Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften

TH Köln
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Prof. Dr. Renate Kosuch

Angewandte Sozialwissenschaften
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Personzentrierter Dialog - wirksame Begegnungen

Bachelorstudierenden der Katholischen Fachhochschule Freiburg mit ihrem Dozenten Prof. Dr. Ulrich Siegrist (links) sowie Bachelor- und Masterstudierende der F01 mit Initiatorin Prof. Dr. Renate Kosuch (rechts) (Bild: Ulrich Siegrist)

Wie Studierende und Expert*innen in Workshops zu Motivational Interviewing und emotionsfokussierten Methoden voneinander lernten – Ein Bericht vom dreitägigen PCE-Vorkongress vom 6. bis 8. Juli 2026 an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften.

Vom 6. bis 8. Juli 2026 wurde die Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln zum lebendigen Übungs- und Begegnungsraum beim Vorkongress zum Weltkongress Personzentrierte und Experientielle Psychotherapie und Beratung (PCE World) „A Changing World“. Im Rahmen der Kooperation mit der Fakultät erhielten 15 Studierende die Chance, aktiv an den Workshops von Bill Miller, Mitbegründer des Motivational Interviewing, und Robert Elliott, Entwickler*in der Emotional-Focused-Therapy, teilzunehmen. Auch 15 Sozialarbeitsstudierende der Katholischen Hochschule Freiburg besuchten die Veranstaltung. Fast wie nebenbei kam es dadurch noch zu einem gelungenen Studierendenaustausch, auch weil einige der Gäste aus Freiburg bei ihren Kommiliton*innen untergekommen waren.

Personzentrierte Haltung als Lernfeld für alle

Schon zu Beginn zeigte sich, wie sehr studentische Perspektiven den personzentrierten Prozess in der dreitätigen Veranstaltung bereicherten. „Wir haben so viele unserer Gewohnheiten zu verlernen, um Klient*innen hilfreich zu begegnen“, unterstrich Robert Elliot, „doch in personzentrierter Haltung werden wir wirksam“.

Auch Bill Miller betonte im Workshop zum Motivational Interviewing das Besondere an diesem „Anfängergeist“, denn egal ob erfahrene Therapeutin, Sozialarbeiter oder Studierende – es sei unsere Aufgabe, „Dinge nicht zu erzwingen, sondern genau zu schauen, wie sie sich im Gegenüber entwickeln und dies kompetent zu begleiten“. Er berichtete sogar, dass erst die Zusammenarbeit mit Studierenden in seiner Zeit in Norwegen zur Ausformulierung dieser besonderen Variante des personzentrierten Ansatzes nach Rogers geführt habe. Die jungen Leute hätten dabei die entscheidenden Fragen gestellt.

In beiden Workshops wurde über die Tage deutlich: Methodische Anregungen sind nur dann hilfreich, wenn sie in personzentrierter Weise eingesetzt werden – mit Wertschätzung, aktivem Zuhören, Kongruenz und Authentizität. In interdisziplinären Kleingruppen übten die Teilnehmer*innen das gemeinsam auf der Basis eigener Anliegen.

Vielfältige Expertise - lebendiger Austausch

Die teilnehmenden Master- und Bachelorstudierenden waren beeindruckt von der Offenheit und Lernbereitschaft der Beratungs- und Therapieexpert*innen und von der Bandbreite ihrer Tätigkeitsfelder: So etwa der seit über 20 Jahren praktizierende Psychotherapeut mit Praxis in Wien und Athen, der schon am Anfang seiner Laufbahn von Miller und Elliott gelernt hat und damit auch die Entwicklung der Ansätze miterlebt hat. Ebenso die Psychotherapeutin aus Frankfurt, die zusätzlich einem Lehrauftrag zur Personzentrierten Arbeit an einer Universität nachgeht. Und auch die freiberuflich tätige Therapeutin aus Australien, die neben ihrer Tätigkeit den Nachwuchs im Personzentrierten Ansatz ausbildet.

Von dieser Expertise und gleichzeitigen Nahbarkeit berichtete eine Bachelorstudentin aus dem 2. Semester Soziale Arbeit:

In einer Partnerübung zum Motivational Interviewing sollten wir jeweils ein Thema finden, das wir in den nächsten sechs Monaten ändern möchten. Ich konnte feststellten, dass die Expert*innen mit ähnlichen Lebensfragen konfrontiert sind wie ich. Eine Therapeutin zum Beispiel nannte das Veränderungsziel, ihrer dementen Mutter mehr Zeit und Geduld zu schenken. Dabei kamen genau wie in meinem Alltag Herausforderungen im Umgang mit Zeit und eigenen Ressourcen auf, als sie sich fragt, wie sie nach den Therapiesitzungen ihrer Mutter noch mit ausreichender Empathie und eigener Kraft begegnen kann.

Erlebbare Empathie im Beratungsgespräch

Im zweiten Teil der Vorkonferenz vertieften die Teilnehmer*innen im EFT-Workshop Haltung und Methoden anhand des Videobeispiels einer Klientin im Gespräch mit Robert Elliott. Sie hatte schon über Jahre hinweg an ihrer emotionalen Teilnahmslosigkeit gelitten - selbst beim Tod ihres Vaters konnte sie keine Trauer empfinden. Als Elliott in der Sitzung einfach mitging, statt die Reaktion zu bewerten, brachte eine Studentin es auf den Punkt: „Sie haben ihre Reaktion nicht pathologisiert oder bewertet!“ Alle Teilnehmenden haben so die Relevanz von empathischem Zuhören erfahren, die in den verschiedenen personzentrierten Ansätzen einen großen Stellenwert hat.

Internationaler Austausch – Englisch als Brückensprache

Alles in allem war dies eine gelungene Veranstaltung, bei der Expertise auf Anfängergeist traf und alle Teilnehmenden voneinander profitieren konnten. Die internationale Zusammenkunft mit Englisch als gemeinsamer Arbeitssprache stellte alle - egal ob mit Englisch als Muttersprache oder Brückensprache - vor die Herausforderung, die Verständigung zu sichern. Zusammen mit der Ermutigung, auch mal um den richtigen Ausdruck zu ringen, schuf dies eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre.

(Valerie Dieterich und Renate Kosuch)

Juli 2026

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