Vielen Dank an Prof. Dr. Sylvia Heuchemer

Es freut uns sehr, dass unsere Präsidentin sich mit der Beantwortung der Fragen am Projekt beteiligt und sich dafür stark macht.

Mitteilung zur Wahl der neuen Präsidentin 2023

Hochschulwahlversammlung stimmt mit überwältigender Mehrheit zu.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Sylvia Heuchemer

Prof. Dr. Sylvia Heuchemer

Präsidium

  • Campus Südstadt
    Claudiusstraße 1
    50678 Köln

Prof. Dr. Sylvia Heuchemer - Erste Präsidentin der TH Köln

Sylvia Heuchemer (Bild: TH Köln)

Mit Frau Professorin Dr. rer. pol. Sylvia Heuchemer hat die TH Köln seit November 2023 ihre erste Präsidentin! Für das Projekt Frauen an der TH Köln hat sie uns Fragen zu Vorbildern, Gleichstellung und zu ihrer Arbeit beantwortet.

Vorbilder und Role Models

Heuchemer Mischpult Nacht der Technik, Sylvia Heuchemer (Bild: TH Köln)

Wenn ich Sie als Role Model bezeichne, freuen Sie sich darüber?

Ja, darüber freue ich mich. Es ist ein großes Kompliment, wenn jemand im eigenen Weg etwas Ermutigendes für sich erkennt. Gleichzeitig habe ich auch Respekt davor. Ein Role Model zu sein bedeutet ja nicht, fehlerlos zu sein oder auf alles eine Antwort zu haben.

Und vielleicht ist gerade das wichtig: Man kann Verantwortung übernehmen, auch wenn man manchmal zweifelt oder seine Einschätzung korrigieren muss. Das gehört für mich dazu. Entscheidend ist, offen zu bleiben, dazuzulernen und trotzdem Entscheidungen zu treffen.

Ich würde mich besonders freuen, wenn junge Frauen an meinem Beispiel sehen, dass es nicht nur einen Weg in eine Führungsposition gibt. Man muss sich dabei auch nicht an einem bestimmten Bild von Führung orientieren. Man kann Menschen einbeziehen, aufmerksam zuhören und trotzdem klar sein, wenn eine schwierige Entscheidung ansteht.

Haben oder hatten Sie früher ein (weibliches) Vorbild? Wenn ja, welche Bedeutung hatte dieses?

Für mich war bei Vorbildern nie entscheidend, ob es Frauen oder Männer waren. Und vielleicht war es für mich auch nicht immer eine einzelne Person, an der ich mich orientiert habe. Sehr geprägt hat mich zum Beispiel meine Volleyballzeit in der Jugend. Im Volleyball kann niemand allein erfolgreich sein: Jede bringt etwas anderes mit, und man muss sich wirklich aufeinander verlassen können. Diese Erfahrung, Teil einer Mannschaft zu sein, hat mich sicher stärker beeinflusst, als mir damals bewusst war.

Später hat mich besonders Nelson Mandela beeindruckt. Mich fasziniert, wie er auch angesichts tiefer gesellschaftlicher Gegensätze versucht hat, Menschen zusammenzubringen und ihnen eine gemeinsame Perspektive zu eröffnen. Und wie er Verantwortung übernommen hat, ohne dabei die eigene Person in den Mittelpunkt zu stellen.

Wenn ich an weibliche Vorbilder denke, fallen mir auch die Frauen ein, die 1948 im Parlamentarischen Rat an der Erarbeitung des Grundgesetzes mitgewirkt haben: Vor allem Elisabeth Selbert hat mit großer Beharrlichkeit dafür gekämpft, dass der Satz »Männer und Frauen sind gleichberechtigt« in das Grundgesetz aufgenommen wurde. Heute klingt dieser Satz selbstverständlich. Damals stellte er große Teile des geltenden Ehe- und Familienrechts infrage. Diese Frauen waren nur vier unter 65 Mitgliedern und politisch keineswegs in allem einer Meinung. Umso bemerkenswerter finde ich, welchen Einfluss sie auf das Grundgesetz genommen haben und wie entscheidend sie die neue demokratische Ordnung mitgeprägt haben.

