Bessere Beratung für Familien von pflegebedürftigen Kindern
Projektstart: TH Köln entwickelt Konzept für neuartige Pflegeberatung
Das Projektteam (v.l.): Alexandra Geißler-Wölfle, Laura Blasius, Martina Maczewski, Johanna Krieser, Britta Levering, Prof. Dr. Isabel Zorn, Prof. Dr. Johann Behrens, Annika Eppmann, Stefanie Daniel und Petra Hoffmann.
(Bild: Heike Fischer / TH Köln)
Familien mit pflegebedürftigen Kindern stehen im Alltag vor besonderen Herausforderungen: Sie müssen medizinische Versorgung, Pflege sowie Unterstützungsangebote koordinieren und gleichzeitig den Alltag bewältigen. Um Familien passgenau zu unterstützen und spürbar zu entlasten, entwickelt die TH Köln in einem neuen Projekt ein Tandem-Beratungskonzept mit interdisziplinären Fachkräften.
„In Deutschland mangelt es an speziell auf Kinder ausgerichteter Pflegeberatung nach Paragraph 7a des Sozialgesetzbuches XI. Darin ist geregelt, dass pflegebedürftige Personen in Deutschland einen Anspruch auf individuelle Pflegeberatung haben“, sagt Prof. Dr. Isabel Zorn vom Institut für Medienforschung und Medienpädagogik der TH Köln. „Ein auf die Lebensrealitäten pflegebedürftiger Kinder und deren Familien ausgerichtetes Angebot ist allerdings enorm wichtig, um psychosoziale, organisatorische und gesundheitsbezogene Belastungen zu reduzieren, Ressourcen zu aktivieren und Selbstwirksamkeit zu stärken.“
Pressemitteilung 10/2026
vom 10.03.2026
Das Projekt verfolgt daher einen lebensweltorientierten Ansatz, der den Alltag und die individuellen Erfahrungen der Menschen in den Mittelpunkt stellt. Damit das gelingt, werden in Köln als Modellregion interdisziplinäre Beratungsteams bestehend aus Pflegeberater*innen und Fachkräften der Sozialen Arbeit (Tandems) gebildet, die systemische, kreative und digitale Methoden miteinander verbinden und im Beratungsalltag mit Familien erproben. Dadurch sollen die spezifischen Bedürfnisse der Beteiligten aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden, um schließlich auf die jeweilige Situation zugeschnittene individuelle Lösungen zu entwickeln.
Vernetzung und Bildung als wichtige Projektbausteine
Die Beratungstandems führen Gespräche mit pflegenden Familien in Köln, die wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden, um die Ansätze kontinuierlich weiterzuentwickeln. Zudem wird ein sektorübergreifendes Netzwerk mit relevanten Akteur*innen des Gesundheits-, Eingliederungs- und Sozialbereichs aus Köln aufgebaut, um eine kindspezifische, regional verankerte Unterstützungslandschaft zu etablieren. Um den Bürokratieaufwand für Beratende und Pflegende zu verringern, soll darüber hinaus generative Künstliche Intelligenz als Unterstützungstool erprobt werden.
„Wir möchten gemeinsam mit dem Verein Süße Zitronen e. V. zeigen, wie lebensweltorientierte Pflegeberatung konkret aussehen kann – vernetzt, kreativ und nah an den Bedürfnissen der Familien“, erklärt Zorn. „Wenn es gelingt, tragfähige Strukturen aufzubauen, können nicht nur pflegebedürftige Kinder und deren Familien profitieren, sondern auch die beteiligten Fachstellen.“ Die Praxiserfahrungen zur Zusammenarbeit von Pflegeberatung und Sozialer Arbeit, zur Verwendung der kreativen Methoden in der Beratung und zum Einsatz von generativer KI zur Erleichterung des Alltags der Familien werden durch das Institut ISIS e.V. wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Auf dieser Basis werden Bildungsmodule für Pflegeberater*innen sowie Empfehlungen entwickelt.
|
Über das Projekt Das Forschungsprojekt „Lebensweltorientierte Pflegeberatung: Methoden und Netzwerkarbeit für Entlastung und Resilienz für pflegebedürftige Kinder und ihre Familien“ wird an der TH Köln von Prof. Dr. Isabel Zorn vom Institut für Medienforschung und Medienpädagogik geleitet. Projektpartner sind der Süße Zitronen e. V. und der Gemeinnütziges Institut für Supervision, Institutionsberatung und Sozialforschung ISIS e.V. Das Projekt wird durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, den Landesverbänden der Pflegekassen in NRW und dem Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. in NRW bis Ende November 2028 mit rund 1,1 Millionen Euro gefördert. |
März 2026