Digitale Weiterentwicklung in der Versicherungsbranche

Das InsurLab Germany, eine Plattform zur Vernetzung von Start-Ups und der Versicherungswirtschaft, ist jetzt von NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart und der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker eröffnet worden.

Das Projekt ist Teil der Hub-Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und wurde von der Stadt Köln, der IHK Köln, der Universität zu Köln und der TH Köln initiiert. Prof. Dr. Michaele Völler, Institut für Versicherungswesen, zur Bedeutung des InsuLabs Germany.

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für die Versicherungsbranche?

Völler: Die Versicherungsbranche ist prädestiniert für die digitale Weiterentwicklung, da sie mit einem immateriellen Produkt – der Versicherung – handelt und somit eine daten- und wissensbasierte Disziplin darstellt. In manchen Bereichen ist die Digitalisierung der Branche schon gut vorangeschritten, etwa bei der Automatisierung von Prozessen, so dass beispielsweise standardisierte Anträge gar nicht mehr auf die Schreibtische von Sachbearbeitern gelangen. Einen großen Aufholbedarf gibt es hingegen im Bereich Daten und Analytik. Die Versicherungsunternehmen verfügen über gewaltige Datensätze, die bislang aber noch nicht systematisch genutzt werden, um beispielsweise Risiken genauer zu berechnen und damit die Prämie für eine Versicherung besser zu bestimmen oder um bessere kundenzentrierte Services zu bieten.

Welche Rolle spielt dabei das InsurLab Germany?

Völler: In der Versicherungsbranche dominieren zurzeit die etablierten Versicherer, die sehr erfahren in der Tarifgestaltung, Abwicklung und allen regulatorischen Anforderungen sind, aber traditionell sehr stark vom Produkt her denken. In den letzten Jahren kamen immer mehr junge InsurTech-Start-Ups auf den Markt, die für die Versicherungsbranche unter Einbezug moderner Technologien neue Geschäftsmodelle entwickeln und verbesserte Dienstleistungen oder Produkte anbieten. Sie haben damit die Digitalisierung im Blick und denken vom Kunden her – ganz im Sinne des Silicon Valleys. Mit dem InsurLab Germany bieten wir erstmals eine Plattform, auf der etablierte Versicherer und Start-ups zusammenkommen und kollaborieren können, und das mit wissenschaftlicher Begleitung. Als erste Schritte stellt das InsurLab Germany den Start-Ups Büro- und Experimentierflächen zur Verfügung oder steht ihnen über einen längeren Zeitraum in einem intensiven Coaching zur Seite. Auch gemischte Teams aus Start-Up- und Versicherungsmitarbeitern können hier gemeinsam an innovativen Konzepten arbeiten. Zudem gibt es Pitch-Days, bei denen Start-Ups ihre Ideen den Unternehmen vorstellen, oder Reverse-Pitch-Days, an denen die Unternehmen ihre Problemfelder erläutern und um Unterstützung durch die Start-Ups werben. Das Institut für Versicherungswesen bringt seine wissenschaftliche Kompetenz in das InsurLab Germany ein, sowie laufende und künftige Projekte unserer Studierenden. Davon profitieren alle Beteiligten, auch wir.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Lehre des Instituts?

Völler: Unsere Studierenden haben bereits heute sehr gute Job-Perspektiven. Wir wollen künftig in der Lehre aber noch mehr auf die Zukunftsthemen der Branche setzen, zum Beispiel im Curriculum unseres reakkreditierten und umbenannten Masterstudiengangs „Risk and Insurance“. Beispielsweise wird die Versicherungsbranche verstärkt nach Möglichkeiten suchen, ihre Produkte erlebbarer zu machen. Bislang nehmen viele Kunden ihre Versicherung vor allem als Kostenfaktor wahr, da nur ein kleiner Teil von ihnen wirklich einmal von einem Schadenfall betroffen ist. Im Falle einer Krankenversicherung könnten zum Beispiel darauf abgestimmte Gesundheits-Apps echten Wert bieten, die Kundenerfahrung positiv beeinflussen und die Bindung ans Unternehmen stärken.

28.11.17

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