Cologne Prep Class: "Immer dranbleiben"

Cologne Prep Class (Bild: Thilo Schmülgen/FH Köln)

Drei Studierende aus Südamerika und Nordafrika besuchen seit sechs Monaten die Cologne Prep Class der Fachhochschule Köln – und erzählen von Kulturschocks, Nachhilfe aus dem Netz und Disney-Romantik zu Weihnachten.

Halt! Anstoßen! Mensch, das vergessen wir immer wieder!“ Ein Abend im Dezember, auf dem Weihnachtsmarkt am Kölner Dom weht ein frischer Wind durch die Budengassen: Die Studenten der Cologne Prep Class wärmen ihre Hände an dampfenden Tassen mit Glühwein und heißer Schokolade, die verführerisch duften: Man möchte sofort einen großen Schluck nehmen – wenn nicht diese typisch deutsche Eigenart wäre: „Dass man sich immer erst zuprostet, war für mich wirklich neu“, sagt Reda Saidi, 19 Jahre alt und aus Marokko. Auch seine brasilianische Kurs-Kameradin Bianca Jannke (25) pflichtet ihm bei: „Das machen wirklich nur die Deutschen“.

Seit Beginn des Wintersemesters besuchen Reda, Bianca und ihre peruanische Kommilitonin Gabriela Pineida die Cologne Prep Class. Der Weihnachtsmarkt-Besuch ist für die Studierenden eine kleine Verschnaufpause. Denn hinter ihnen liegen aufregende und vor allem arbeitsintensive Monate. Das typisch deutsche – oder kölsche? – Dauer-Anstoßen war für die drei noch einer der kleineren Kulturschocks, verglichen mit den Anforderungen, die sie an der Hochschule zu bewältigen haben: „Das Bildungsniveau in Brasilien ist einfach viel niedriger. Und ich war nicht daran gewöhnt, so viele Stunden am Tag zu lernen“, erzählt Bianca, die aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Porto Alegre im Süden Brasiliens kommt und vor dem Kurs schon als Au-Pair-Mädchen in Bergisch Gladbach gearbeitet hat.

Gabriela PineidaGabriela Pineida (Bild: Thilo Schmülgen/FH Köln)

Die Prep Class ist für Studierenden gedacht, deren Schulabschluss in Deutschland nicht anerkannt wird. Sie wird organisiert vom International Office. Schließen sie den Kurs erfolgreich ab, ist den „Preppies“ ein Studienplatz an der Fachhochschule Köln garantiert. Neben intensivem Deutschunterricht stehen für die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 19 Ländern Englisch, Mathematik, Physik und Chemie, außerdem Wirtschafts- oder Ingenieurwissenschaften auf dem Lehrplan. „Das war am Anfang schon sehr viel“, meint Gabriela. Manchmal habe es auch Missverständnisse mit den Dozenten gegeben. „Aber inzwischen haben wir uns aufeinander eingestellt und bekommen viel Unterstützung“.

Nachhilfe mit Skype und Youtube

„Auch die ersten Prüfungen waren ein kleiner Schock“, findet Bianca, die ihren Nachnamen deutschen Vorfahren verdankt: „Ich musste in kurzer Zeit viel mehr schreiben als sonst.“ Reda war über seine ersten Noten ziemlich enttäuscht: „Am Anfang waren sie nicht gut. Aber Schritt für Schritt ist es besser geworden.“ Die drei sind sich einig: „Man muss einfach dran bleiben.“ Jeder kommt auf seine Weise mit den Anforderungen zurecht. Gabriela sucht sich Videos auf Youtube, in denen das, was ihr auf Deutsch zu kompliziert ist, auf Spanisch erklärt wird. Und bei den Englisch-Aufgaben hilft ihr Bruder Juan Carlos: Der lebt in den USA und wird im Bedarfsfall über Skype ins WG-Zimmer zugeschaltet.

Um die verflixt komplizierte deutsche Grammatik noch besser zu verstehen, besucht die 25-Jährige außerdem einen Abendkurs an der Volkshochschule. Und was machen die beiden Südamerikanerinnen zum Ausgleich? „Ab und zu gehen wir Tanzen. Das muss einfach sein.“ Bianca hat außerdem mit dem Joggen angefangen: „Wenn man so viel mit dem Kopf macht, muss man sich manchmal auch um den Rest des Körpers kümmern.“

Reda motiviert sich vor allem mit der Aussicht, dass die Prep Class ihm ein Studium an einer deutschen Hochschule ermöglicht: Er, der vorher nie in Deutschland war, gerät  ins Schwärmen, wenn man ihn fragt, wie es ihm in Köln gefällt: Reda lobt die Zuverlässigkeit und die Pünktlichkeit, die Kultur und das Bildungssystem – auch durch die Krise sei Deutschland als eines der wenigen Länder gut durchgekommen. Bei aller Effizienz und Diszipliniertheit haben die Deutschen gerade zu Weihnachten auch einen großen Sinn für Romantik, wie der Marokkaner beobachtet hat: „Ich kannte das alles ja nur aus dem Fernsehen, aus Disney-Filmen und so. Alles leuchtet, wenn es Weihnachten wird, es ist überall Musik und alle sehen glücklich aus“.

Büffeln für die Feststellungsprüfung

Drei Monate später; inzwischen sind die Weihnachtsbäume und Lichterketten längst wieder abgeräumt. Eines steht jetzt immerhin schon fest: Allzu sehr frieren mussten die „Preppies“ aus Nordafrika und Südamerika in diesem Winter nicht – er hat es gut mit ihnen gemeint und ist so milde gewesen wie lange nicht. Für Gabriela, Bianca und Reda bricht das letzte Drittel der Prep Class an – und damit die intensive Vorbereitungszeit auf die Feststellungsprüfung. Sie entscheidet darüber, ob sich die Anstrengung am Ende auszahlt.

„Es hilft mir sehr, dass ich weiß, was ich danach studieren möchte: nämlich Sozialarbeit“, sagt Gabriela. Auch Bianca will in eine ähnliche Richtung: „Mir hat die Beratungswoche, die wir inzwischen hatten, sehr viel gebracht. Da habe ich mich über Themen wie Sozialarbeit, Pädagogik der Kindheit und Familienarbeit informiert und viele offene Fragen klären können. Jetzt bin ich sicher, dass ich in diese Richtung möchte. Ich habe also ein Ziel!“ Reda möchte Bauingenieur werden – und zieht schon jetzt eine erste, positive Bilanz: „Die Prep Class hat mir die Möglichkeit gegeben, vieles noch einmal auf Deutsch zu wiederholen. Denn ohne deutsche Fachbegriffe wäre das Studium sehr schwierig,“ ist er überzeugt.

Drei Monate lang müssen die drei sich jetzt noch einmal richtig anstrengen – und optimistisch bleiben: „Ich habe keine Angst und glaube an mich“, sagt Gabriela. „Wir schaffen das“, sagt auch Bianca. Wenn alles klappt, gibt es im Mai dann für alle drei mit Sicherheit mehr als eine Gelegenheit, wieder miteinander anzustoßen. 
(Text: Anna Beerlink)

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