auf die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis verweist Averkamp auf sein Konzept: „Bei unseren vielen Neueinstellungen haben wir immer versucht, Kolleginnen und Kollegen zu finden, die noch besser waren als ihre Vorgänger. Das ist uns jetzt auch beim neuen Dekan gelungen.“

Profilierte Fachleute aus der Industrie nehmen auch deshalb eine Professur in Gummersbach an, weil die Hochschule ihren ausgezeichneten Ruf als Ausbildungsstätte „mit dem direkten Draht zur Industrie“ über Jahrzehnte gefestigt hat. Davon hat sich auch Prof. Kohls beeindrucken lassen: als international renommierter Experte für digitale Lehre und E-Leaming hatte er die Wahl zwischen einer Professorenstelle in Berlin oder in Gummersbach, und entschied sich für den Campus Gummersbach.

Breite Unterstützung durch die Unternehmen

Maßgeblich für den Erfolg des Campus sei, so Averkamp, die: unter den 77 Firmen im Förderverein finden sich alle namhaften Unternehmen der Region. Der promovierte Elektro-Ingenieur war auch deswegen so erfolgreich als Netzwerker, weil er die Sprache der Unternehmer spricht:  er war 13 Jahre Vorstandsmitglied eines internationalen Glasherstellers mit über 16000 Mitarbeitern. Prof. Averkamp verweist aber auch auf einen weiteren Erfolgsfaktor: den „Campus-Spirit“, der auf einem ausgeprägten „Wir-Gefühl“ der Lehrenden und ihrer Mitarbeiter*innen beruhe.

Mit Prof. Kohls, da ist sich der agile 66jährige sicher, übernimmt der richtige Mann zur richtigen Zeit das Amt des Dekans. Kohls, Experte für digital unterstütztes Lernen, möchte den Digitalisierungs-Schub der Corona-Krise für die Hochschule nutzen. Er steht jetzt vor der großen Aufgabe, zusammen mit den Lehrenden ein „Hybrid-Semester“ zu organisieren, also eine gute Mischung aus Präsenzunterricht und Online-Lehre. „Wir haben im Sommersemester viel ausprobieren können, was wir sonst vielleicht nicht gewagt hätten.“, so Kohls. Durch die angebotenen Online-Vorlesungen habe kein Student ein Semester verloren, alle Prüfungen konnten abgelegt werden. 

Den persönlichen Kontakt erhalten

Die Studierendenzahl soll nicht weiterwachsen, meint der neue Dekan, mit 5000 habe man eine Größe erreicht, die dem Standort angemessen sei und bei der ein persönlicher Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden noch möglich ist. Die Digitalisierung sollte da vorangetrieben werden, wo sie sinnvoll ist, der persönliche Kontakt müsse aber erhalten bleiben. Optimierungsbedarf sieht der Campus-Leiter in den Bereichen Internationalisierung und Diversität. Man werde weiter daran arbeiten, den Frauenanteil bei Lehrenden und Studierenden zu erhöhen.

Im Übrigen möchte Kohls mit seinen Dekanatskolleginnen und -kollegen das Erfolgsmodell weiterführen, der „Campus Gummersbach“ soll weiterhin für seine exzellente Lehre stehen und sich als herausragender und praxisnaher Forschungsstandort abheben. „Mein Wunsch ist, dass wir unsere Marke noch weiter in die Republik tragen und viele Projekte hier ihren Ursprung haben.“ Wichtigstes und größtes Projekt ist derzeit das Innovation Hub auf dem Steinmüllergelände, in dem im nächsten Jahr 25 Unternehmen, Lehrende und Studierende in einer Modellfabrik an konkreten Projekten arbeiten werden.

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