Vortrag 'Praktiken der Übersetzung: Transkulturelle Vermittlung und Differenzerfahrung'

Vortrag, 24. Juni 2026

Bild zeigt einen Vortragenden vor einer Gruppe Menschen (Bild: Asernosch Noghrekar, F03, ITMK)

Sommersemester 2026

Auf einen Blick

Praktiken der Übersetzung: Transkulturelle Vermittlung und Differenzerfahrung

Vortrag

Wann?

  • 24. Juni 2026
  • 15.45 Uhr bis 17.15 Uhr
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Veranstaltungsreihe

Interkulturelle Kommunikation Vortragsreihe 'Interkulturelle Kommunikation' SoSe 2026

ReferentIn

Prof. Dr. Birgit Neumann, Universität Düsseldorf

Veranstalter

Prof. Dr. Elke Schuch, Dr. Cornelia Dahmer

Weitere Informationen

Alle sind herzlich eingeladen!


Abstract:

In unserer heutigen, transkulturellen und globalisierten Welt ist Übersetzung zu einer zentralen Kulturtechnik geworden, die auf fundamentale Weise das Verhältnis von Kulturen untereinander betrifft. Der Übersetzungsprozess stellt auch einen interkulturellen Akt der Kommunikation dar, der nach Formen der "thick translation" (Appiah 1993), also kultur- und kontextsensitiver Deutungen verlangt. Dabei geht es um eine sprachlich vermittelte Annäherung an kulturelle Alterität, wobei Konzepte von Fremdheit und Eigenheit, Repräsentation und Transformation unter ungleichen kulturellen Machtbedingungen virulent werden. Der Vortrag nähert sich Praktiken der Übersetzung aus kultureller und sprachlicher Perspektive an und macht diese aus operativer Perspektive beschreibbar, nämlich als paradoxe Form der transkulturellen Vermittlung und Differenzproduktion. Zwar loten Übersetzungen Ähnlichkeiten aus und stellen Verbindungen her, gleichzeitig legen sie Differenzen frei, die auf sprachliche und kulturelle Unübersetzbarkeiten verweisen. Übersetzung, so Anselm Haverkamp (1997, 7), "ist die Agentur der Differenz, welche die trügerische Identität von Kulturen sowohl schafft, als auch sie im Zwiespalt ihrer ursprünglichen Nicht-Identität erneuert und vertieft." Unübersetzbarkeiten stellen somit weitreichende ethische Fragen, die die Dynamik von Eigenem und Fremdem betreffen und die die Unverfügbarkeit kultureller Alterität unterstreichen. Der Vortrag wird die Ethik der Übersetzung anhand verschiedener Übersetzungstheorien mit Blick auf ihr transkulturelles Vermittlungspotential diskutieren und dabei auch Sprachpolitiken, Konzepte von Sprache und Sprachhierarchien berücksichtigen.

Bio:

Birgit Neumann ist Professorin / Lehrstuhlinhaberin für Anglophone Literaturen an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und mit der Universität Groningen affiliiert; sie ist Direktorin des Centre for Translation Studies und hatte verschiedene internationale Gastprofessuren inne, so z. B. an den Universitäten Madison Wisconsin, Cornell, Leuven, North Bengal und, zuletzt, The New School. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der Postkolonialen Studien, Anglophone Literaturen, Übersetzungstheorien, Intermedialität und kulturelle Erinnerung. Sie ist Autorin zahlreicher Aufsätze und verschiedener Monographien; zuletzt erschien ihre Monographie "Post-Monolingual Anglophone Novels: Writing Beyond English" (Routledge 2025).


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