Post-COVID-Betroffene unterstützen
Patient*innen mit dem Post-COVID-Syndrom (PCS) können an einer Vielzahl von Symptomen leiden, die anderen Krankheitsbildern gleichen. Diese zu verstehen und passende Infos zu finden, ist bei geringen deutschen Sprachkenntnissen oder niedriger Gesundheitskompetenz eine große Hürde. Das Projekt HINT hat untersucht, wie digitale Avatare hier helfen können.
Um die Hürden für die Betroffenen während der Behandlung möglichst gering zu halten, entwickelten das Cologne Cobots Lab der TH Köln, die Uniklinik Köln und Humanizing Technologies eine sprachbasierte, interaktive Anwendung mit einem virtuellen Ansprechpartner. Der Avatar stellt den Erkrankten regelmäßige, medizinisch fundierte Fragen zum allgemeinen Gesundheitszustand sowie zu typischen Symptomen von PCS wie Erschöpfung. Dies erleichtert die Dokumentation des eigenen Zustands. „Die selbstständige Datenerfassung hilft dabei, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, und erleichtert Arztgespräche, bei denen man sich nicht rein auf sein Gedächtnis verlassen muss“, erläutert Dr. Ana Kirschbaum.
Interviews mit Betroffenen zur Bedarfserhebung gaben dem Forschungsteam wichtige Hinweise für die konzeptionelle Erstellung der KI-basierten, viersprachigen App auf Deutsch, Englisch Türkisch und Italienisch. Die in darauf folgenden Systempräsentationen und weiteren Befragungen gesammelten Erkenntnisse wurden zu Handlungsempfehlungen ausformuliert und in einem weiteren co-kreativen Prozess mit den Patient*innen evaluiert.
So bevorzugten die befragten PCS-Betroffenen etwa ein ruhiges, dunkles Design der App, altersnahe und zurückhaltende Avatare sowie eine respektvolle, empathische und einfache Kommunikation. Zu Beginn der App-Nutzung sollte die Symptom- und Schmerzerhebung umfassender erfolgen, um danach nur relevante Symptome langfristig zu überwachen, was Belastungen reduziert und Veränderungen sichtbar macht. Angesichts der Sensibilität der eigegebenen, medizinischen Daten ist ein hohes Datenschutzniveau erforderlich, das etwa durch eine konsequente Umsetzung eines Privacy by Design orientierten Entwicklungsansatz erreichen lässt.
„Wir konnten wichtige Grundlagen für die Unterstützung von Menschen mit PCS mittels digitaler Assistenten legen und haben viel bezüglich der Chancen, Hürden und besonderen Bedarfe gelernt. Da entsprechende Anwendungen unter Umständen als Medizinprodukte gelten können, greifen hohe Anforderungen an das Qualitätsmanagement, die Sicherheit und ethische Fragen“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Anja Richert. Die Ergebnisse fließen in das Nachfolgeprojekt LUCID, in dem ein Chatbot zur flächendeckenden Unterstützung chronischer Erkrankungen entwickelt wird.
„HINT: Hybride Interaktive Avatare für Post-COVID-Betroffene“ wurde von September 2023 bis November 2025 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit 1,09 Mio. Euro (davon 94 Prozent Förderanteil durch BMFTR) Euro gefördert.
Februar 2026