Inwieweit wirkt sich Ihrer Meinung nach das Vorhandensein weiblicher Vorbilder auf die Berufsentscheidungen junger Frauen aus?

Vorbilder können einen großen Unterschied machen, weil sie zeigen, was möglich ist. Ein Kollege erzählte mir einmal, sein Sohn habe ihn gegen Ende der Amtszeit von Angela Merkel gefragt, ob eigentlich auch ein Mann Bundeskanzler werden könne. Ich finde diese Geschichte wunderbar, weil sie sehr anschaulich zeigt, was Sichtbarkeit bewirken kann. Für diesen Jungen war eine Frau an der Spitze des Staates keine Ausnahme, sondern völlig selbstverständlich.

Neujahrsempfang Neujahrsempfang (Bild: TH Köln)

Das ist für mich eine wichtige Wirkung weiblicher Vorbilder. Sie geben jungen Frauen nicht unbedingt einen bestimmten Berufsweg vor. Aber sie können den Blick darauf verändern, was erreichbar und vielleicht auch für sie selbst vorstellbar ist. Wenn Frauen in der Wissenschaft, in technischen Berufen oder in Führungspositionen sichtbar sind, bleibt es nicht bei einer abstrakten Möglichkeit. Man sieht: Diesen Weg kann eine Frau tatsächlich gehen. Und das wirkt übrigens nicht nur auf Mädchen und junge Frauen. Es verändert ganz grundsätzlich unsere Vorstellung davon, wer welche Aufgaben übernehmen und welche Positionen erreichen kann.

Gleichzeitig dürfen wir die Verantwortung nicht allein den Vorbildern übertragen. Sichtbarkeit ist wichtig, aber sie ersetzt keine fairen Auswahlverfahren, keine verlässlichen Karrierewege und keine Arbeitsbedingungen, die zu unterschiedlichen Lebenssituationen passen. Ein Vorbild kann Mut machen und den eigenen Blick erweitern. Ob junge Frauen diese Wege dann tatsächlich gehen können, hängt aber auch von den Strukturen ab.

Gleichstellung an der TH Köln

Ist die Gleichstellung der Geschlechter nur eine Frage der Zeit?

Nein. Zeit allein stellt keine Gleichstellung her. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht. Aber Fortschritte sind nicht selbstverständlich, und sie können auch wieder verloren gehen. Gerade im Moment sehen wir in vielen gesellschaftlichen Debatten, dass es Rückbewegungen gibt. Wenn sich Strukturen und eingespielte Vorstellungen nicht verändern, kann Unterrepräsentanz sehr lange bestehen bleiben.

Gleichstellung braucht deshalb konkrete Ziele und faire, transparente Verfahren. Und wir müssen immer wieder genau hinschauen: Wen ermutigen wir, sich etwas zuzutrauen oder sich auf eine Position zu bewerben? Bei wem erkennen und fördern wir Potenzial? Solche Entscheidungen sind häufig weniger neutral, als wir denken.

CSD 2026 CSD 2026 (Bild: TH Köln)

In diesem Interview sprechen wir vor allem über Frauen, weil sie in vielen Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert sind. Wenn wir über Gleichstellung und Chancengerechtigkeit sprechen, dürfen wir den Blick aber nicht auf Frauen und Männer verengen. Auch trans, intergeschlechtliche und nichtbinäre Menschen müssen einbezogen werden. Darüber hinaus können die soziale Herkunft, eine Behinderung oder chronische Erkrankung, rassistische Zuschreibungen oder familiäre Verpflichtungen stark beeinflussen, welche Wege einem Menschen offenstehen. Oft wirken mehrere dieser Faktoren zusammen.

