RTL-Förderpreise für Absolvent*innen der Medieninformatik

Alles dreht sich um KI: Chat-Bots als Mathe-Tutoren, KI-Tools als UX/UI-Designer und Software, um authentische Medien vor Manipulationen zu sichern – beim RTL-Förderpreis überzeugten diese Abschlussarbeiten von Studierende der Medieninformatik.

Platz 1: Chat-Bots als Mathe-TutorenSich von KI-Bots generierte Mathe-Lösungen liefern lassen ist leicht, aber kön-nen sogenannte LLMs (Large Language Modelle) Schüler*innen und Studieren-de als Tutor im Lernprozess sinnvoll unterstützen? Um das zu untersuchen, befasste sich Bachelor-Studentin Sarah Langrehr konkret mit den Modellen ChatGPT 3.5 und 4.0 sowie ChatGPT 4.0 gekoppelt mit Wolfram Alpha. Sie untersuchte in ihrer Abschlussarbeit, ob diese als Tutorenersatz in der Mathematikausbildung eingesetzt werden können. Dazu testete sie erst einen größeren Fundus an Mathematik-Aufgaben in allen LLMs und bewertete die Ergebnisse nach verschiedenen Kriterien. Außerdem führte sie eine Umfrage unter 38 Stu-dierenden durch und 13 Schüler*innen, die Mathe-Nachhilfe bekommen, wie die Befragten einzelne Lösungen und Erklärungen der LLMs bewerten. Im Ergebnis waren die generierten Antworten nicht in allen Versionen zwangsläufig korrekt, obwohl der Anteil der korrekten Antworten mit jedem neuen Modell deutlich anstieg. Zudem waren die Befragten nur begrenzt in der Lage, die falschen Antworten zu erkennen. Sarah Langrehrs Arbeit unterstreicht die Notwendigkeit einer verstärkten Schulung im kritischen Hinterfragen von KI-generierten Antworten.

Für diese herausragende Arbeit erhielt die Absolventin den mit 1.000 Euro dotierten 1. Preis.

RTL-Preis 2026 (v. l.): Prof. Hans Kornacher, Prof. Dr. Florian, Niebling, Sarah Langrehr, Prof. Dr. Wolfgang Konen, Merce Yüca, Prof. em. Gerhard Hartmann, Nils Polarek, Rüdiger Kupke (IT Governance RTL Deutschland) (Bild: RTL Deutschland)

Platz 2: KI im UX/UI-Designprozess?Der 2. Preis wurde für eine Masterarbeit vergeben: Merve Yüca untersuchte, ob und in welchem Umfang KI-gestützte Tools in der Lage sind, menschliche Designer im UX/UI-Prozess zu ersetzen oder sie sinnvoll zu unterstützen. Dazu führte sie einen qualitativen Vergleich zwischen einem klassisch durchgeführten UX-Designprozess und einem KI-gestützten Prozess vor. Beide Prozesse orientierten sich am Re-Design einer Fitness-App und wurden anhand festgelegter UX-Kriterien von zwei UX-Experten bewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass KI-Tools bestimmte Aufgaben effizient übernehmen können, insbesondere bei der schnellen Generierung visueller Entwürfe. In Bereichen wie Kontextverständnis, Nutzerzentrierung oder visuelle Kohärenz bleiben sie jedoch deutlich hinter dem menschlich geführten Designprozess zurück. Insgesamt stellte Yüca in ihrer Arbeit fest, dass KI derzeit nicht in der Lage ist, menschliche Designer vollständig zu ersetzen. Sie bietet jedoch ein hohes Potenzial zur Unterstützung, vor allem dann, wenn sie gezielt gesteuert, kritisch reflektiert und sinnvoll in den Designprozess integriert wird.
Der 2. Preis ist mit 750 Euro dotiert.

Platz 3: authentische Medien vor Manipulationen sichernDen 3. Preis und 500 Euro erhielt Nils Polarek für seine Bachelorarbeit "Can I CAI? Entwicklung einer Webapp zur Überprüfung von Veröffentlichungsprozessen auf Kompatibilität mit aufkommenden Standards der Content Authenticity Initiative zur Auszeichnung von authentischen Medien im Web". Durch rapide Fortschritte im Bereich der generativen künstlichen Intelligenz wird es zunehmend schwerer für Nutzer*innen, echte Inhalte von solchen zu unterscheiden, die generiert oder manipuliert wurden. Aus diesem Grund wurde die Content Authenticity Initiative (CAI) gegründet, welche in Zusammenarbeit mit der Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA) an Open Source Standards und Werkzeugen zur Auszeichnung und Überprüfung von beweisbar authentischen Inhalten im Web arbeitet. Diese Standards gewinnen zunehmend an Bedeutung und werden von Kameraherstellern wie Leica und Sony, Softwareherstellern wie Adobe und Social-Media-Plattformen wie TikTok bereits integriert. Damit es mehr authentische Inhalte im Web geben kann, müssen diese Standards von Medienschaffenden adaptiert werden. Nils Polareks Arbeit beschäftigte sich mit der Gestaltung und Umsetzung einer Open Source Webapp, die es Medienschaffenden ermöglicht, ihren individuellen Veröffentlichungsprozess hinsichtlich auf die Kompatibilität mit den Standards der CAI zu überprüfen. Neben der Gestaltung und Umsetzung der Anwendung erstellte Polarek ein System zur Pflege der benötigten Datenbasis, einen interaktiven Prozess-Editors und die Adaption in eine mobile Version mit Integration von Touchinteraktionen und -gesten - als Open Source Anwendung, damit andere Beteiligte diese erweitern und bearbeiten können.

Der RTL-Förderpreis wird seit 18 Jahren von RTL Deutschland an Studierende der Medieninformatik am Campus Gummersbach der TH Köln verliehen.

Mai 2026

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