Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Lehre nicht - ein lebendiges Beispiel der Restaurierung
Die Masterstudentin Karoline Reck hat ein Konzept für die Restaurierung einer Marmorskulpturengruppe von Venus und Amor aus der Kölner Flora erarbeitet und führt diese im Anschluss eigenständig aus. Das Projekt illustriert somit mehrere Teilaspekte der Lehre am Cologne Institute of Conservation Sciences: praxisnah, interdisziplinär und sichtbar für kommende Generationen.
Eng umschlungen, fast liebevoll wirken die beiden Figuren: Amor und Venus, Arm in Arm. Auch wenn das Objekt keinen offiziellen Titel trägt, sind die Anzeichen, dass es sich um die römischen Gottheiten handelt, deutlich zu erkennen. Doch der Zahn der Zeit hat seine Spuren hinterlassen. Die Flügel des Amor sind gebrochen, der Köcher mit den Liebespfeilen fehlt völligund auch diverse Finger waren beschädigt. Und dennoch ist die Skulpturengruppe aus Carrara-Marmor ein beeindruckendes Beispiel historischer Bildhauerkunst. Sie stammt aus der Hand des Kölner Bildhauers Anton Werres, einem Vertreter der Berliner Bildhauerschule. Dieser schuf das Werk 1863 während einer mehrjährigen Bildungsreise in Rom.
Karoline Reck hat ihre Bachelorarbeit innerhalb eines Lehrforschungsprojektes über die Skulpturengruppe verfasst und sich intensiv mit dem Umgang mit Fehlstellen auseinandergesetzt. Diese wurden detailliert dokumentiert und kategorisiert, und daraufhin Lösungsmaßnahmen für die Restaurierung beziehungsweise den Erhalt erarbeitet. „Die größte Herausforderung war nicht die praktische Umsetzung, sondern die Frage: Ob und wie viel Rekonstruktion vertretbar ist“, erklärt sie.
Karoline Reck hat in diesem Projekt weit mehr Verantwortung übernommen, als es für eine Bachelorarbeit in diesem Bereich üblich ist: Von der fundierten Bestandsaufnahme über theoretische Fragestellungen bis hin zur praktischen Umsetzung entwickelte sie eigenständig Lösungen und organisierte dabei den Umgang mit vielfältigen Interessensgruppen. Eine beeindruckende Leistung, die auch Niklas Underwood würdigt: „Uns ist wichtig, dass die Studierenden Verantwortung übernehmen und maßgeblich für diese Konzeptentwicklung verantwortlich sind. Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie das funktionieren soll“, so Underwood.
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Die Masterstudentin Karoline Reck hat ein Konzept für die Restaurierung einer Marmorskulpturengruppe von Venus und Amor aus der Kölner Flora erarbeitet und führt diese im Anschluss eigenständig aus. (Bild: Patrick Schwarz / TH Köln)
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Karoline Reck hat ihre Bachelorarbeit innerhalb eines Lehrforschungsprojektes über die Skulpturengruppe verfasst und sich intensiv mit dem Umgang mit Fehlstellen auseinandergesetzt. (Bild: Patrick Schwarz / TH Köln)
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Die Fehlstellen wurden detailliert dokumentiert und kategorisiert, und daraufhin Lösungsmaßnahmen für die Restaurierung beziehungsweise den Erhalt erarbeitet. (Bild: Patrick Schwarz / TH Köln)
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Die Skulpturengruppe aus Carrara-Marmor stammt aus der Hand des Kölner Bildhauers Anton Werres, einem Vertreter der Berliner Bildhauerschule. Dieser schuf das Werk 1863 während einer mehrjährigen Bildungsreise in Rom. (Bild: Patrick Schwarz / TH Köln)
Projekt mit interdisziplinärem Ansatz
Im Anschluss an die theoretische Arbeit übernimmt Frau Reck nun auch im Rahmen des Masterstudiums unter der Begleitung von Prof. Dr. Peter Kozub, Professor für die Konservierung und Restaurierung von Kulturgut aus Stein, und Niklas Underwood, Lehrkraft für besondere Aufgaben am Cologne Institute of Conservation Sciences, die praktische Restaurierung der Marmorskulptur. Das Projekt zeichnet sich durch seinen interdisziplinären Ansatz aus: Neben klassischer Restaurierungspraxis kommen modernste naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden und digitale 3D-Rekonstruktionen zum Einsatz. In enger Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Kölner Flora, der Stadt Köln sowie dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland wurde ein nachhaltiges Konzept entwickelt, das die Authentizität der Skulptur bewahrt und gleichzeitig innovative Präsentationsformen für die Zukunft ermöglicht.
„Das Projekt zeigt, wie akademische Lehre und angewandte Restaurierung Hand in Hand gehen. Es bietet der Studierenden einzigartige Möglichkeiten, Kompetenzen in wissenschaftlicher Analyse, ethischer Entscheidungsfindung und praktischer Umsetzung zu erwerben – Fähigkeiten, die sie optimal auf ihren späteren Berufseinstieg vorbereiten“, so Underwood. Die restaurierte Skulptur wird in absehbarer Zukunft wieder in der Kölner Flora zu sehen sein und damit ein sichtbares Zeichen für das Engagement der Hochschule im Kulturerhalt und die Bedeutung praktischer Lehrinhalte setzen.
Juli 2026
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