Zwischenbilanz im Projekt PREPSHIELD am Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr
Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr der TH Köln steuert methodischen Kern des europäischen Forschungsprojekts PREPSHIELD
Springe zu
Das Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr (IRG) der Technischen Hochschule Köln hat im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts PREPSHIELD (Preparedness for Society in Health Crises and Disasters) in den vergangenen Monaten eine zentrale methodische Rolle übernommen. Mit dem Abschluss der dritten und letzten Pilotübung am 22. April 2026 in Bukarest schließt das Konsortium einen bedeutenden Meilenstein ab – und das IRG zieht Bilanz über eine methodisch anspruchsvolle Arbeit im europäischen Kontext.
Was ist PREPSHIELD?
PREPSHIELD ist ein von der Europäischen Union gefördertes Forschungsprojekt, das die gesellschaftliche und institutionelle Vorbereitung auf Gesundheitskrisen und Katastrophen stärken soll. Aufbauend auf den Erfahrungen der COVID-19-Pandemie verfolgt das Konsortium aus mehr als zehn Partnerorganisationen aus ganz Europa einen holistischen, bürger*innenzentrierten Ansatz: Technologische Lösungen – darunter eine KI-gestützte Plattform und eine Mobil-App – werden mit Kommunikationsstrategien, Governance-Ansätzen und neuartigen Übungsformaten kombiniert. Ziel ist es, Krisenmanagementstrukturen nicht nur effizienter, sondern auch inklusiver und gesellschaftlich verankert zu gestalten.
Das IRG der TH Köln ist innerhalb dieses Konsortiums für die Entwicklung und Leitung der sogenannten Tabletop-Übungen (TTE) verantwortlich – einer Kernkomponente des Projekts, die methodisch weit über klassische Planspielformate hinausgeht.
Drei Pilotübungen, drei Maßstäbe
Zwischen September 2025 und April 2026 hat das IRG drei Pilotübungen auf unterschiedlichen gesellschaftlichen und institutionellen Ebenen konzipiert, entwickelt und geleitet: in Hamburg auf lokaler Ebene, in der Piemonte-Region in Italien auf regionaler Ebene und schließlich in Bukarest auf nationaler Ebene in Rumänien.
Die erste Tabletop-Übung fand am 16. September 2025 in Hamburg statt. Sie war insofern wegweisend, als sie erstmals einen strukturierten Dialog zwischen professionellen Krisenmanagementteams und Bürger*innen ermöglichte – ein Bruch mit klassischen Übungsformaten, in denen die Zivilgesellschaft allenfalls als passive Adressatin von Maßnahmen erscheint. Die Erfahrungen aus der COVID-19-Pandemie flossen direkt in die Übungsdynamik ein und bereicherten die Entscheidungsprozesse des Krisenmanagementteams. Als zentrale Erkenntnis aus Hamburg identifizierte das IRG u.a. die Bedeutung frühzeitiger Plattformeinbindung sowie den Mehrwert von Rollenspielelementen neben diskursiven Formaten.
Die zweite Übung in Turin/Piemont am 19. Februar 2026 baute auf diesen Erkenntnissen auf und integrierte erstmals die technologischen Entwicklungen des Konsortiums vollständiger in den Übungsablauf – darunter die PREPSHIELD-Plattform sowie die öffentliche Mobil-App. Das vom IRG entwickelte Storybook diente dabei als narrativer Rahmen und strukturierendes Element für das gesamte Szenario. Zentrales Thema war die Frage, wie unterschiedliche gesellschaftliche Akteure in Krisenlagen effektiv und inklusiv koordiniert werden können.
Die dritte Übung am 22. April 2026 im Bukarester Innenministerium markiert einen vorläufigen Höhepunkt der methodischen Entwicklung. Erstmals wurden alle Elemente – Krisenmanagementteam, Bürger*innengruppe, Plattform, App und Feedback-Methodik – auf nationaler Ebene und im internationalen Rahmen mit Teilnehmenden aus über zehn Ländern zusammengeführt. Das IRG übernahm die Übungsleitung in enger Zusammenarbeit mit dem Departamentul pentru Situații de Urgență (DSU) und dem Rumänischen Roten Kreuz.
Die Methode: Feedback-Loop und gesellschaftliche Einbindung als Innovation
Das methodische Herzstück der PREPSHIELD-Übungen ist ein vom IRG entwickeltes Staggered-Workflow-Modell mit integriertem Feedback-Loop: Krisenmanagementteam und Marktgruppe – die Bürger*innenvertretung – arbeiten zeitversetzt, aber aufeinander bezogen. Entscheidungen des Krisenmanagementteams fließen strukturiert in die gesellschaftliche Bewertungsrunde ein; das Feedback der Bürgerinnengruppe wiederum wird zu Beginn der jeweils nächsten Runde an das Krisenmanagementteam zurückgespielt. Dies spiegelt die reale Dynamik von Krisenlagen wider, in denen institutionelle Entscheidungen und gesellschaftliche Reaktionen zeitlich versetzt, aber wechselseitig abhängig sind.
„Der Feedback-Loop ist für uns das entscheidende methodische Element", erklärt Dr. Lennart Landsberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IRG. „Wir ermöglichen damit keine Simulation eines Parallelbetriebs zweier getrennter Gruppen, sondern ein tatsächliches Wechselspiel. Die Krisenmanagementteams erfahren, wie ihre Entscheidungen gesellschaftlich wahrgenommen und bewertet werden – und können in der nächsten Runde darauf reagieren. Das erzeugt einen Lernmechanismus, der in klassischen Planspielen in dieser Form schlicht nicht vorhanden ist."
Sein Kollege Niklas Tschäschke betont dabei besonders die gesellschaftliche Dimension: „Was uns von bisherigen Formaten unterscheidet, ist die direkte, strukturierte Einbindung von Bürger*innen in den Übungsprozess – nicht als Statistinnen, sondern als gleichberechtigte Perspektivgeberinnen. In Bukarest haben wir erlebt, wie die Bürgerinnengruppe das Thema der stärkeren Einbindung jüngerer Generationen in Krisenentscheidungen eingebracht hat – und wie dieses Feedback die Diskussion auf der institutionellen Seite tatsächlich beeinflusst hat. Das ist genau das, was wir mit dem Format erreichen wollen."
Das IRG im europäischen Kontext
Für Prof. Dr. Ompe Aimé Mudimu, Projektleiter des PREPSHIELD-Projekts auf Seiten des IRG und stellvertretender Institutsleiter, steht die Arbeit im europäischen Konsortium exemplarisch für die Stärke interdisziplinärer und transnationaler Forschungskooperationen: „PREPSHIELD bringt Partner aus Wissenschaft, Katastrophenschutzbehörden, Zivilgesellschaft und Technologieentwicklung zusammen – aus Hamburg bis Bukarest, aus Köln bis Turin. Es ist Voraussetzung dafür, dass wir Lösungen entwickeln, die tatsächlich in unterschiedlichen gesellschaftlichen und institutionellen Kontexten funktionieren. Das IRG hat in diesem Konsortium die methodische Federführung für die Übungsformate inne – und das ist eine Verantwortung, die wir sehr ernst nehmen. Denn die Frage, wie wir Gesellschaft auf Krisen vorbereiten, ist eine der zentralen Fragen unserer Zeit."
Die bisher gewonnenen Erkenntnisse fließen nun in die Weiterentwicklung der PREPSHIELD-Methodik sowie in die Planung kommender Online-Tabletop-Übungen ein, die das Format in den digitalen Raum übertragen sollen.
April 2027