XR Learning Day: Praxisnahe XR-Anwendungen für Qualifizierung & Arbeitswelt
Wie können XR-Technologien sinnvoll in Qualifizierung und Arbeitswelt eingesetzt werden? Dieser Frage widmete sich der XR Learning Day am 24. April, zu dem das Projekt Q.V.I.W. gemeinsam mit Think.Start VR einlud. Neben einem Rahmenprogramm aus Impulsvorträgen und Workshops hatten Besuchende insbesondere die Möglichkeit, sich auszutauschen und verschiedene XR-Technologien auszuprobieren.
Als die Besuchenden gegen 13 Uhr eintreffen und einen Sitzplatz vor dem Bühnenbereich einnehmen, erwartet sie zunächst ein kurzer Reality-Check: „Fünf Behauptungen zu XR – wahr oder falsch?“ möchte Moderator Professor Tim Hilken (Maastricht University) von den Anwesenden wissen. Überraschend, aber wahr: Hippies haben kommerzielles VR erfunden und ja – in Japan gibt es XR-Völkerball als Schulsport. Wo also steht XR im Jahr 2026? In der folgenden Einordnung spannt Professor Hilken das Feld zwischen Schlagzeilen der XR-Ernüchterung im Consumer-Markt und der Wirksamkeit von XR auf. Er stellt heraus: XR wirkt dort, wo es gebraucht wird.
In der folgenden Keynote verdeutlicht Jenny Pomino, Mediendidaktikerin im Projekt Q.V.I.W., die Chancen und Grenzen von XR – beispielsweise in der Trainingssimulation im Rettungsdienst, der medizinischen Ausbildung oder dem Handwerk, aber auch in der Therapie und beim Training von Soft Skills. Zudem zeigt sie auf, wie Strategien zur mehrwertorientierten Integration von XR in Weiterbildungsangebote aussehen können. Denn: XR scheitere selten an der Technik – sondern an der (unzureichenden) Einbettung. Ihr klarer Appell: Didaktik vor Technik.
Silke Brinkschröder, Teamleiterin des TrainingsCenters Netze bei der RheinNetz GmbH, beleuchtet das Thema anschließend unter dem Titel „Arbeiten unter Spannung – Einsatz von VR in der Aus- und Fortbildung“ anhand ihres konkreten Anwendungsfalls. Ziel des innovativen VR-Einsatzes im TrainingsCenter sei die Vermeidung von Unfällen, insbesondere von Stromunfällen, durch die Steigerung des Bewusstseins bei den Mitarbeitenden und das sichere, fehlerfreie Durchführen von Trainings ohne Gefährdung. Denn: Sicherheit habe oberste Priorität. Das realitätsnahe Training ohne Risiko für Mensch und Anlage eigne sich daher besonders für die Erstqualifikation, Wiederholungen und ansonsten schwer realisierbare Praxisszenarien.
In der anschließenden Workshop-Phase haben die Besuchenden die Möglichkeit, nacheinander zwei parallel angebotene Workshops zu besuchen. Workshop A wird von Michael Stock vom Unternehmen Think.Start VR geleitet und gibt einen Praxiseinblick in XR-Lösungen und deren Implementierung in Unternehmen. Im zweiten Workshop führen Professor Weiper und Andreas Boden von der TH Köln systemisches Prozesslernen in VR anhand einer virtuellen Fabrik vor, die die Teilnehmenden selbst erkunden dürfen. Für einige Anwesende neu: die Möglichkeit, im Multiplayer-Modus mit mehreren Personen in derselben VR-Welt miteinander zu agieren.
Über die Workshops hinaus besteht durchgehend auch die Möglichkeit, an verschiedenen Stationen des Open XR Lab unterschiedlichste XR-Technologien auszutesten. Neben der virtuellen Fabrik findet sich auf der großen Kreativfläche eine Gruppe XR-Einsteiger zusammen, die unter der Anleitung von Medientechniker Muhammet Celik erste VR-Erfahrungen sammelt. Im Raum nebenan, dem eigentlichen XR Lab, nutzen neugierige Besuchende die Möglichkeit, die Apple Vision Pro VR-Brille, bHaptics-Handschuhe und -Weste – die ein haptisches Feedback in der VR-Welt liefern – oder ein VR-Laufband zu testen, das eine natürliche Fortbewegung in der VR-Welt über eine Laufbewegung ermöglichen.
Nach rund drei Stunden des Ausprobierens und Austauschens schließt die Veranstaltung mit einer Panel-Diskussion. Silke Brinkschröder, Michael Stock und Jenny Pomino diskutieren, wie der Einstieg und die Skalierung gelingen können, welche Rolle Didaktik und Nutzerzentrierung spielen und wohin die Reise künftig gehen könnte. Zum Schluss gibt es für die Besuchenden drei Gedanken zum Mitnehmen:
- XR ist angekommen — nicht überall, aber an den richtigen Stellen.
Nicht der Hype trägt, sondern der konkrete Anwendungsfall. - Der Unterschied zwischen Labor und Praxis sind die Menschen.
Technologie allein reicht nicht — es braucht Teams, die Lernprozesse und Organisationen mitdenken. - Den nächsten Schritt nicht alleine gehen.
Fragen mitnehmen, Kontakte nutzen, experimentieren — und dranbleiben.
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Silke Brinkschröder der RheinNetz GmbH beleuchtet XR unter dem Blickwinkel "Arbeiten unter Spannung – Einsatz von VR in der Aus- und Fortbildung". (Bild: TH Köln)
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In seinem Workshop gibt Michael Stock von Think.Start VR einen Praxiseinblick in XR-Lösungen und deren Implementierung in Unternehmen. (Bild: TH Köln)
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XR-Einsteiger hatten im Rahmen des Open XR Lab die Möglichkeit, VR erstmals zu testen. (Bild: TH Köln)
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Im Rahmen des Open XR Lab konnte das VR-Laufband getestet werden, das eine natürliche Fortbewegung mittels Fußbewegungen in der VR-Welt ermöglicht. (Bild: TH Köln)
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In der VR-Welt auf dem Laufband strandeten die Teilnehmenden am Stand einer einsamen Insel. (Bild: TH Köln)
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Im Open XR Lab nutzten verschiedene Besuchende die Möglichkeit, die VR-Handschuhe zu testen. (Bild: TH Köln)
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Silke Brinkschröder, Michael Stock und Jenny Pomino in der abschließenden Panel Diskussion. (Bild: TH Köln)