Es geht nicht darum, einzelne Gruppen pauschal zu bevorzugen. Entscheidend ist, Bedingungen zu schaffen, unter denen diese Faktoren möglichst wenig darüber bestimmen, welche Möglichkeiten jemand bekommt. Deshalb reicht es nicht, einfach abzuwarten. An Gleichstellung und Chancengerechtigkeit müssen wir dauerhaft arbeiten.

Welche stereotypischen Barrieren existieren noch immer in der Arbeitswelt Hochschule und wie können sie abgebaut werden?

Hochschulen verstehen sich zu Recht als wissenschafts- und leistungsorientierte Institutionen. Trotzdem sind auch sie nicht frei von stereotypen Vorstellungen darüber, wem Kompetenz zugetraut wird, wer für eine verantwortliche Aufgabe geeignet erscheint oder wie jemand in einer solchen Position auftreten sollte.

Sylvia Heuchemer 2009 (Bild: TH Köln)

Viele Barrieren sind heute nicht mehr offen sichtbar. Sie zeigen sich eher in kleinen Entscheidungen, die lange vor einer Bewerbung oder Berufung fallen. Wem wird früh zugetraut, eine Führungsaufgabe zu übernehmen? Wer wird in wichtige Gespräche einbezogen oder mit einem sichtbaren Projekt betraut? Und bei wem meint man, es brauche vorher noch einen weiteren Nachweis?

Gerade Frauen erleben noch immer, dass von ihnen erwartet wird, ihre Eignung bereits vollständig nachzuweisen, während anderen eher zugetraut wird, in eine neue Rolle hineinzuwachsen. Hinzu kommt, dass sie oft Aufgaben übernehmen, die für eine Institution unverzichtbar sind. Sie organisieren, vermitteln, beraten und halten Strukturen zusammen. Diese Arbeit ist oft weniger sichtbar und anerkannt.

Diese Barrieren verschwinden nicht, indem wir Frauen einfach empfehlen, selbstbewusster aufzutreten. Wir müssen auch die Verfahren und die alltägliche Praxis verändern. Auswahlkriterien sollten transparent sein, Entscheidungen möglichst strukturiert getroffen und Aufgaben bewusster verteilt werden. Wichtig sind außerdem Menschen, die Potenzial erkennen, andere ermutigen und ihnen Verantwortung zutrauen.

Gleichstellung gelingt dann, wenn nicht mehr Einzelne beweisen müssen, dass sie trotz bestehender Strukturen hineinpassen. Dafür müssen wir diese Strukturen verändern.

Werdegang, Amt und Motivation

Sie sind an der Technischen Hochschule Köln die erste Präsidentin, was bedeutet Ihnen das?

Sylvia Heuchemer Amtsübergabe (Bild: TH Köln)

Zunächst einmal empfinde ich es als große Ehre, zur Präsidentin der TH Köln gewählt worden zu sein. Dass ich die erste Frau in diesem Amt bin, ist für eine Hochschule, die seit vielen Jahrzehnten besteht, natürlich etwas Besonderes. Und mir ist bewusst, dass damit gerade für jüngere Kolleginnen und Studentinnen auch eine gewisse Sichtbarkeit verbunden ist.

Gleichzeitig möchte ich meine Arbeit nicht über dieses »erste Mal« definieren. Ich bin gewählt worden, weil mir die Mitglieder der Hochschule zugetraut haben, Verantwortung für die TH Köln und ihre weitere Entwicklung zu übernehmen. Die große Zustimmung bei meiner Wahl hat mich sehr gefreut. Ich habe sie aber auch als einen großen Vertrauensvorschuss verstanden.

Vielleicht liegt die eigentliche Bedeutung darin, dass eine Präsidentin irgendwann nichts Besonderes mehr ist. Eine »Erste« sollte nicht dauerhaft eine Ausnahme bleiben, sondern anderen den Weg erleichtern. Ich freue mich, die erste Präsidentin der TH Köln zu sein. Der wirkliche Erfolg wäre aber, wenn wir irgendwann nicht mehr zählen müssten, die wievielte Frau ein solches Amt übernimmt. Dann wäre aus der besonderen Ausnahme tatsächlich Normalität geworden.

