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Prof. Dr. Ursula Binder

Prof. Dr. Ursula Binder

Wirtschafts- und Rechtswissenschaften
Schmalenbach Institut für Wirtschaftswissenschaften (WI)

  • Campus Südstadt
    Claudiusstraße 1
    50678 Köln

Konferenz "Ökosoziale Marktwirtschaft & Nachhaltigkeit"

Gruppenbild der Redner und Organisatoren (Bild: Costa Belibasakis/TH Köln)

Die Konferenz "Ökosoziale Marktwirtschaft & Nachhaltigkeit" am 26.3.19 fand vor „ausverkauftem“ Haus statt. Die lange Warteliste konnte nicht komplett abgearbeitet werden. Für Alle, die nicht dabei sein konnten, gibt es an dieser Stelle einen Link zu Videos von der Veranstaltung.



Es war eine außerordentlich informative, spannende und lebhafte Veranstaltung. Man konnte letztendlich den Eindruck gewinnen, dass alle Anwesenden „irgendwie“ das Gleiche wollen, nur teilweise mit anderen Mitteln und unterschiedlich in der Radikalität. Keiner der Anwesenden beharrte aber auf „seinem“ Konzept. Alle zeigten sich offen für die Diskussion über die „richtigen“ Mittel zur Umsetzung eines veränderten Wirtschaftssystems:

Prof. Dr. Stefan Herzig in seiner Eröffnungsrede Prof. Dr. Stefan Herzig in seiner Eröffnungsrede (Bild: Costa Belibasakis/TH Köln)

Eröffnung

Nach Grußworten durch den Präsidenten Prof. Dr. Stefan Herzig und die Begrüßung durch Prof. Dr. Ursula Binder wurden die Teilnehmer*innen durch die von Peter Hahn angeleitete Achtsamkeitsübung in eine tiefe Entspannung geführt, so dass sie sich für ein wachsames Zuhören öffnen konnten für die folgenden Vorträge von Oliver Richters, Christian Felber und Robert Habeck.

Entgegen der ursprünglichen Ankündigung wurde der erste Vortrag nicht von Marius Rommel gehalten. Dieser musste aus privaten Gründen sehr kurzfristig absagen, hatte aber einen „Ersatz“ organisiert: Oliver Richters stellte sich dann als viel mehr als ein Ersatz heraus. Er konnte die Konferenz mit seinen Thesen, Ideen und Vorschlägen sehr bereichern.

Publikum Publikum (Bild: Costa Belibasakis/TH Köln)

Vortrag von Oliver Richters

Im Folgenden Zitate aus Richters Buch: Marktwirtschaft reparieren, 2019, dessen Inhalte auch die Grundlagen seines Vortrags bildeten:

„Marktwirtschaft (ist laut Richters) grundsätzlich ein erfolgreiches ökonomisches und soziales Modell“. Gleichzeitig erfülle aber „unser Wirtschaftssystem berechtigte Ansprüche wie Gerechtigkeit, Fairness oder Nachhaltigkeit derzeit nicht“, betonte er. Richters ist der Ansicht, dass „kein grundsätzlicher Wechsel des Wirtschaftssystems erforderlich (sei), um zu einer ökonomisch leistungsfähigen, sozial gerechten und ökologisch tragfähigen Gesellschaft zu kommen.“ „Die wichtigste ideelle Grundlage von Marktwirtschaft (sei) die sogenannte Leistungsgerechtigkeit.“ „Und wenn das Leistungsprinzip die Formulierung eines fundamentalen Gerechtigkeitsprinzips (sei, dann seien) leistungslose Einkommen für Marktwirtschaften ein Problem.“ Man solle daher nicht den bereits vorhandenen leistungslosen Einkommen aus Technologie, Bodenrenten und Akkumulation von Kapital ein weiteres, wie das bedingungslose Grundeinkommen, hinzufügen, sondern „die Quellen leistungslosen Einkommens trockenlegen“ und für eine gerechte Verteilung sorgen. Dann werde ein bedingungsloses Grundeinkommen gar nicht mehr benötigt.

