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Orthopädische Handschiene für fünf Euro

Marina Scheinberg (Bild: Scheinberg Design)

Marina Scheinberg, Absolventin der Fachhochschule Köln, ist die Siegerin des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland 2014 in der Kategorie Nachwuchs. Mit Orthostruct hat sie für die massenhafte Patientenversorgung in Entwicklungsländern, Krisen- und Katastrophengebieten eine orthopädische Handschiene entwickelt.

Durch die einfache und kostengünstige Herstellung liegt der Stückpreis der Notfallorthese unter fünf Euro. Für ihre Leistung erhielt die Absolventin der Fachhochschule Köln am Donnerstag, 25. September in Berlin den ersten Preis, verbunden mit einem Preisgeld von 4.000 Euro.

Marina Scheinberg (29) ist Absolventin der Köln International School of Design (KISD). In ihrer Diplomarbeit (Betreuer: Prof. Hatto Grosse, Prof. em. Günter Horntrich) setzte sie sich mit einer preiswerten und funktionalen Lösung für die medizinischen Versorgungsprobleme in Entwicklungsländern und Katastrophengebieten auseinander. Hier kommen orthopädische Hilfsmittel kaum zum Einsatz: Sie sind nicht verfügbar oder für den Großteil der Bevölkerung zu teuer. Die laienhafte Selbstversorgung oder Nichtversorgung der verletzten Körperteile führt oft zu Dysfunktionen, bis hin zu Amputationen, wenn sich durch mangelnde Hygiene Infektionen bilden.

Orthostruct Logo"Orthostruct" ist eine karitative Produktentwicklung, die Herstellungskosten liegen unter fünf Euro. (Bild: Scheinberg Design)


Orthostruct besteht aus vier Elementen. Das Hauptelement ist eine achtförmige Schiene, gebildet aus zwei Polsterungsfl ächen und einem metallischen Stabilisierungskern. Angepasst auf die anatomischen Grundformen von Elle und Speiche umschließt die Schiene den Unterarm. Sie wird durch drei Befestigungsgurte fixiert. Dadurch wird der Arm ruhig gestellt und nicht mehr belastet. Die Orthese lässt sich auf verschiedene Behandlungszwecke manuell anpassen, ohne das zusätzliches Werkzeug nötigt ist. „Die Funktionsfähigkeit der Handschiene wurde bereits in Testversuchen mit Probanden belegt und von Fachleuten bestätigt, darunter Orthopädietechniker der Johanniter Unfall-Hilfe e.V. und weiteren führenden Herstellern von orthopädischen Produkten. Ihre therapeutische Wirkung ist mit Preisoberklasse-Orthesen vergleichbar“, sagt Marina Scheinberg.

Die Diplom-Designerin sieht Orthostruct als eine karitative Produktentwicklung und möchte die kommerzielle Nutzung durch Dritte verhindern. Deshalb hat sie ihre Entwicklung zum Geschmacks- und Gebrauchsmuster angemeldet, ein Patent ist anhängig. Damit Orthostruct möglichst bald in den Entwicklungsländern zum Einsatz kommen kann, sucht sie gerade verstärkt nach Produktions- und Vertriebsmöglichkeiten mit regionalen Kooperationspartnern. Neben der Orthese für das Handgelenk arbeitet die Designerin außerdem an Varianten für den Ellenbogen und das Sprunggelenk.

Der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland wird seit 1969 vom Bundesminister für Wirtschaft und Technologie verliehen. Die Stiftung dieses Preises soll die wirtschaftliche Bedeutung des Designs herausstellen und zu seiner Förderung insbesondere unter mittelstandspolitischen Gesichtspunkten beitragen. Mit dem in Gold und Silber vergebenen Preis werden jährlich bis zu jeweils fünf hervorragende Leistungen aus den Bereichen Produktdesign und Kommunikationsdesign ausgezeichnet.

26. September 2014

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