Wie hat sich Ihr beruflicher Werdegang entwickelt und ab wann wussten Sie, dass Sie einen Weg an einer Hochschule einschlagen wollen?

Sylvia Heuchemer Prof. Dr. Sylvia Heuchemer (Bild: Costa Belibasakis/TH Köln)

Mein beruflicher Weg war keineswegs von Anfang an vorgezeichnet. Als Kind wollte ich Ärztin werden, nach dem Abitur interessierte ich mich dann zunächst für ein Tourismusstudium. Mich reizten daran die Internationalität, der Kontakt zu Menschen und vor allem die Möglichkeit, viel zu reisen und andere Länder kennenzulernen. Man riet mir damals, mit einem Studium der Volkswirtschaftslehre erst einmal eine breitere fachliche Grundlage zu schaffen. So bin ich zur Volkswirtschaftslehre gekommen. Dass mich dieser Weg einmal an eine Hochschule führen würde, war damals überhaupt noch nicht absehbar.

Nach meinem Studium in Freiburg arbeitete ich zunächst in der Hauptabteilung Statistik der Deutschen Bundesbank. Dort habe ich sehr intensiv mit Daten gearbeitet und mich mit wirtschaftlichen Zusammenhängen beschäftigt. Das war fachlich spannend und hat sicher auch meine Freude an der empirischen Arbeit geprägt. Gleichzeitig wollte ich wirtschaftliche Zusammenhänge noch genauer verstehen und untersuchen. Deshalb kehrte ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Universität Freiburg zurück, promovierte und kam dort auch zum ersten Mal intensiver mit der Lehre in Berührung. Diese Arbeit mit Studierenden hat mir von Anfang an große Freude gemacht und meinen Blick auf die Wissenschaft stark geprägt. In dieser Zeit wurde für mich auch immer klarer, dass ich mir eine dauerhafte Tätigkeit an einer Hochschule gut vorstellen kann.

Welche Rückschläge haben Sie erlebt und was haben Sie daraus gelernt?

Grundsteinlegung Grundsteinlegung Deutz (Bild: TH Köln)

Viele an der TH Köln wissen, dass ich mich schon früher einmal um das Präsident*innenamt beworben habe und damals nicht gewählt wurde. Das hat mich natürlich enttäuscht. Die Erfahrung hat mich aber auch dazu gebracht, noch einmal sehr genau darüber nachzudenken, warum ich diese Verantwortung übernehmen möchte und was ich bis zu einer möglichen nächsten Bewerbung noch lernen kann.

Ein anderer Rückschlag war die Ablehnung eines großen Förderantrags, mit dem wir die Arbeit von ProfiL² fortführen wollten. Das war für das gesamte Team bitter, weil sehr viel gemeinsame Arbeit und Überzeugung darin steckten. Was mich im Rückblick besonders beeindruckt hat, war die Reaktion der Hochschule: Sie entschied, wesentliche Ansätze aus eigener Kraft weiterzuführen. Die Ablehnung blieb natürlich eine Enttäuschung. Aber die Entscheidung der Hochschule war ein deutliches Zeichen dafür, dass gute Ideen nicht allein von einer Förderentscheidung abhängen.

Aus beiden Erfahrungen habe ich gelernt, eine Ablehnung ernst zu nehmen, sie aber nicht sofort als Urteil über die eigene Person oder über die gesamte Arbeit zu verstehen. Man muss ehrlich prüfen, was man besser machen kann. Aber man darf auch an dem festhalten, von dem man weiterhin überzeugt ist. Und manchmal merkt man gerade in einer solchen Situation, wie viel Rückhalt tatsächlich da ist.

Was macht Ihnen besonders Spaß an ihrer Arbeit?

