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Institut für Kindheit, Jugend, Familie und Erwachsene (KJFE)
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Prof. Dr. Claus Stieve

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Beitrag: Erfahrungen soziomaterieller Differenz in der Kindheit in bildungstheoretischer Perspektive

Wie lassen sich theoretische Figuren für einen Bildungsbegriff gewinnen, der sich aus der engen Verbundenheit mit einer konkreten soziomateriellen Lebenswelt in der Kindheit ableitet? Dieser Frage gehen C. Stieve und L. Rapp in diesem Beitrag aus praxeologischen und phänomenologischen Perspektiven nach. Dabei gewinnen autobiographische Erinnerungen als Zugang zur kindlichen Erfahrung an Bedeutung.

Die Abbildung zeigt ein Buchcover mit der Aufschrift: Diversität, Materialien, Kindheit - Theoretische und empirische Perspektiven. Unten rechts auf der Abbildung ist der Verlagsname "Beltz Juventa" und oben links der Name der Buchreihe "Kindheitspädagogische Beiträge" zu sehen. Über dem Titel stehen die Namen der Herausgeberinnen "Peter Cloos" und "Svenja Garbade". Cover des Sammelbandes "Diversität, Materialien, Kindheit" (Bild: Beltz Juventa Verlag)

Der Beitrag entwirft eine bildungstheoretische Perspektive auf Kindheit, die Bildung nicht als linearen Kompetenzerwerb begreift, sondern als einen lebensweltlich und biographisch situierten Prozess kontextualisiert. Dabei wird u. a. auf die Theorie transformatorischer Bildung von Hans-Christoph Koller Bezug genommen. Im Zentrum steht die Frage, wie sich in der Verflechtung von Kindern in ihre soziomaterielle Lebenswelt Bildungsprozesse konstituieren können.

Zur Beantwortung entwickeln die Autoren einen Zugang, der die praxistheoretischen Perspektiven der Habitualisierung und Subjektivation um die phänomenologischen Dimensionen der leiblichen Expressivität und Irritation ergänzt. Dadurch wird es möglich, Erfahrungen "korporaler Differenz" (Bedorf) als Bildungsanlässe zu analysieren, die entstehen, wenn inkorporierte Gewohnheiten nicht mehr bruchlos mit der aktuellen Lebenswelt korrespondieren.

Anhand der Autobiografie Erri de Lucas wird gezeigt, wie solche Differenzen in der Kindheit in Dimensionen von Milieuzugehörigkeit und Geschlechtlichkeit erfahren und sprachlich als "Wiederaufnahme" (Merleau-Ponty) reflexiv werden können. Analysieren lässt sich ein diskontinuierlicher offener Bildungsprozess, der in leiblichen Erfahrungen der Kindheit begründet ist.

Der Beitrag plädiert dafür, Bildung in Bezug auf Kindheit nicht lediglich als allgemeine Aneignung von Welt zu begreifen. Vielmehr gilt es nach Prozessen von Reflexivität zu fragen. Brüche alltäglicher Erfahrungen lassen sich als Bedingung solcher Reflexivität in der autobiografischen Bearbeitung soziomaterieller und lebensweltlicher Differenzen konkretisieren. 

Stieve, Claus/Rapp, Leonard (2025): Erfahrungen soziomaterieller Differenzen in der Kindheit in bildungstheoretischer Perspektive. In: Garbade, Svenja/Cloos, Peter (Hrsg.): Diversität, Materialität, Kindheit - Theoretische, empirische und didaktische Perspektiven. Weinheim: Beltz Juventa, 32-48 Link zur Verlagsseite

Juni 2026

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