Prof. Dr. Kai Thürbach

Louisa Güthing-Rinsdorf

Female Entrepreneurship: Gründerinnen gezielt fördern

Trotz hoher Qualifikation und Innovationspotenziale gründen Frauen nach wie vor seltener Unternehmen als Männer. Der Gateway-Verbund adressiert diese strukturelle Lücke seit mehreren Jahren mit dem EM*power-Programm, das gründungsinteressierte Frauen bei der Weiterentwicklung ihrer unternehmerischen Vorhaben begleitet und ihnen den Zugang zu unternehmerischen Netzwerken und Ressourcen erleichtert.

Interdisziplinäres Projekt erforscht Gründungsunterstützung für Frauen

Im Forschungsprojekt „EM*power Begleitforschung“ untersucht die TH Köln gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universität zu Köln, welche Bedarfe von angehenden Gründerinnen durch das bestehende EM*power-Programm bereits gut adressiert werden und an welchen Stellen noch Entwicklungsbedarf besteht.

„Gesamtwirtschaftlich betrachtet sind neue Unternehmensgründungen von großer Bedeutung, da sie Innovationen hervorbringen, Arbeitsplätze schaffen und wesentlich zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen können. Um die langfristige Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft zu sichern, brauchen wir mehr Personen, die unternehmerisch tätig werden wollen und können. Genau hier setzt unser interdisziplinäres Forschungsprojekt an“, erklärt Prof. Dr. Kai Thürbach, Inhaber der Professur für Unternehmensführung und Entrepreneurship an der TH Köln und in verschiedenen Funktionen einer der Treiber des Kölner Gründungs-Ökosystems und der Gründungs-Unterstützungsmaßnahmen im Verbund der Gateway Hochschulen Köln.

„Unser Ziel ist es, besser zu verstehen, wie eine im unternehmerischen Gründungs-Ökosystem bislang unterrepräsentierte Gruppe – Frauen mit Gründungsinteresse – gezielt in ihren unternehmerischen Absichten und ihrem Mindset gestärkt werden können,“ so Professor Thürbach

Zahlreiche Studien zeigen, dass Frauen im Durchschnitt geringere Gründungsintentionen aufweisen als Männer und ihr Vertrauen in die eigenen unternehmerischen Fähigkeiten niedriger ist. Darüber hinaus sind sie in Gründungsunterstützungsprogrammen, die genau diese psychologischen Faktoren stärken, unterrepräsentiert. Forschungsergebnisse deuten zudem darauf hin, dass Frauen selbst bei einer Teilnahme an solchen Programmen nicht immer im gleichen Maße profitieren wie Männer.

Dies verdeutlicht, dass Gründungsunterstützungsangebote, die geschlechtsblind sind, also alle Geschlechter gleichbehandeln, teilweise nicht ausreichen, um gründungsinteressierte Frauen wirksam zu erreichen. Vor diesem Hintergrund werden seit Jahrzehnten gezielt frauenspezifische Programme entwickelt, die einen wichtigen Schritt für mehr Chancengleichheit im Gründungskontext setzen.

Gleichzeitig zeigt sich, dass eben diese Programme kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen, da gründungsinteressierte Frauen keine homogene Gruppe darstellen. Sie unterschieden sich entlang verschiedener Dimensionen, etwa hinsichtlich ihres Alters, Bildungswegs, Migrationsgeschichte, Care-Verantwortung oder beruflichen Vorerfahrungen. Viele bestehende Programme und Studien gehen jedoch implizit davon aus, dass alle teilnehmenden Frauen ähnliche Bedürfnisse haben und vernachlässigen diese Unterschiede.

„Viele Studien fokussieren vor allem Geschlechterunterschiede zwischen Frauen und Männern und zeigen etwa, dass Frauen ihre Erfolgschancen oft skeptischer einschätzen. Uns interessiert jedoch weniger die Frage ob Geschlechterunterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen, sondern welche unterschiedlichen Unterstützungsbedarfe Frauen haben – also worin sich gründungsinteressierte Frauen unterscheiden –  und wie Hochschulen gezielt darauf reagieren können, also wie man bestehende frauenspezifische Programme noch weiter verbessern kann“, erläutert Co-Projektleiterin Louisa Rinsdorf. Sie ist Psychologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TH Köln und Promovendin an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

„Auf dieser Grundlage möchten wir aufzeigen, wie frauenspezifische Gründungsunterstützungsprogramme weiterentwickelt und noch passgenauer gestaltet werden können,“ so Louisa Rinsdorf

Evaluation des bestehenden EM*power Programmes und Bedarfserhebung

Die Gateway Hochschulen Köln setzen sich bereits aktiv für die Förderung gründungsinteressierter Frauen ein und haben mit dem EM*power-Programm ein etabliertes Qualifizierungs- und Förderangebot geschaffen, das, kofinanziert von der Europäischen Union, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Rahmen des Exist-Programms gefördert wird. Ein zentraler Bestandteil des Forschungsprojekts ist daher die systematische Evaluation und Weiterentwicklung dieses Programms. „Im ersten Schritt analysieren wir die bestehenden Angebote des EM*power-Programms und untersuchen, inwiefern die Teilnahme tatsächlich dazu beiträgt, das unternehmerische Mindset der Teilnehmerinnen zu stärken“, erklärt Rinsdorf. „Dabei interessiert uns insbesondere, welche Frauen besonders stark von welchen Programmbestandteilen profitieren.“