Christian Felber während seines Vortrags Christian Felber (Bild: Peter Hahn)

Vortrag von Christian Felber

Christian Felber formulierte seine Forderungen radikaler, er will mit „seiner“ Gemeinwohl-Ökonomie eine ganz neue Wirtschaftsordnung aufbauen, die sich am Gemeinwohl und nicht am finanziellen Nutzen orientiert.

Dazu einige Zeilen aus Felbers Buch: „Die Gemeinwohl-Ökonomie“, 2014, die die Inhalte seines Vortrags illustrieren:

„Dabei sagt die Gemeinwohl-Ökonomie nicht: »Ich bin das einzig denkbare Wirtschaftsmodell der Zukunft« und alle anderen Alternativen braucht es nicht, sondern sie beschreibt wichtige Elemente einer Wirtschaftsordnung – Markt, Erwerbsarbeit, Erfolgsmessung, Geld, Finanzsystem, Eigentum und andere.“

„Der Gemeinwohl-Ökonomie liegt dreierlei am Herzen:

1. Sie will den Werte-Widerspruch zwischen der Wirtschaft und der Gesellschaft auflösen, indem in der Wirtschaft dieselben Verhalten und Werte belohnt und gefördert werden sollen, die unsere zwischenmenschlichen Beziehungen gelingen lassen: Vertrauensbildung, Wertschätzung, Kooperation, Naturverbundenheit, Solidarität und Teilen.

2. Die Werte und Ziele unserer Verfassungen sollen in der Wirtschaft konsequent umgesetzt werden. Die gegenwärtige realverfasste Wirtschaftsordnung widerspricht dem Geist der Verfassungen.

3. Die wirtschaftliche Erfolgsmessung wird umgestellt von den Mitteln auf die Ziele des Wirtschaftens. Der Zweck allen Wirtschaftens ist nicht die Mehrung des Kapitals, sondern des Gemeinwohls. Anders gesagt: Nicht Tauschwerte sind das Ziel, sondern Nutzwerte.“

Robert Habeck in seinem Vortrag Robert Habeck in seinem Vortrag (Bild: Costa Belibasakis/TH Köln)

Vortrag von Robert Habeck

Nach den beiden Vorrednern hatte Robert Habeck für seinen Vortrag und die anschließende kurze Diskussion die schwierige Aufgabe, die Visionen und Konzepte aufzugreifen und Stellung zu beziehen, inwieweit diese politisch durchsetzbar sind bzw. durchgesetzt werden sollten.

Aussagen aus einem am 01. April 2019 erschienen Interview zum neuen Grundsatzprogramm der Grünen geben den Tenor seiner Rede auf der Konferenz treffend wieder: „Das Wort sozial-ökologische Marktwirtschaft haben wir bewusst gewählt. Ludwig Erhards Prinzip, dass Kreativität und Innovation belohnt werden sollen, ist auch heute noch aktuell und der richtige Weg. Erhard wusste aber auch, dass ein ungeregelter Markt Ungleichheit so groß werden lässt, dass mangelnde Fairness die Gesellschaft zersetzt. Diese Tendenzen erleben wir heute und müssen etwas dagegen tun. Es entstehen digitale Monopole. Markt wird mit immer mehr materiellem Besitz gleichgesetzt. Wir wollen, dass der Markt der Gesellschaft dient, ihn vom Ressourcenverbrauch entkoppeln und ökologisch schädliches Verhalten teurer machen. Wir brauchen einen Wettbewerb um das beste Gemeinwohl, nicht den höchsten Eigennutz." (Passauer Neue Presse).

Podiums Diskussion mit Christian Felber, Robert Habeck und Oliver Richters Christian Felber, Robert Habeck und Oliver Richters (Bild: Costa Belibasakis/TH Köln)

Podiumsdiskussion

An der Podiumsdiskussion am Nachmittag konnte Robert Habeck leider wegen anderer Verpflichtungen nicht mehr teilnehmen. Dafür wurde die Diskussionsrunde verstärkt durch Maxi Uellendahl, Vorsitzende der Kölner Wirtschaftsjunioren, die wichtige Fragen und Kommentare aus Arbeitgeber- und Unternehmer-Sicht einflechten konnte, z.B. was die Umsetzbarkeit der vorgestellten Konzepte angeht. Moderiert wurde die Diskussion durch eine Absolventin der TH Köln, Janine Kulmus.

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