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Monika Probst
Campus Gummersbach

equal.IT@THKöln startet mit 10 Schulen im OBK und Köln

Mit der Forschungsstudie will die TH Köln Maßnahmen entwickeln, damit sich zukünftig mehr Schüler:innen für die Informatik interessieren. Dafür arbeitet sie mit zehn Schulen aus dem OBK und Köln zusammen. Beim Kick-off wurden Gründe identifiziert, warum die Informatik bislang eine Männerdomäne ist. An einer erste Umfrage nahmen 850 Schüler:innen teil.

EqualIT Thkoeln EqualIT Thkoeln (Bild: AdobeStock.com)

Die Berufsgruppe der Informatiker:innen ist mit ihren Jobs sehr zufrieden: Flexible Arbeitszeitmodelle, gute Arbeitsatmosphäre, hohe Nachfrage und Gehälter sind die Hauptgründe. Doch nur 20 Prozent der rund 140.000 Informatik-Studierenden sind Frauen (Quelle: Statistisches Bundesamt für das Studienjahr 2023/24). Auch heute noch wird die Informatik viel zu oft als männliche Domäne gesehen.  

Blickt man jedoch zurück zu den Anfängen, war das Programmieren bis in die 1960er-Jahre eine überwiegend weibliche Tätigkeit. In Westdeutschland startete 1970 das erste Informatikstudium, vorher lernten die Programmierer:innen durch Umschulung und on the job. In den 1980er-Jahren entwickelten sich einheitliche Standards, eroberte der „Nerd“ Popkultur und Medien – und Frauen zogen sich aus der Programmierung zurück.

„Als Softwareentwicklung besser bezahlt wurde, haben sich gewollt und unbewusst Strukturen entwickelt, die das Berufsumfeld für Männer attraktiver erschienen ließ. Dies muss sich nun schnell wieder ändern, denn wir benötigen eine Vielfalt in der Informatik, auch um digitale Souveränität sicherzustellen,“ sagt Dekan Prof. Dr. Christian Kohls, Leiter des Forschungsprojekts. Und das Stereotyp, dass Frauen sich kaum für Computer interessieren, hält sich weiterhin in vielen TV-Formaten und auch Jobanzeigen. In asiatischen Ländern ist dagegen die Geschlechterverteilung in der Informatik deutlich paritätischer.

Studiendesign

Im Forschungsprojekt equal.IT@THKöln sollen Methodenempfehlungen und Materialien entwickelt werden, die die TH Köln Schulen und anderen Hochschulen zur Verfügung stellen wird. Auch für die Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften verfolgt die Hochschule ein ehrgeiziges Ziel: Langfristig 50 Prozent Studentinnen in der Informatik. Im Studienjahr 2023/24 waren es rund 21 Prozent. „Streicht man den Punkt der interessensbedingten Vorkenntnisse, die junge Männer zum Start in ein Informatikstudium mitbringen, sind unsere Studentinnen genauso gut, in der Tendenz sogar leistungsstärker“, so Kohls. „Tatsächlich brauchen wir mehr Frauen in der Informatik, damit Produkte diverser gestaltet werden.“

Das Studiendesign ist längsschnittlich, d.h. dieselbe empirische Studie wird zu mehreren Zeitpunkten durchgeführt, die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungswellen werden verglichen. Angelegt sind zwei unabhängigen Kohorten: In der ersten werden 250 Schülerinnen der Klassen 12 und 13 über drei Jahre befragt: In quantitativen Fragebögen, qualitativen Interviews, jeweils zu Beginn des Schuljahres und direkt nach dem Abitur. Parallel dazu sollen ca. 50 Studentinnen der Informatik am Campus Gummersbach zu Beginn des ersten, zweiten und dritten Studienjahres befragt werden. Neben zentralen psychologischen Faktoren werden soziale und strukturelle Bereiche untersucht. Dabei werden u. a. Faktoren wie Selbstwirksamkeit, Interessenentwicklung, Studien- und Berufsorientierung, Zugehörigkeitserleben sowie geschlechterbezogene Stereotype und mögliche Barrieren untersucht.

„Wir möchten herausfinden, welche Geschlechterstereotype und Selbstwirksamkeitserwartungen die Teilnehmerinnen haben und wie sich diese über die Projektlaufzeit verändern“, sagt Psychologe Prof. Sefik Tagay von der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften. „Außerdem möchten wir wissen, welche Art der Interventionen einen positiven Einfluss auf diese Aspekte haben.“

Erste Maßnahmen und Erkenntnisse

Als erste Interventionsmaßname fand ein Creative Coding-Workshop an vier Schulen statt. Hier lernten die Schülerinnen über das Programmieren digitaler Bilder den Umgang mit Variablen und Funktionen. „Es zeigt sich, dass wir das Interesse für Coding vieler junger Frauen gewinnen, sobald wir es mit einem künstlerischen Ansatz verknüpfen“, sagt Sarah El ghammaz, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt.

Der Workshop der Auftaktveranstaltung, bei der mit Wolfgang Cieplik und Rainer Gottlich auch das Unternehmen Unitechnik und das Kaufmännische Berufskollegs des OBK vertreten waren, unterstrich: Besonders das „Nerd“-Image der Informatik sowie die Rahmenbedingungen an Schulen sind Hauptprobleme, warum Mädchen dem Fachbereich fernbleiben. An Schulen fehlt es oft an moderner technischer Ausstattung, stabilem Internet oder ausreichend qualifizierten Lehrkräften. Bei der Entwicklung weiterer Maßnahmen werden diese Aspekte fokussiert.

Gefördert wird equal.IT@THKöln durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Am Projekt beteiligt sind auf Seiten des Campus Gummersbach die Professor:innen Dr. Christian Kohls, Dr. Irma Lindt und Dr. Matthias Böhmer sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Sabine Huschke und Sahrah El ghammaz. Ebenfalls beteiligt ist die Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln mit Prof. Dr. Inken Lind, Prof. Dr. Sefik Tagay und Wiebke Hoppe sowie Pascal Steinhoff und Hanna Kleppe vom Innovation Hub Bergisches Rheinland e. V.

März 2026

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