Co-Projektleiterin Dr. Sophia Haski von der Deutschen Sporthochschule Köln ergänzt: „Im zweiten Schritt untersuchen wir, welche heterogenen Bedarfe und Erwartungen gründungsinteressierte Frauen an Gründungsunterstützungsprogramme haben.“ Dabei wird auch untersucht, welche Frauen sich überhaupt für die Teilnahme am EM*power-Programm bewerben und auch welche Frauen bislang nicht erreicht werden. „Wir möchten besser verstehen, welche Frauen die aktuelle Programmausrichtung anspricht und wer sich bislang bewirbt. Auf dieser Basis lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie das Programm künftig noch breiter aufgestellt werden kann, ohne an Wirksamkeit zu verlieren und wie Ressourcen noch gezielter eingesetzt werden können.“

Mixed-Methods: Quantitative und Qualitative Analysen

Personen Luisa Rinsdorf und Prof. Dr. Kai Thürbach, Professor für Unternehmensführung und Entrepreneurship, führen im Team aus TH Köln, Universität zu Köln und Deutscher Sporthochschule eine EM*power Begleitforschung durch (Bild: Dirk Osterkamp/TH Köln)

Das Forschungsteam arbeitet mit einem Mixed-Methods-Ansatz und kombiniert mehrwellige Online-Befragungen mit qualitativen Interviews. Ziel ist es, sowohl statistisch belastbare als auch vertiefende Einblicke in individuelle Erfahrungen und Bedarfe zu gewinnen, um praxisnahe Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Im Rahmen ihrer Forschung haben Prof. Dr. Kai Thürbach und Louisa Rinsdorf Fördermittel im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Get-iT-Fellowships aus dem Projekt Get-iT@TH Köln - Geschlechteraspekte in Forschung und Transfer eingeworben. Unterstützt wird das Team damit unter anderem von Lena Schöler, wissenschaftliche Hilfskraft und Studentin an der TH Köln und der Universität zu Köln. „Als Studentin eines gemeinsamen interdisziplinären Studiengangs an der Universität zu Köln und TH Köln erlebe ich die Arbeit in unserem interdisziplinären Team als besonders bereichernd. Die Schnittstellen zwischen Psychologie, Wirtschaftswissenschaften, Entrepreneurship Education und Gender Studies helfen uns, unterschiedliche Gründungskonzepte, Vorstellungen und das Mindset von Teilnehmerinnen besser zu verstehen, das EM*power-Programm zu evaluieren und so die Weiterentwicklung passgenauerer Unterstützungsangebote für Frauen im Entrepreneurship-Bereich voranzubringen“, sagt Lena Schöler.

Implikationen für die Geschlechtergerechte Gestaltung von Gründungsunterstützung

Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, aus den Forschungsergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen für die Gateway Hochschulen Köln, deren Fit for Invest-Programm sowie für weitere Hochschulen und Gründungsunterstützungseinrichtungen abzuleiten.

„Entrepreneurship Education sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch psychologisch unterstützend wirken und unterschiedliche Ausgangslagen der Teilnehmerinnen berücksichtigen“, betont Dr. Sophia Haski. „Wenn wir möchten, dass mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, müssen Programme so gestaltet sein, dass sie unterschiedliche Bedürfnisse, Erfahrungen und Wahrnehmungen der Teilnehmerinnen ernst nehmen.“

Das Forschungsprojekt leistet damit einen bedeutsamen Beitrag zur aktuellen Debatte um Geschlechtergerechtigkeit im Gründungskontext und zur Weiterentwicklung evidenzbasierter Entrepreneurship Education an Hochschulen.

Es zeigt zudem, wie die Gateway Hochschulen Köln erfolgreich nicht nur im Aufbau des Kölner Entrepreneurship Clusters mit gemeinsamer Marke Gateway und gemeinsamen Projekten (wie u. a. Gateway EM*Power, Fit for Invest, Start-up Center.NRW), gemeinsamen Prozessen und gemeinsamen Strukturen (Gateway Gründungsservices, Gateway Gründungsnetz e. V., Gateway Förderverein e. V., Gateway Factory) eng und strategisch abgestimmt zusammenarbeiten, sondern auch, wie sie interdisziplinär und über die institutionellen Grenzen der einzelnen Gateway Hochschulen (TH Köln, Universität zu Köln, Deutsche Sporthochschule Köln, Rheinische Hochschule und CBS) Forschungsthemen im Bereich Entrepreneurship und Gründungsunterstützung gemeinsam vorantreiben. So arbeiten in diesem Forschungsprojekt Beteiligte aus der TH Köln (Prof. Dr. Kai Thürbach, Louisa Rinsdorf, Prof. Dr. Daniel Thiemann, Dr. Stephanie Grubenbecher), aus der Deutschen Sporthochschule Köln (Dr. Anja Chevalier, Dr. Sophia Haski, Dr. Dorothee Trüb) und der Universität zu Köln (Prof. Dr. Mona Mensmann, Dr. Mulu Hundera) und weitere aus den Gateway Hochschulen Köln zusammen.

August 2026

Prof. Dr. Kai Thürbach

Louisa Güthing-Rinsdorf


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