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Erfolgreiche deutsch-spanische Hochschulkooperation: drei Doktortitel in zwei Tagen

Roozbeeh Faroughi bei seinem Promotionsvortrag (Bild: Heide Faeskorn-Woyke / TH Köln )

Masterabsolventen des Campus Gummersbach der TH Köln promovierten im spanischen Burgos

Drei Doktortitel an zwei Tagen, für Arbeiten auf hohem wissenschaftlichen Niveau mit klarem Praxisbezug, eine bestens funktionierende europäische Hochschulkooperation, künstlerische Kreativität und „geteiltes Wissen“, herzliche Gastfreundschaft und spanische Lebensfreude: alle Teilnehmer der Promotionsprüfungen, die Mitte Januar 2016 in Burgos stattfanden, waren begeistert von ihrem Aufenthalt in der spanischen Universitätsstadt. Vom Campus Gummersbach der TH Köln waren die Informatik-Professoren Dr. Heide Faeskorn-Woyke, Dr. Heiner Klocke und Dr. Horst Stenzel in die nordspanische Stadt gereist, die neuen Träger des Doktortitels sind Robert Giacinto, Arash Faroughi und Roozbeh Faroughi, alle drei Master-Absolventen des Campus Gummersbach.

Die iranischen Zwillinge Arash und Roozbeh Faroughi waren am Campus Gummersbach nicht nur im gleichen Arbeitsfeld „Usability“, also Gebrauchstauglichkeit von Software, tätig, sie hatten auch ähnliche Themen für ihre Promotionen: während sich Roozbeh mit „strategischem Design“ beschäftigte, war für Arash Faroughi die „Poesie des Designs“ das Thema. Im Umgang mit diesem Sujet bewies der Informatiker nicht nur weitreichende Geschichtskenntnisse, sondern auch persönliche Kreativität mit gezeichneten Illustrationen, die die 207seitige Ausarbeitung schmücken. Seine Darstellung der Entwicklung von Designideen, angefangen von Platon über Cicero bis Leonardo da Vinci, leitet über in moderne Informatik-Konzepte für Wissensmanagement, Software-Architektur und Interaktions-Design. Auf der Basis historischer Konzepte entwickelt Arash Faroughi zwei neue Konzepte: die “Ideen-basierte Erfindungsmethode“ und die “Geschichten-basierte Erfindungsmethode“. Diese Methoden wurden mit studentischen Gruppen der TH Köln erprobt und brachten für den Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher interaktiver Systeme gute Resultate. Ihre Stärken liegen in der Harmonisierung von Gegensätzen und der Generation von neuem Wissen und Ideen. Teilergebnisse der Faroughi-Studie erschienen bereits in internationalen Zeitschriften und beim renommierten wissenschaftlichen Springer-Verlag. Betreut wurde die Dissertation von Prof. Dr. Ana Maria Lara Palma (Universität Burgos), Prof. Dr. Friedbert Jochum von der TH Köln und Dr. Rafael Brotons Cano vom Automobilzulieferer Grupo Antolín, Burgos.

Arashs Zwillingsbruder Roozbeh Faroughi schrieb über die theoretischen Grundlagen des strategischen Designs und die Entwicklung von neuem Design-Wissen. Er entwickelte das „SCD-Modell“, SCD steht in der deutschen Übersetzung für „Strategisches Design und Denken in komplexen Strukturen sowie Design-Denken als nutzerzentrierter Ansatz“. Die Evaluation ergab, dass die SCD vor allem auf dem Gebiet der Anforderungsanalyse und der Entwicklung neuartiger Systeme ihre Stärken hat. An der Evaluation waren auch Studierendengruppen der TH Köln beteiligt. Die Dissertation wurde betreut von Prof. Dr. Ana Maria Lara Palma aus Burgos, Prof. Dr. Heinrich Klocke von der TH Köln und Dr. Rafael Brotons Cano, Grupo Antolín, Burgos.

Robert Giacinto schrieb über „Openplexus”, ein verteiltes Netzwerk, mit dem Wissen geteilt werden kann. Nach einer Anforderungsanalyse für ein solches sogenanntes Framework an der TH Köln und Kooperationspartnern wie Cisco kam 32jährige Informatiker zu dem Schluss, dass existierende Systeme wie etwa Haystack oder Gwnosis nicht genügend Möglichkeiten für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Nutzer bieten. Er entwickelte deshalb ein Java-basiertes System in drei Schichten, in denen verschiedene Facetten von Wissen als Netzwerk von Informationen mit logischen Relationen (Ontologie) mit Hilfe sprachbezogener Technologien und Software-Agenten aufgebaut wird. Die drei Schichten umfassen eine lokale Schicht, eine Gruppenschicht und eine Firmenschicht. Die Dissertation wurde in Burgos von Prof. Dr. Ana Maria Lara Palma betreut und an der TH Köln von Prof. Dr. Horst Stenzel. Der amerikanische Informationsdienst github veröffentlichte die gesamte Arbeit, Teilergebnisse der Dissertation erschienen im Journal of Social Sciences.

Die Gutachterinnen und Gutachter für die drei Promotionsprüfungen in zwei Tagen kamen nicht nur aus Deutschland und Spanien, sondern auch aus Japan: Prof. Dr. Kiyoshi Murata von der Meiji University aus Tokyo war wie seine europäischen Kolleginnen und Kollegen der Meinung, dass alle drei Arbeiten die Bestnote verdient hatten. Außer ihm waren Mitglieder der Ruhr-Universität Bochum, der FH Rhein-Sieg,  der Universität Tarragona und ein Manager des Automobilzulieferers beteiligt.

Seit 2003 kooperiert der Campus Gummersbach der TH Köln mit der Universität in Burgos, die Initiative stammte von der jetzigen Direktorin des Informatik-Instituts, Prof. Dr. Heide Faeskorn-Woyke. Sie freut sich sehr über diese Ergebnisse der europäischen Hochschul-Zusammenarbeit. Die Schöpfer der wissenschaftlichen Arbeiten bewähren sich nach Ihrem Hochschulabschluss inzwischen in der Unternehmenspraxis: Während Robert Giacinto inzwischen für Kaufhof Galeria in Köln tätig ist, arbeiten die Zwillinge Arash und Roozbeh Faroughi als IT-Unternehmensberater – beide beim gleichen Unternehmen, der axxessio in Bonn.

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