Sylvia Heuchemer Tag des Transfer (Bild: TH Köln)

Mir macht vor allem die Begegnung mit vielen unterschiedlichen Menschen und ihren Ideen Freude. An einer Hochschule lernt man ständig neue Themen kennen, und es kommen sehr verschiedene Perspektiven, Erfahrungen und Disziplinen zusammen. Besonders schön finde ich es, wenn daraus etwas Gemeinsames entsteht: wenn aus einer ersten Idee ein Projekt wird, Menschen über Fach- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg zusammenarbeiten oder Studierende Möglichkeiten für sich entdecken, die sie vorher noch gar nicht gesehen haben.

Ich schätze außerdem die Vielfalt meiner Aufgabe. Oft geht es um langfristige strategische Fragen, aber genauso um Gespräche mit Studierenden, um Forschungsprojekte, Partnerschaften in der Region und viele ganz konkrete Anliegen. Dabei erlebe ich immer wieder, wie Hochschulen gesellschaftliche Entwicklungen in Lehre und Forschung mitgestalten können. Gerade in der Region haben sie ein großes Gestaltungspotenzial, etwa wenn wir gemeinsam mit Kommunen an konkreten Fragestellungen arbeiten oder in Reallaboren neue Ansätze unmittelbar vor Ort erproben. Gerade diese Verbindung aus strategischer Arbeit und ganz konkreter gesellschaftlicher Wirkung macht meine Aufgabe für mich so lebendig und abwechslungsreich.

Was macht Ihre Arbeit für Sie wichtig?

Sylvia Heuchemer Erstsemesterbegrüßung (Bild: TH Köln)

Für mich ist diese Arbeit wichtig, weil Hochschulen einen großen Einfluss darauf haben, welche Möglichkeiten Menschen in ihrem Leben bekommen. Wir begleiten junge Menschen in einer entscheidenden Phase, eröffnen ihnen Zugänge zu Bildung und Wissenschaft und bereiten sie darauf vor, Verantwortung zu übernehmen.

Das ist eine sehr sinnvolle Aufgabe, aber natürlich auch eine große Verantwortung. Viele Entscheidungen, die wir heute treffen, wirken über Jahre hinweg. Sie betreffen die Bedingungen, unter denen Menschen lernen, lehren und forschen können, und auch die Frage, welchen Beitrag eine Hochschule zur Gesellschaft leistet.

Mir ist dabei besonders wichtig, dass Wissen nicht innerhalb der Hochschule bleibt. Es soll Menschen helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen, eigene Entscheidungen zu treffen und gemeinsam Lösungen für konkrete Probleme zu entwickeln.

Was ist Ihr größter Motor?

Mich treibt die Überzeugung an, dass Veränderung möglich ist und dass man sie gestalten kann. Ich möchte verstehen, warum Dinge so sind, wie sie sind. Aber ich möchte nicht bei der Analyse stehen bleiben. Mich interessiert dann immer auch: Was können wir konkret besser machen? Und wen brauchen wir dafür?

Vielleicht ist mein größter Motor tatsächlich die Neugier, verbunden mit dem Wunsch, etwas zu bewegen. Besonders viel Energie gibt mir, wenn aus einer Idee wirklich etwas entsteht und man merkt, dass sich auch komplexe Strukturen verändern lassen. Das geht meistens nicht schnell und schon gar nicht allein. Aber zu erleben, dass sich etwas bewegt, finde ich sehr motivierend.

Was würden Sie Frauen empfehlen, die sich für ein Amt in einer Hochschulleitung interessieren bzw. bewerben möchten?

Zunächst würde ich immer dazu raten eine konkrete Vorstellung davon zu entwickeln, was man an der jeweiligen Hochschule bewegen will. Wofür stehe ich? Welche Entwicklung halte ich für wichtig? Und passt das zum Profil der Hochschule, ihrer Kultur und den Aufgaben, vor denen sie gerade steht? Es sollte also nicht darum gehen, Präsidentin zu werden. Entscheidend ist, Verantwortung für die Hochschule übernehmen zu wollen. Dabei muss man mit dem, wofür man antritt, authentisch sein. Denn eine Vision lässt sich nur dann überzeugend vertreten, wenn sie zur Hochschule und zur eigenen Haltung passt.

Gleichzeitig sollte man mit einer Bewerbung nicht so lange warten, bis man glaubt, jede einzelne Anforderung vollständig zu erfüllen. Niemand tritt ein Leitungsamt an und kann vom ersten Tag an alles. Sehr hilfreich ist es aber, vorher Erfahrungen in der akademischen Selbstverwaltung oder in der Leitung von Projekten und Teams zu sammeln. Dabei lernt man viel darüber, wie eine Hochschule funktioniert, wie Entscheidungen entstehen und wie unterschiedlich die Interessen sein können, die man zusammenbringen muss. Man erlebt aber auch, wie viele Menschen an ganz unterschiedlichen Stellen einen wichtigen Beitrag zur Hochschule leisten. Diesen Blick sollte man auch in einer Hochschulleitung nicht verlieren. Mit einem solchen Amt übernimmt man eine besondere Aufgabe und Verantwortung. Es stellt einen aber nicht über die vielen anderen Menschen, die die Hochschule mitgestalten.

Man sollte auch nicht glauben, dass man diesen Weg allein gehen kann. Schon im Bewerbungsprozess braucht man Menschen, die ehrlich Rückmeldung geben, kritische Fragen stellen und einem auch einmal Mut machen. Und auch später im Amt ist es wichtig, sich beraten zu können, unterschiedliche Sichtweisen einzubeziehen und auf Menschen zu vertrauen, mit denen man offen sprechen kann. Verantwortung übernimmt man persönlich, aber gute Entscheidungen entstehen selten allein. Gerade deshalb ist es wichtig, die eigene Art zu finden, ein solches Amt auszufüllen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Zweifel gehören dabei ganz selbstverständlich dazu.

Und auch eine Absage muss nicht das Ende dieses Weges sein. Das habe ich selbst erlebt. Manchmal braucht es einen zweiten Anlauf, weitere Erfahrungen oder einfach einen anderen Zeitpunkt.

Was ich noch sagen wollte…

Sylvia Heuchemer Prof. Dr. Sylvia Heuchemer (Bild: TH Köln)

Vielleicht möchte ich noch sagen, dass eine Hochschule nicht nur von den besonders sichtbaren Personen an ihrer Spitze geprägt wird. Viele Frauen haben die TH Köln und ihre Vorgängereinrichtungen über Jahrzehnte mitgestaltet: als Studentinnen und Absolventinnen, als Lehrende, Forscherinnen oder Mitarbeiterinnen. Manche von ihnen waren echte Pionierinnen, ohne dass darüber viel gesprochen wurde.

Deshalb finde ich es wichtig, ihre Geschichten sichtbar zu machen und weiterzuerzählen. Dabei geht es mir nicht darum, einzelne Frauen auf einen Sockel zu stellen. Es geht darum zu zeigen, wie viele unterschiedliche Menschen eine Hochschule prägen und wie unterschiedlich ihre Wege sein können.

Ich würde mich freuen, wenn junge Menschen an der TH Köln in diesen Geschichten Beispiele finden, die sie ermutigen. Nicht dazu, einen bestimmten Weg nachzugehen, sondern den eigenen zu finden.

Vielen Dank an Prof. Dr. Sylvia Heuchemer

Es freut uns sehr, dass unsere Präsidentin sich mit der Beantwortung der Fragen am Projekt beteiligt und sich dafür stark macht.

Mitteilung zur Wahl der neuen Präsidentin 2023

Hochschulwahlversammlung stimmt mit überwältigender Mehrheit zu.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Sylvia Heuchemer

Prof. Dr. Sylvia Heuchemer

Präsidium

  • Campus Südstadt
    Claudiusstraße 1
    50678 Köln


M
M